DFB-Pokal: KSC unterliegt SV Sandhausen im Elfmeter-Krimi
Vor eindrucksvoller KSC-Kulisse im BWT-Stadion am Hardtwald unterliegen die Blau-Weißen denkbar knapp im Elfmeterschießen. Zuvor hatten die Karlsruher mit leidenschaftlichem Einsatz einen 0:2-Rückstand wettgemacht.

Personalie des Spiels:
Alle KSC-Fans in Sandhausen! Die deutliche und lautstarke Mehrheit der 8.644 Zuschauerinnen und Zuschauer im BWT-Stadion am Hardtwald waren Blau-Weiße. Und die sorgten für emotionale Heimspiel-Stimmung, peitschten ihr Team 120 Minuten plus Elfmeterschißen hemmungslos nach vorne und machten die Flutlicht-Partie zu einem wahren Pokal-Fight.
Christian Eichners Taktik:
Im Vergleich zur 1:2-Heimniederlage am Wochenende gegen den SV Darmstadt 98 nahm Cheftrainer Christian Eichner zwei Änderungen vor. Für Sebastian Jung verteidigte Marco Thiede rechts hinten, zudem kehrte Marcel Franke nach seiner Stammzellenspende für Christoph Kobald zurück in die Startelf, die wieder im 4-4-2 mit Raute orientiert war. Erstmals in dieser Saison nahm auch Kyoung-Rok Choi nach langer verletzungsbedingter Ausfallzeit wieder auf der Bank Platz.
Das Spiel in der Zusammenfassung:
Mit der lautstarken Unterstützung der KSC-Fans auf so gut wie allen Tribünen legten die Karlsruher gut los. Von Beginn an orientierten sich die heute Rot-Gelben offensiv, während sie in der Defensive früh anliefen und die Sandhäuser Mal für Mal unter Druck setzten. Mit dem ersten Angriff des SVS musste der KSC dann aber früh den Rückschlag hinnehmen. Verteidiger Stephan Ambrosius rutschte beim Klärungsversuch einer Flanke von Ochs der Ball über den Schlappen und flog in hohem Bogen über Gersbeck ins eigene Netz (8.). Wenige Minuten später rutschte der KSC-Defensive erneut die Kugel durch, Kinsombi tauchte allein vor dem Tor auf, aber Gersbeck parierte stark (12.)!
Der KSC ließ im weiteren Verlauf der Anfangsphase vom Rückstand aber nicht beirren und belagerte regelrecht die gegnerische Hälfte. Mehrmals war allerdings am Strafraum Schluss, erst Malik Batmaz konnte mit einer Hereingabe von links für etwas Gefahr sorgen, Drewes im SVS-Tor packte allerdings zu (16.). Die Karlsruher hatten deutlich mehr vom Spiel, nur konnten vor dem Sandhäuser Kasten nicht gefährlich werden. Bis zur 30. Minute dauerte es mit dem nächsten Abschluss, aber Heise zielte aus dem Rückraum knapp links neben den Pfosten. Auf der Gegenseite ging es Kinsombi ähnlich, der Schuss aus 20 Metern verfehlte sein Ziel (38.). Kurz vor einer guten Schussmöglichkeit wurde Batmaz in der 40. Minuten an der Strafraumkante unfair von Ochs gelegt, die Gelbe Karte von Schiedsrichter Petersen blieb aber aus. Heise setzte den fälligen Standard aus 18 Metern aber in die Mauer.
In der 44. Minute nutzte der SVS dann eine seiner wenigen offensiven Gelegenheiten und legte in Person von Zhirov nach: Einen Freistoß faustete Gersbeck aus dem Strafraum, dort stand der Sandhäuser Kapitän goldrichtig und bugsierte das Leder aus 20 Metern eiskalt in die Maschen. Extrem unglücklich für die aggressiven Karlsruher, die bis dato weiterhin die spielbestimmende Mannschaft waren.
Mit zwei Wechseln zur Pause brachte Christian Eichner frische Kräfte: Für Batmaz stürmte Rapp, für Nebel kam Arase. Direkt zu Beginn des zweiten Durchgangs nahm die Partie nochmals mehr Fahrt auf, wurde hektischer und auch die Karlsruher Fans sorgten auf den Rängen weiter für Unterstützung wie bei einem Heimspiel. Der Plan: gemeinsam die Wende schaffen!
Und die erste Gelegenheit dafür gab es in der 56. Minute: Arase dribbelte links im Strafraum, Papela spielte den Ball beim Grätschen mit der Hand. Elfmeter für den KSC! Wanitzek trat an und behielt die Nerven, der Anschlusstreffer (58.). In der Folge drängten die Karlsruher auf den Ausgleich. Schleusener versuchte es per Kopf, Drewes konnte aber zupacken (62.). Einen Konter über Rapp konnte Arase nicht vollenden, auch seine Direktabnahme landete in den Händen des SVS-Keepers (66.).
In der 73. Minute verwandelte Tim Breithaupt das Sandhäuser Stadion dann endgültig in ein Tollhaus: Über Arase kam der Ball in den zentralen Rückraum, von wo ihn das Karlsruher Eigengewächs direkt und hemmungslos in die Maschen drosch! Der Ausgleich.
