F.C. Hansa Rostock: In der Ergebniskrise

von David Ruf

Nicht nur als Fan des KSC muss man mitunter sehr leidensfähig sein, auch die Nerven der Anhänger des F.C. Hansa Rostock wurden in den vergangenen Jahren phasenweise über die Maße strapaziert.

Von Andreas Kleber
Nach dem Abstieg aus der 1. Liga in der Saison 05/06 und der Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs zwei Spielzeiten später, folgte der sofortige Wiederabstieg. Einige Fans der Hanseaten nahmen den abermaligen Sturz in die Zweitklassigkeit damals gelassen und prophezeiten ihrem Club ein baldiges Comeback in der deutschen Eliteklasse. Vor allem jene Optimisten dürfte es besonders hart getroffen haben, als der letzte DDR-Meister am Ende von zwei nervenaufreibenden Zweitligajahren in der Relegation am FC Ingolstadt scheiterte (0:1/0:2) und erstmals in seiner noch jungen Vereinsgeschichte den Gang in die Drittklassigkeit antreten musste. Einst Flaggschiff einer ganzen Region, stand Rostock nun vor einem riesigen Scherbenhaufen: Knapp neun Millionen Euro Schulden drückten, die Lizenz für die 3. Liga wurde nur mit strengen Auflagen erteilt und die Mannschaft fiel auseinander. Der F.C. war endgültig ganz unten angekommen. Duelle gegen namhafte Konkurrenten schienen auf lange Frist allenfalls im DFB-Pokal oder bei Freundschaftsspielen möglich.

Dementsprechend kam es einer fußballerischen Sensation gleich, als Hansa Rostock im April des vergangenen Jahres als der Vorzeigeclub Mecklenburg-Vorpommerns hinter Eintracht Braunschweig die sofortige Rückkehr in die 2. Liga schaffte. „Zurück aus dem Urlaub“ prangte auf den offiziellen Aufstiegsshirts der Hanseaten, die bereits nach dem Spiel beim FC Bayern München II am 35. Spieltag der Öffentlichkeit präsentiert werden durften. Nicht nur die Fans, auch Hansa-Mitarbeiter und Mitglieder hofften inständig, dass es sich um einen einmaligen Ausflug in die unwirtlichen Gefilde der 3. Liga gehandelt haben würde. Denn schließlich ist der F.C. Hansa Rostock nicht nur das fußballerische Aushängeschild, sondern ein nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor einer ganzen Region. Vorrangiges Ziel war es, die Aufstiegseuphorie innerhalb der Mannschaft, aber auch im Umfeld in die neue Spielzeit hinüber zu retten, um das Unternehmen „Klassenerhalt“ so schnell wie möglich zu realisieren. Dass auf Erfolgscoach Peter Vollmann und seine Mannen ein Berg voll Arbeit zukommen würde war allen direkt und indirekt Beteiligten klar. Man war sich aber auch sicher, dass die im Kern zusammengebliebene Mannschaft über das nötige Potenzial verfügte, das Saisonziel zu erreichen. Schnell musste man jedoch erkennen, dass Euphorie und guter Wille nicht ausreichen, um die Konkurrenz in Schach zu halten. Es dauerte bis zum elften Spieltag, ehe Hansa gegen 1860 München seinen ersten Saisonsieg (2:0) bejubeln durfte. In Anbetracht des Abrutschens auf den vorletzten Tabellenplatz zogen die Verantwortlichen Anfang Dezember dann die Reißleine und entließen Vollmann.

