Entscheidung über Klassenzugehörigkeit vertagt
(eis) Dabei hätte doch alles so schön sein können. Mit einem Sieg über Alemannia Aachen hätte sich der Karlsruher SC bereits am Samstag Nachmittag aus dem Kampf um den Klassenerhalt in Liga zwei verabschieden und das Feld den übrigen Nebenbuhlern, Mannheim, Reutlingen, Oberhausen, Unterhaching und dem heutigen Gegner aus dem Ruhrpott, überlassen können.Als die Begegnung nach 90 Minuten gelaufen war, konnte man in den Reihen des KSC allerdings nur hängende Köpfe erkennen. Mit 1:2 (1:2) unterlag man Alemannia Aachen und verpasste eine Vorentscheidung in der Frage um die Klassenzugehörigkeit der kommenden Spielzeit.
"Wenn wir so auftreten, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass wir heute keine Entscheidung herbeiführen konnten", so ein angefressener Cheftrainer Stefan Kuntz nach dem Schlusspfiff. Und da trösten ihn auch die Glückwünsche seines Gegenübers, Jörg Berger, nicht. Dieser wünschte dem KSC alles Gute im Saisonfinale und hofft auf weitere Aufeinandertreffen der beiden Clubs in der nächsten Saison.
Mit Berger kehrte ein bekanntes Gesicht an seine alte Wirkungsstätte zurück. Vier Jahre ist er her, da leitete der 57 Jährige die Geschicke der Wildparktruppe. Damals steckte man ebenfalls im Abstiegskampf, allerdings in Liga eins. Auf dem als "Feuerwehrmann" titulierten Coach ruhten damals alle Hoffnungen auf den Klassenerhalt, doch dieses eine Mal scheiterte Berger der KSC stieg ab und kurze Zeit später übernahm Rainer Ulrich das Traineramt beim badischen Zweitligisten. Seit 8. Oktober des vergangenen Jahres steht Berger bei Alemannia Aachen unter Vertrag und nach dem heutigen Tage scheint alles so, als schaffe er es erneut den Abstieg seiner Truppe zu verhindern.
Nachdem die Schwarz Gelben vor Wochenfrist Union Berlin mit 1:2 unterlegen waren, war ein Sieg gegen die Badener unbedingt von Nöten um nicht ganz tief in den Abstiegsstrudel hineingerissen zu werden.
Der für drastische Disziplinarmaßnahmen bekannte Berger wurde seinem Ruf auch vor der heutigen Partie gerecht und strich Mark Zimmermann, vergangenen Samstag noch in der Startformation, für die heutige Begegnung kurzerhand aus dem Kader. Härter traf die Aachener jedoch der Ausfall ihres Spielgestalters Karl Heinz Pflipsens, der an einer Kapselverletzung laboriert. Die beiden Neuen in der Startelf der Gäste waren Taifur Diane auf der rechten Angriffsposition und Frank Schmidt im Abwehrzentrum.
KSC Trainer Kuntz hatte nach zuletzt drei Siegen in Folge eigentlich gar keinen Grund personelle Veränderungen in seinem Team vorzunehmen. Allein die fünfte gelbe Karte Marco Grimms zwang den Saarländer zu einem Wechsel Torsten Kracht lief von Beginn an auf. Ansonsten begann der KSC, wie zuletzt, im 4 4 2 System, die offensiven Cetin und Fuchs auf den Außenbahnen, Daniel Graf und Bruno Labbadia, der heute sein 200. Zweitligaspiel absolvierte, im Angriff.
In den ersten Spielminuten war die Karlsruher Fußballwelt auch noch in Ordnung, die Wildparkelf begann zwar nicht gerade druckvoll, hatte aber dennoch die größeren Spielanteile. Die Alemannia hingegen wirkte verunsichert und ließ zunächst wenig von ihrer offensiven Grundausrichtung erkennen.
Bereits nach 120 Sekunden ließ Carsten Birk Gästekeeper Straub aussteigen, aus spitzem Winkel blieb dem Mittelfeldspieler aber nur noch der Pass auf die Außenbahn, Bruno Labbadia und Daniel Graf verpassten die folgende Hereingabe Aydin Cetins knapp.
Ein Warnschuss Daniel Grafs und eine Flanke Rothenbachs in die Arme von Stephan Straub waren dann noch das einzig Nennenswerte in den ersten zehn Minuten.
