Fortuna Düsseldorf zu Gast

Profis von David Ruf

Wir schreiben den 17. Juni 1999. Es ist 19 Uhr, als Fortuna Düsseldorf am 34. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga den Rasen des Oberhausener Niederrheinstadions betritt. Bereits zwei Spieltage vor dem Ende der Saison stand fest, dass sich die von Peter Neururer gecoachten Fortunen als abgeschlagener Tabellenletzter aus der 2. Liga verabschieden würden.

Von Andreas Kleber
Der finale 3:1-Auswärtserfolg nach Toren von Christian Beeck, Marek Lesniak und Rudolf Zedi stimmte einige der mitgereisten Düsseldorfer Anhänger nach Spielende dann aber doch zuversichtlich, was sie mit „Nur ein Jahr, dann sind wir wieder da!“-Rufen zum Ausdruck brachten. Dass sie mit dieser Einschätzung völlig daneben lagen, konnten sie zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht ahnen. Für zehn lange Jahre sollte es das vorerst letzte Mal gewesen sein, dass der Traditionsverein aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu einem Spiel auf Profiebene antrat.

Nach neun Jahren des „Vor sich Hindümpelns“ in der Dritt- beziehungsweise Viertklassigkeit war der Deutsche Meister von 1933 sowohl in Fußball-Deutschland, als auch in der eigenen Stadt bereits fast schon in Vergessenheit geraten, als sich Fortuna in der vergangenen Spielzeit anschickte, den Aufstieg ins Visier zu nehmen und diesen letztendlich auch zu realisieren. Als Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus am 23. Mai 2009 punkt 15.18 Uhr die Partie zwischen der Fortuna und Werder Bremen II abpfiff, kannte der Jubel in der mit 50.095 Zuschauern ausverkauften LTU-Arena keine Grenzen. Mit einem 1:0-Erfolg gegen die Hanseaten hatte die Mannschaft von Trainer Norbert Meier die Rückkehr in die 2. Liga als Tabellenzweiter hinter Union Berlin perfekt gemacht. Die Euphorie in Düsseldorf hatte sogar dermaßen gigantische Ausmaße angenommen, dass es vor der Begegnung in der gesamten Stadt keine Fanartikel mehr zu kaufen gab und Tickets in Internet-Auktionshäusern für stattliche Summen den Besitzer wechselten.

Fast hatte es den Anschein, als poliere die Rheinmetropole die eingerostete Liebe zu ihrer Fortuna wieder auf. Es war wieder schick, Fortuna-Fan zu sein. Im Zuge des Erfolgs hatten die Verantwortlichen des Clubs vor Beginn dieser Saison ihre liebe Mühe, die Erwartungshaltung der Anhänger zu dämpfen. Nicht wenige träumten bereits vor dem Auftaktmatch gegen den SC Paderborn von einem baldigen Aufstieg in die 1. Liga. „Für uns geht es in erster Linie darum, die Klasse zu halten“, sagte Meier kurz vor Rundenbeginn in einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung. Auch Wolf Werner, Geschäftsführer Sport, versuchte dem Überschwang Herr zu werden: „Das Wort Klassenerhalt spreche ich grundsätzlich nicht aus. Wir wollen die ersten zehn Spieltage abwarten und dann werden wir weitersehen.“

Inzwischen sind 27 Spieltage absolviert und selbst intern dürfte die bescheidene Zurückhaltung der Cluboberen angesichts des vierten Tabellenplatzes längst hoffnungsvoller Erwartungshaltung gewichen sein. Nach außen hin hält sich Meier allerdings weiter bedeckt und gibt sich in Interviews routiniert cool: „Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber wir schauen nach wie vor von Spiel zu Spiel. Die Fans dürfen selbstverständlich gerne träumen und von mir aus auch gerne ausrechnen was möglich ist.“ Verantwortlich dafür, dass die Anhänger des zweimaligen DFB-Pokalsiegers mit einem Auge auf die deutsche Eliteklasse schielen dürfen, ist die stolze Heimbilanz der Rheinländer. Mit 34 Punkten aus 15 Spielen belegt die Fortuna vor Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern den ersten Rang in der Heimwertung. Äußerst schwer hingegen tun sich die Rot-Weißen in der Fremde, wo in 13 Partien erst elf Zähler eingeheimst werden konnten – für eine Spitzenmannschaft eigentlich viel zu wenig.

Ein weiteres Problem ist die Düsseldorfer Offensive. Bislang trafen die Angreifer erst 37 Mal ins Schwarze. Allein zwölf Tore davon erzielte der Österreicher Martin Harnik, der momentan den dritten Platz in der Torjägerliste der 2. Liga einnimmt. Immerhin sieben Treffer gehen auf das Konto des Serben Ranisav Jovanovic, der sich damit gemeinsam mit seinem Sturmpartner für mehr als die Hälfte aller Düsseldorfer Tore verantwortlich zeigte.


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