Zum Nachfolger erkoren wurde Wolfgang Wolf. Der ehemalige Bundesligaprofi und erfahrene Fußballlehrer unterschrieb zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende, der sich im Falle des Klassenerhalts automatisch um ein weiteres Jahr verlängert. In Form von Punkten hat sich die Personalie Wolf bislang allerdings noch nicht ausgezahlt. In den bislang acht Spielen unter der Regie des 54-Jährigen gab es lediglich fünf Punkte. Jedoch muss hinzugefügt werden, dass die Mannschaft keineswegs enttäuschende Leistungen abliefert – von dem 1:5-Debakel gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Sonntag einmal abgesehen. Was fehlt, ist das nötige Quäntchen Glück, auch mal den einen Punkt festzuhalten. „Wir sind in einer Ergebniskrise“, brachte es Wolf nach der 2:3-Niederlage in Braunschweig am 24. Spieltag auf den Punkt. Konkrete Gründe für die anhaltende sportliche Talfahrt der Nordlichter zu eruieren, ist schwierig. Trotz knapper Kasse wurde die Mannschaft in der Winterpause noch einmal verstärkt. Der schwedische Angreifer und Publikumsliebling Freddy Borg schlug auf Anhieb ein und erzielte in fünf Spielen drei Treffer. Auch der slowakische Defensivakteur Marek Janecka fügte sich gut ein und wusste auf der rechten Abwehrseite bislang durchaus zu überzeugen. „Wir müssen jetzt mal anfangen zu gewinnen“, sagt Wolf und spricht damit all jenen aus der Seele, die dem Klub die Daumen drücken. Ein erneuter Abstieg könnte für Hansa in Anbetracht von mittlerweile rund 16 Millionen Euro Verbindlichkeiten nämlich fatale Folgen nach sich ziehen. Eine Transfersperre der DFL wurde in der Winterpause erst auf politischem Weg nach der Stundung von 4,5 Millionen Euro aufgehoben. Fraglich, wie die Blau-Weißen ihre Schulden in der 3. Liga zurückzahlen wollen. Darüber hinaus droht im Falle eines Abstiegs auch das Auseinanderbrechen der Mannschaft, denn momentan besitzen gerade einmal fünf Spieler einen Vertrag für Liga drei.

Alle Fakten zum F.C. Hansa Rostock:

Die Anschrift      
     
F.C. Hansa Rostock e.V.
Trotzenburger Weg 14
18057 Rostock
Telefon: (03 81) 4 99 99 10
Telefax: (03 81) 4 99 99 70
Internet: www.fc-hansa.de
E-Mail: info@fc-hansa.de

Das Gründungsdatum   
28. Dezember 1965

Die Vereinsfarben 
      
Weiß-Blau

Die Mitgliederzahl       
7.015

Die größten Erfolge  
     
Meister OL Nordost 1991
NOFV-Pokalsieger 1991

Das Stadion 
          
DKB-Arena (29.000 Zuschauer)

Das Präsidium       
Bernd Hofmann (Vorstandsvorsitzender)
Stefan Beinlich (Vorstand / Lizenzspielerabteilung)
Hans-Ulrich Gienke (Aufsichtsratsvorsitzender)
               
Der Trainer            
Wolfgang Wolf, geb. 24.09.1957 in Tiefenthal
               
Spielerstationen:
VfR Hettenleidelheim
1. FC Kaiserslautern
Stuttgarter Kickers
VfR Mannheim
       
Trainerstationen:
1994-1998     Stuttgarter Kickers
1998-2003     VfL Wolfsburg
2003-2005     1. FC Nürnberg
2005-2007     1. FC Kaiserslautern
2009              Skoda Xanthi (GRE)
2010-2011    Kickers Offenbach
Seit 7. Dezember 2011 beim F.C. Hansa Rostock           
               
Der Kapitän           
Sebastian Pelzer

Die Zugänge           
Pavel Kostal / SC Wiener Neustadt (AUT)
Marek Janecka / FC Zlaté Moravce (SLK)
Freddy Borg / Östers Växjö (SWE)
Dominic Peitz / FC Augsburg
Timo Perthel / SV Werder Bremen
Marek Mintal / 1. FC Nürnberg
Tino Semmer / FC Rot-Weiß Erfurt
Johannes Brinkies / eigene Jugend
Tom Weilandt / eigene Jugend

Die Abgänge           
Tom Trybull / SV Werder Bremen
Martin Stoll / Dynamo Dresden
Malick Bolivard / SV Babelsberg 03
Sergej Evljuskin / SV Babelsberg 03
Radovan Vujanovic / SC Preußen Münster
Andreas Kerner / RasenBallsport Leipzig
Enrico Neitzel / Anker Wismar
René Lange / F.C. Hansa Rostock II
Daniel Becker / vereinslos
Hendrik Großöhmichen / vereinslos
               
Das Saisonziel       
Klassenerhalt

Das letzte Spiel
Im Hinspiel am 25. September des vergangenen Jahres trennten sich der F.C. Hansa und der KSC in der Rostocker DKB-Arena vor 14.500 Zuschauern 1:1 (1:0). Nachdem Marcel Schied die Hausherren mit 1:0 (25.) in Führung gebracht hatte, glich Klemen Lavric per Kopfball zum 1:1 (77.) aus.


Match
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