Gerhard Seiler als Notvorstand des KSC eingesetzt
(dh/eis) "Die Tatsache, dass Gott und die Welt auf mich zukam und wollte, dass ich Präsident werde, hat bei mir zu Hause erst mal einen Ehekrieg ausgelöst." Mittlerweile sei aber alles wieder in Ordnung zu Hause, weiß Professor Dr. Gerhard Seiler zu berichten, der am heutigen Abend als "Retter des KSC" im Presseraum des Wildparkstadions begrüßt wurde. Punkt 18 Uhr gab der 71 jährige Ex Oberbürgermeister das bekannt, was im Umfeld ohnehin schon jeder erwartete. Seiler wird die Nachfolge von Detlef Dietrich als Präsident der Blau Weißen antreten. Um dies zu bewerkstelligen, trat der erst am 22. Februar ins Amt gewählte Vizepräsident Rolf Hauer zurück. Eine wirtschaftliche Konsolidierung wäre für einen Vorstand mit ihm und Michael Steidl als Vizepräsidenten nur sehr schwer zu realisieren gewesen. "Dummerweise kann so ein Notvorstand eben nur aus zwei Personen bestehen, bedauerte Seiler den Rücktritt Hauers.
Ohne sofortige Hilfe müsste der KSC die Insolvenz beantragen die Lizenz für die zweite Fußballbundesliga würde mit sofortiger Wirkung erlöschen. Mit dieser Aussage begann der neue Kopf im Wildpark seine Ausführungen und legt sogleich knallharte Fakten nach: Wir brauchen rund 1,7 Millionen Euro bis Anfang März, zudem 0,8 Millionen bis Ende März und etwa eine weitere Million Euro bis zum Ende der laufenden Spielzeit. Im laufenden Spieljahr müssen wir mit einem Verlust von einer Million Euro rechnen."
Vorrangige Aufgabe des Professors für Finanzwissenschaft an der Universität Karlsruhe ist also die Beschaffung liquider Mittel und damit die Lizenz für die kommende Zweitligasaison. Diese wäre ohne sofortiges Einschreiten nämlich stark gefährdet. Hierfür ist es aber wichtig, zunächst einmal ein richtungsweisendes Konzept zu erstellen, mit welchem potentielle Sponsoren an Land gezogen werden sollen.
Die Bedenkzeit, die sich Professor Seiler bis zum heutigen Tage eingeräumt hatte, hat das Ehrenratmitglied bereits zu umfassenden Gesprächen mit verschiedenen Banken und der Stadt Karlsruhe genutzt. So erklärt es sich, dass Seiler bei seinem Amtsantritt auch gleich die erste Erfolgsmeldung verbreiten konnte. Die Stadt Karlsruhe stellt kurzfristig eine Million Euro für den KSC bereit. Die vor Jahren vom KSC ausgebauten Bereiche rund um den Wildpark, wie Rasenplätze und VIP Räume wurden hierbei von der Stadt angekauft, so dass die Liquiditätslage bis auf Weiteres gesichert ist.
Die Verbesserung der Bilanzstruktur sei da das ungleich größere Problem. Dies ließe sich beispielsweise durch den Verkauf von Spielern nach der laufenden Saison bewerkstelligen. Ob man dies aber wolle, so Seiler, müsse man erst intensiv diskutieren.
Eine Umwandlung des Vereins in eine KgaA sieht er als unabdingbar an, diese Gesellschaftsform solle aber eng mit dem Verein, also auch den Amateurabteilungen, verzahnt bleiben.
Seiler wird nun zunächst als Notvorstand des Karlsruher SC agieren und, in den kommenden Monaten bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Wahl stellen und im Falle einer Mehrheit das Amt des Präsidenten bis September 2003 führen. Eine weitere Amtsperiode schloss Seiler hierbei allerdings nicht aus. Für das Amt des Vizepräsidenten wird voraussichtlich auch Rolf Hauer wieder kandidieren, der so zurück in den Vorstand gewählt werden könnte.