In der Schlussviertelstunde versuchten beide Teams ihr Glück in der Offensive, um hier nach 90 Minuten als Sieger vom Platz zu gehen. Kinsombi verfehlte knapp aus 18 Metern (82.). Im Gegenzug konterte der KSC über Wirbelwind Arase, der jedoch von Zhirov im letzten Moment aufgehalten werden konnte (89.). Auf der anderen Seite war es der eingewechselte Soukou, der sich aber zulange mit der Kugel aufhielt, statt abzuziehen.
Auch in den vier Minuten Nachspielzeit wollte sich kein Team mit dem Unentschieden zufriedengeben. Bei einem SVS-Konter musste Thiede nochmal beherzt eingreifen und in letzter Sekunde mit einem taktischen Foul Kinsombi stoppen. Der entscheidende Treffer blieb aus – Verlängerung!
Die erste Aktion in der Extrazeit gehörte den Gastgebern, Ajdini konnte aber gleich zweimal geblockt werden (93.). Eine längere Unterbrechung gab es dann wenig später, weil sich Torhüter Patrick Drewes bei einer Landung unglücklich an der Wade verletzt hatte. Nach einer Behandlungspause konnte es für den Schlussmann aber weitergehen. Einen guten Konter nach Ballgewinn konnte Gondorf in der 105. Spielminuten nicht vollenden, der Abschluss von der rechten Strafraumecke ging drüber.
Für die letzten 15 Minuten wechselte Eichner in der kurzen Pause Mikkel Kaufmann für Fabian Schleusener ein, wenig später feierte Kyoung-Rok Choi (eingewechselt für Kelvin Arase) sein Comeback. Beide Mannschaften waren wieder gewillt, die Partie mit einem Treffer zu entscheiden, taten sich aber schwer, klare Torchancen zu kreieren. Vielmehr wurde eine zweikampfintensive Verlängerung gespielt. Erst in der 117. Minute wurde es auf beiden Seiten nochmal intensiv: Während für Sandhausen Kinsombi per Kopf nur die Latte traf, hatte Choi den Siegtreffer auf dem Fuß, Torhüter Drewes konnte diesen allerdings verhindern. Kurz darauf wurde der Schlussmann aber ausgewechselt von Nikolai Rehnen ersetzt, die Verletzung von zuvor erwies sich zu hinderlich für ein etwaiges Elfmeterschießen.
Und zu diesem kam es wenig später auch. Als erster Schütze trat Philipp Ochs an, der Gersbeck überwinden konnte. Für den KSC konnte Wanitzek auch seinen zweiten Elfmeter der Partie mittig verwandeln. Für den SVS blieb wiederum Soukou ruhig und traf ebenfalls. KSC-Kapitän Gondorf zimmerte die Kugel regelrecht ins Netz. Beim Schuss von Papela war Gersbeck in der richtigen Ecke, jedoch wenige Zentimeter zu kurz. Auch Heise behielt die Nerven und glich wieder zum 5:5 aus. Doch auch Bachmann konnte Sekunden später verwandeln. Dann trat Breithaupt an und blieb ebenfalls kompromisslos. Ritzmeier traf wiederum für den SVS. Simone Rapp zielte flach und die Kugel schlug rechts im Kasten ein. Alle regulären Schützen blieben also bis dato fehlerfrei. Auch Dumic gab sich keine Blöße. Mikkel Kaufmann hielt die Partie weiter spannend und vollendete ebenfalls sicher. Genauso sicher blieben Höhn beim 9:8 und Choi beim 9:9. Beim Versuch von Kutucu war Gersbeck dran, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Der nächste Schuss beendete die Partie beim Spielstand von 10:9, Marcel Franke zielte zu mittig und Nikolai Rehnen konnte parieren.
Fazit & Ausblick:
Der KSC unterliegt dem SV Sandhausen nach einem an Spannung nicht zu überbietenden Elfmeterschießen und scheidet damit in der 2. Runde aus dem DFB-Pokal aus. Großer Kampf wurde nach dem unglücklichen 0:2-Rückstand nicht belohnt. Die Stimmung auf den Tribünen blau-weiß-sensationell.
Am kommenden Sonntag geht es für die Karlsruher wieder in der 2. Bundesliga weiter, wenn Fortuna Düsseldorf im BBBank Wildpark zu Gast ist.
Die Übersicht:
Aufstellung SVS: Drewes (119. Rehnen) – Ajdini (119. Ritzmaier), Zhirov, Höhn, Ochs - Papela, Esswein (88. Soukou), Bachmann, D. Kinsombi (68. Dumic), C. Kinsombi - K. Ademi (68. Kutucu). Bank: Rehnen (Tor), Sicker, El-Zein, Trybull, Pulkrab. Trainer: Alois Schwartz
Aufstellung KSC: Gersbeck - Thiede, M. Franke, Ambrosius (77. Ballas), Heise - Breithaupt, Gondorf, Wanitzek, Nebel (46. Arase, 111. Choi) – Batmaz (46. Rapp), Schleusener (106. Kaufmann). Bank: Eisele (Tor), Jung, Kobald, Jensen. Trainer: Christian Eichner.
Tore: 1:0 Ambrosius (8., ET), 2:0 Zhirov (44.), 2:1 Wanitzek (58.), 2:2 Breithaupt (73.).
Gelbe Karten: C. Kinsombi, Ademi, Kutucu, Papela – Wanitzek, Heise, Kaufmann.
Gelb-Rote Karte: Moutas (Co-Trainer)
Ort: BWT-Stadion am Hardtwald
Zuschauer: 8.644
Schiedsrichter: Martin Petersen











