Becker hat Qual der Wahl

Profis von Andreas Eisinger

Als Edmund Becker im Presseraum vor den Journalisten sagte: „Blicken wir mal auf die letzten beiden Wochen“, da fiel ein Glas mit Limonade um. „So schlimm war es auch wieder nicht“, meinte der KSC-Trainer trocken.

Von Andreas Eisinger
Dennoch: Vor dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (Sonntag, 17 Uhr) haben sich beide Kontrahenten am spielfreien Wochenende nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der KSC verlor vergangene Woche in Reichenbach ein Testspiel gegen Zweitligaschlusslicht Paderborn mit 1:5. „Das darf nicht passieren“, ärgerte sich Becker immer noch, „darüber haben wir auch gesprochen und die Mannschaft hat sich im Training danach wieder voll reingehängt.“ Bielefeld dagegen holte gegen Landesligist Union Minden nur ein torloses Unentschieden und steckt auch in der Bundesliga nach vier Niederlagen in Folge in der unteren Tabellenregion fest.

„Nach so einer Serie sind die natürlich ganz schwer einzuschätzen“, meinte KSC-Trainer Becker. Das sei ein Grund mehr, um sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren: „Aber das darf nicht in Arroganz und Überheblichkeit umschlagen“, warnte Becker. Zumal der KSC zum ersten Mal seit dem Aufstieg als Favorit in ein Pflichtspiel geht. Nach neun Spieltagen stehen die Badener überraschend auf dem zweiten Platz hinter Bayern München – und viele der vermeintlich harten Brocken hat die Mannschaft nach der halben Vorrunde schon hinter sich. „Aber jeder weiß, dass es diese schweren und leichten Aufgaben so nicht gibt“, betont Becker, „wir müssen schon noch einiges tun, um uns in der ersten Liga zu stabilisieren.

Die Phase der Stabilisation hat der Bielefelder Mittelfeldspieler Ioannis Masmanidis schon hinter sich. Der 24-Jährige wechselte vor knapp zwei Jahren vom KSC zu den Ostwestfalen. „Es ist ein schönes Gefühl, zur alten Wirkungsstätte zurückzukehren“, sagte Masmanidis gegenüber www.ksc.de. „Mein Wechsel Anfang 2006 ging ganz schnell über die Bühne, da freue ich mich, die ganzen Leute wieder zu sehen.“ Masmanidis war der Mittelfeldmotor der damaligen Zweitligamannschaft, brauchte von Trainer „Ede“ Becker aber hartnäckige Starthilfe. Ein halbes Jahr vor seinem Weggang war Masmanidis von Becker gemeinsam mit Ivan Saenko wegen mangelnder Disziplin vor dem Auswärtsspiel in Trier aus dem Kader geworfen worden. Während Saenko gleich flüchtete, kam Masmanidis nach engagierten Trainingsleistungen in den Kader zurück.

„Dass es Meinungsverschiedenheiten gibt, ist doch nicht ungewöhnlich“, sagt Masmanidis heute. Sportlich sei das eine überragende Zeit gewesen – „mein Wechsel war trotzdem richtig, weil ich unbedingt in der ersten Liga spielen wollte.“

Jetzt trifft er in der ersten Liga mit Arminia Bielefeld auf den KSC. 27.000 Eintrittskarten wurden bislang verkauft; weil nur 500 Bielefelder erwartet werden, kann die Zuschauerzahl maximal auf 28.000 steigen. Ein fast volles Haus mit hoher Erwartungshaltung, Becker grübelt derweil über seiner Startformation. Eigentlich hatte er sich auf das Freitagstraining gefreut, weil er zum ersten Mal in dieser Saison seinen kompletten Kader zu einer Übungseinheit begrüßen wollte. Stefan Buck ist nach seinem Zehenbruch wieder fit, dafür machten Sebastian Freis und Maik Franz ihrem Trainer einen Strich durch die Rechnung.

Freis klagte über Oberschenkelprobleme, Becker schickte ihn gemeinsam mit Tamas Hajnal zum Waldlauf. Hajnal war erst kurz zuvor vom Länderspiel mit der Ungarischen Nationalmannschaft gegen Polen zurückgekommen. Beim 1:0-Erfolg traf Hajnal und kam unverletzt zurück. Abwehrspieler Maik Franz verrenkte sich während des Trainings den Nacken, allerdings dürften Freis und Franz bis zum Sonntag einsatzbereit sein.

Das stellt Edmund Becker vor eine vermeintlich angenehme Aufgabe: Er muss entscheiden, wer spielen darf, wer auf die Bank muss und wer auf die Bank darf. Im Mittelfeld buhlen fünf Spieler um drei freie Plätze, außerdem muss Becker drei seiner Kicker aus dem Kader nehmen. Auf der linken Mittelfeldseite könnte Bradley Carnell nach seiner Verletzungspause zurückkehren – Alexander Iashvili hat ihn beim Schalke-Sieg aber gut vertreten, eine Entscheidung schiebt Becker bis vor dem Spiel auf. Im Mittelfeld-Zentrum stehen Massimilian Porcello, Michael Mutzel und Godfried Aduobe zur Wahl, zwei von ihnen dürfen ran; auf Schalke waren das Porcello und Mutzel. Timo Staffeldt ist nicht im Rennen um den freien Platz im Mittelfeld: „Ich halte sehr viel von Timo und er muss sich einfach noch ein bisschen steigern“, sagte Becker, „für die Startelf ist er am Sonntag kein Thema."


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