Conor Casey lässt vollen Wildpark jubeln
(eis) Conor Casey sorgte mit seinem Siegtor am Sonntag vor ausverkauftem Haus für den Klassenerhalt des KSC. Nach dem wohl besten Saisonspiel zum Abschluss können die Planungen für die kommende Runde nun beginnen. Hängende Köpfe gab es dagegen im Aachener Lager: Die Elf aus der Kaiserstadt war in der besten Ausgangsposition im Kampf um den noch zu vergebenden Aufstiegsrang angereist und musste im Karlsruher Freudenrausch den Mainzern Platz drei überlassen.
Die Bilder schienen fast schon vertraut: Um 16.48 Uhr stürmten die KSC Fans am Sonntagnachmittag den Rasen des Wildparkstadions und die Mannschaft ließ sich auf der Empore der Haupttribüne bejubeln. Zum dritten Mal in Folge musste die Anhängerschaft bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern, zum dritten Mal standen die Badener am Ende als strahlender Sieger da. Doch so spannend wie gestern war die Ausgangssituation in den letzten Jahren nie. Nur ein einziger Punkt trennte die Karlsruher vor dem Anpfiff vom Sturz in die Oberliga und zu Gast war Alemannia Aachen die Mannschaft mit den besten Karten im Kampf um den noch zu vergebenen Aufstiegsplatz.
Rund 10.000 Aachener reisten aus der Kaiserstadt nach Karlsruhe an, um hautnah beim fast sicher geglaubten Aufstieg ihrer Elf dabei zu sein. Fast eine Stunde vor dem Anpfiff schlossen deshalb nacheinander die Kassenhäuschen rund um den Wildpark, 32.000 Zuschauer drängten sich ins restlos ausverkaufte Stadion. Letztmals waren vor sechs Jahren, beim vorletzten Erstligaspiel gegen den VfB Stuttgart, alle Plätze belegt.
Lorenz Günther Köstner hatte seine Mannen seit Freitag in der Sportschule Schöneck auf die alles entscheidende Partie eingeschworen, die Nervosität war der jungen Mannschaft beim Aussteigen aus dem Mannschaftsbus jedoch deutlich anzumerken. Für zusätzliche Anspannung sorgte die Nachricht, dass mit "Abdul" Ouakili einer der wenigen Routiniers im Kader mit einer Zerrung nicht ins Geschehen eingreifen konnte. Das Zittern fand auch kein Ende, als kurz nach dem Anpfiff der Aachener Daniel Gomez völlig frei vor KSC Schlussmann Martin Fischer auftauchte, den Ball aber in die Wolken drosch. Fast zeitgleich lag LR Ahlen bei Aufsteiger Nürnberg bereits mit 2:0 in Führung bei einer Karlsruher Niederlage hätten nun sowohl Lübeck, als auch Regensburg in ihren Partien patzen müssen.
Kurz vor dem Seitenwechsel wich die Gänsehaut auf den Rängen jedoch grenzenlosem Jubel. Nachdem die von Marco Engelhardt angeführte Elf die gesamte Halbzeit dominierte und Aachen in deren Hälfte zurückdränge, verwertete Conor Casey eine Vorlage von Thomas Kies und schoss die Kugel gezielt und abgebrüht ins kurze Eck von Stephan Straub. Nach dem Wiederanpiff ließen zwar auch die Gäste so langsam ihre Ambitionen aufblitzen, als Aufstiegsaspirant nicht mit leeren Händen nach Hause fahren zu wollen, wirklich in Bedrängnis kam die abgebrühte KSC Abwehr jedoch nicht.
