Blum: "Karlsruhe? Eine überragende Zeit!"

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Sechs Monate verletzt, letztes Wochenende meldete er sich mit einem Tor zurück: Danny Blum trifft am Samstag (13 Uhr) mit dem 1. FC Nürnberg auf seinen Ex-Verein KSC, mit dem er 2013 den Aufstieg in die zweite Liga feierte. Wir haben den Stürmer im Interview.

Danny, der 1. FC Nürnberg hat am Wochenende einen Rückstand in Düsseldorf gedreht und du hast mit deinem ersten Tor für Nürnberg wesentlich zum Sieg beigetragen. Ein perfektes Wochenende für dich und den Club?
Nach dem unglücklichen Start in 2015 hatten wir uns eine Menge vorgenommen. Wir haben in Düsseldorf gewonnen und sind an der Fortuna vorbeigezogen. Für mich persönlich war es ein Erfolg, weil ich nach langer Verletzung wieder etwas länger spielen durfte und das Tor erzielt habe. Also ist alles gut gelaufen.
 
Wie habt ihr nach anfänglichen Schwierigkeiten zurück in die Spur gefunden?
Wir haben uns mit der Situation befasst. Zu Beginn der Saison haben wir es manchmal zu oft mit fußballerischen Mitteln zu lösen versucht, aber es hat nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Nun kommen wir mehr über die Zweikämpfe und Willen, denn in der zweiten Liga kommt man nur über diese Tugenden zu Punkten.
 
Der Club galt als Aufstiegskandidat Nummer eins. War zu Beginn der Saison der Druck zu groß für das junge Team?
Wir haben eine junge Mannschaft. Sicher war das für den einen oder anderen Spieler eine ungewohnte Drucksituation. Ich glaube, die jetzige Außenseiterrolle liegt uns besser, obwohl wir natürlich mit dem Namen kein richtiger Außenseiter sind. Aber in dieser Liga kann jeder jeden schlagen, auch die kleinen Teams.
 
Trainer René Weiler scheint das Team im Griff zu haben. An welchen Schrauben hat er gedreht, sodass der Erfolg zurückkam?
Ich konnte nach meiner Verletzung erst im Januar voll ins Mannschaftstraining einsteigen. Man merkt, dass auf dem Platz sehr viel gesprochen wird und nach der schwierigen Hinrunde die Lust auf Fußball mit einfachen Dingen wieder aufgefrischt wurde.

In der Hinrunde war das Spiel im Wildpark eine klare Angelegenheit: Bereits zur Pause stand es 3:0 für den KSC - und es hätte noch höher ausfallen können. Was war da los?
Es war ein Sinnbild für die Vorrunde. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen, weil wir den Kampf nicht angenommen haben. Und Karlsruhe hat uns gezeigt, dass in dieser Liga so überhaupt nichts zu holen ist. Wir haben das jetzt aber besser verstanden und wir wollen nicht nochmal gegen den KSC so unter die Räder kommen.
 
Du bist nahezu die gesamte Saison wegen eines Knorpelschadens ausgefallen. Wie sah dein Leben in den letzten Monaten aus?

Ich war insgesamt sechs Monate verletzt. Die erste Zeit habe ich in der Reha in der Nähe von Regensburg verbracht. Da habe ich jeden Tag mein Training durchgezogen. Nach dreieinhalb Monaten bin ich nach Nürnberg zurückgekehrt und dann war es motivierend, auf mein Comeback hinzuarbeiten. Ich habe dort mit anderen Rekonvaleszenten trainiert.
 
Wie schlimm ist es, als Profifußballer nicht mitspielen zu können und jede Woche als Zuschauer die Spiele zu verfolgen?
Das ist für jeden Fußballer das Schlimmste. Vor allem, wenn er so lange verletzt ist. Man sieht das Spiel nur von der Tribüne oder im Fernsehen. Es ist verdammt schwer, sich zu gedulden und zuzuschauen. Wichtig für mich war, ruhig zu bleiben und einen klaren Kopf zu behalten. Ich hatte ein Ziel vor Augen und durfte nicht überstürzt Gas geben, sondern der Heilung Zeit geben.
 
Eine interessante Geschichte von dir ist, dass du zum Islam konvertiert bist. Hat dir das in deiner Leidenszeit geholfen?
Ja. Ich bete öfters am Tag, was mir in den letzten Monaten sehr viel Ruhe und Rückhalt gegeben hat. Es hat geholfen, den Kopf frei zu bekommen.
 
Zurück zum Sportlichen: In der Aufstiegssaison 2013 hast du deine Kickschuhe für den KSC geschnürt. Erzähl mal, wie du deine Zeit in der Fächerstadt erlebt hast.
Ich bin damals nach Karlsruhe gekommen mit dem Ziel, wieder aufzusteigen. Es war eine Zeit des Umbruchs und zu Beginn hat man das auch an den Ergebnissen gesehen. Die Stimmung drohte zu kippen. Auch die Fans waren sauer. Aber wir sind ruhig geblieben und haben uns mit unseren Erfolgen im DFB-Pokal motiviert. Ich glaube, wir hatten zwischendurch eine Serie von 21 Spielen ohne Niederlage. Das war in Karlsruhe eine überragende Zeit, die ich nie vergessen werde. Ich war nur ein Jahr da, aber es war wunderschön. Vor allem von Trainer Markus Kauczinski konnte ich viel lernen.
 
Was denn?
Er ist ja immer noch da. Und wie ich finde zurecht, denn er leistet überragende Arbeit. Ich habe gelernt, im System zu funktionieren und bin selbständiger geworden. Er war ein super Trainer und wenn man Probleme hatte, konnte man mit ihm darüber gut reden.
 
Der KSC steht auf Platz zwei, Nürnberg ist im Aufschwung: Ein echtes Spitzenspiel?
Was heißt das schon. Karlsruhe steht zu Recht da oben. Sie spielen eine sehr solide Saison. Hinten stehen sie gut, vorne sind sie effektiv. Und wir haben eine kleine Aufbruchsstimmung und wollen jetzt den nächsten Sieg einfahren. Wir wollen über die Basics dem KSC die Stirn bieten.

Das Gespräch führte Fabian Herbers


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