Vier Minuten später konnten die Gäste mit ihrem ersten gefährlichen Angriff auch schon mit 1:0 in Führung gehen, der Karlsruher Hintermannschaft wurde eine missglückte Abseitsfalle zum Verhängnis. Nach einem KSC Freistoß in der gegnerischen Hälfte schickte Markus Daun Angreifer Ivanovic über die linke Seite, der schob völlig frei stehend gegen den chancenlosen Thomas Walter ein.
Nachdem Rothenbach nur wenig später in letzter Sekunde gegen den erneut einschussbereiten Ivanovic retten konnte und Bruno Labbadia einen Kopfball über das Gehäuse setzte, erhöhte Alemannia Aachen nach 28 gespielten Minuten gar auf 0:2. Markus Daun, Vorlagengeber bei der 1:0 Führung, entwischte seinem Bewacher Marco Engelhardt über die rechte Außenbahn, zog nach innen und platzierte seinen Flachschuss aus 16 Metern genau in den Karlsruher Maschen.
Acht Minuten vor dem Seitenwechsel zog Stefan Kuntz dann personelle Konsequenzen aus dem Rückstand, Clemens Fritz kam für Marco Engelhardt und sollte das Karlsruher Angriffsspiel beleben. Dafür konnte der zwischenzeitlich weit aufgerückte Thijs Waterink wieder auf seine angestammte Position in der nun dezimierten Innenverteidigung zurückkehren. Eine Minute vor dem Pausenpfiff machte sich die Einwechslung dann auch bezahlt Fritz setzte sich über die rechte Seite durch, spielte auf Carsten Rothenbach und der sorgte mit seinem 1:2 Anschlusstreffer für aufkeimende Hoffnung beim Großteil der 11.500 Zuschauern im weiten Rund des Wildparks.
Den Schwung aus den letzten Minuten des ersten Durchgangs konnte der KSC dann auch in Halbzeit zwei hinüberretten, die Blau Weißen hatten nun die größeren Spielanteile und mühten sich redlich, aber erfolglos um den Ausgleichstreffer. 20 Minuten nach Wideranpfiff und einem Doppelpass zwischen Melkam und Fuchs, zog Ersterer vom linken Strafraumeck ab und zwang Stephan Straub zu einer Glanzparade. In der Folgezeit versuchten die Karlsruher verstärkt aus der Distanz zum Erfolg zu kommen, Birk, Fuchs und auch Melkam scheiterten aber mit zahlreichen Weitschüssen und Freistößen permanent an der Aachener Hintermannschaft oder deren Schlussmann Straub.
Der KSC warf nun alles nach vorne, aber auch die ungewöhnliche Maßnahme Stefan Kuntz Assistenztrainer Pezzaiuoli an die gegnerische Torauslinie zur Unterstützung der Balljungen zu beordern, brachte nicht das gewünschte Ergebnis.
Alemannia Aachen igelte sich nun förmlich im eigenen Strafraum ein, wusste sich oftmals nur durch taktische Fouls zu helfen und bemühte sich in der Vorwärtsbewegung durch Eckbälle oder Pass Stafetten auf den Außenbahnen Zeit zu gewinnen. Dies war Schiedsrichter Volker Wezel in der 77. Spielminute dann leid. Als sich Ivica Grlic mit der Ausführung eines Freistoßes auf Höhe der Mittellinie zu viel Zeit ließ, schickte der Unparteiische den zuvor schon mit Gelb bedachten Spielmacher vorzeitig in die Kabine, was Jörg Berger sichtlich in Rage brachte.
Neun Minuten vor Spielende bot sich den Schützlingen von Stefan Kuntz dann die größte Chance doch noch den Ausgleich zu erzielen. Aydin Cetin setzte eine Volleyabnahme nach einer Flanke Daniel Grafs nur knapp neben das Gästegehäuse.
In der Nachspielzeit rettete dann noch Thomas Walter gegen den freistehenden Olivier Caillas, dies änderte allerdings nichts mehr an der Niederlage, mit der sich die Karlsruher nun abfinden müssen.
Am kommenden Sonntag muss der KSC beim ebenfalls abstiegsbedrohten SV Waldhof Mannheim antreten. Mit drei Punkten aus dieser Begegnung, könnte das Team um Mannschaftskapitän Thijs Waterink zumindest einen Spieltag vor Saisonende den Sack zumachen und den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen. Anstoß im Mannheimer Carl Benz Stadion ist um 15 Uhr.