Kurz nach dem Seitenwechsel hätte Marco Engelhardt beinahe für einen völlig entspannten zweiten Durchgang gesorgt: Aus 15 Metern ballerte der Kapitän in den Winkel, das aufmerksame Schiedsrichtergespann hatte jedoch aufgepasst und Engelhardt sein Abschiedsgeschenkt wegen einer Abseitsstellung von Jan Männer nicht anerkannt. Den ungewöhnlichen Abgang verschaffte sich der 23 Jährige kurz vor Schluss dann aber dennoch. Nach einem rüden Foulspiel stellte Referee Markus Merk Engelhardt in der Schlussminute mit der roten Karte vom Feld dieser ließ sich die Laune dadurch nicht vermiesen und verließ das Feld unter Standing Ovations von den Rängen.
Wo der Thüringer in der kommenden Saison gegen den Ball treten wird, ist noch völlig unklar. In der Winterpause hatte Marco Engelhardt bei 1860 München unterschrieben, in der Zweiten Liga hat der Kontrakt jedoch keine Gültigkeit. Große Hoffnungen, den Mittelfeldchef nun doch im Wildpark halten zu können, machte sich KSC Präsident Hubert Raase auch im größten Freudentaumel nicht: "Ich gehe davon aus, dass Marco bei einem anderen Erstligisten unterkommen wird. Das ist auch in Ordnung, er hat das Zeug dazu!"
Warum die Wildparkelf nicht das Zeug dazu hatte, den Abstiegskampf frühzeitig zu beenden und weiter oben mitzuspielen, fragten sich nach der gestrigen Leistung nicht wenige. "Klar hätten wir das früher klar machen können", jubelte der waschechte Karlsruher Thomas Kies mit einem breiten Grinsen. "Aber wir wissen ja, wie es finanziell um den KSC steht. Da wollten wir es spannend machen und die Hütte heute voll bekommen." Bei Kies Kollegen Christian Hassa war die Erleichterung auch Minuten später noch nicht so ganz dem ausgelassenen Jubel gewichen: "Wenn man es packt, ist das eine Riesensache, aber eigentlich hätte es nicht so kommen müssen. Ich habe nach der letzten Saison schon gesagt, dass ich nicht noch mal bis zur letzten Minute zittern will."
Dass es soweit in der kommenden Spielzeit nicht kommen wird, versprach Hubert Raase Arm in Arm mit der Mannschaft den Fans auf dem Rasen. Details zu den Planungen für die nächste Saison mochte das Vereinsoberhaupt aber noch nicht vermelden. In den kommenden Tagen, versprach der 60 Jährige weiter, werde aber schon mit ersten Erfolgsmeldungen zu rechnen sein. Unter anderem soll Klarheit geschaffen werden, ob der interne Torschützenkönig Conor Casey und Jan Männer auch in der kommenden Spielzeit ihre Kickschuhe für den KSC schnüren. "Da ist es natürlich schade, dass sich Borussia Dortmund und der SC Freiburg bisher so bedeckt halten, aber ich bin guter Dinge", erklärte Raase.
Als Höchststrafe dürften es die bedröppelten Aachener empfunden haben, ausgerechnet im Jubel der Massen ihre Glückwünsche an Aufsteiger Mainz senden zu müssen. Sportdirektor Jörg Schmadtke und die meisten Spieler taten das artig, wenn auch mit enttäuschter Mine. Nur Trainer Jörg Berger gab sein bestes, um sich zum schlechten Verlierer zu machen. "Es interessiert mich überhaupt nicht, dass wir heute gegen den KSC oder sonst wen verloren haben, das ist doch völlig uninteressant", versuchte der Fußballlehrer seine Enttäuschung darüber zu vertuschen, dass seine Elf ausgerechnet bei seinem Ex Verein den Aufstieg verspielte. "So ist das im Fußball wir haben sehr viel erreicht und stehen mit hängenden Köpfen da, die hier hatten eine Scheiß Saison, haben so gut wie nichts erreicht und feiern jetzt." Auf der Rückfahrt in die Kaiserstadt hatte Jörg Berger dann aber wohl ausreichend Zeit, um darüber nachzudenken, warum über 22.000 Fans den Rasen stürmten und eine "Scheiß Saison" feierten.











