Alle Wege führen nach Karlsruhe
„At rejse er at leve“, auf Deutsch: „Zu reisen heißt zu leben“. Als Hans Christian Andersen diesen Satz im Jahre 1855 in sein Reisetagebuch schrieb, hatte er möglicherweise zwar keinen KSC-Keeper im Sinn, dennoch passt dieses Zitat in gewisser Weise auf die bisherige Laufbahn seines Namensvetters Bernat. Welchen Weg geht ein 13-jähriger Stürmer, um elf Jahre später im Tor unserer Blau-Weißen zu landen? Das ist die Geschichte von Hans Christian Bernat.

Startpunkt Nordfünen
Nordfünen ist ein idyllisches Fleckchen Erde. Die malerische Landschaft mit ihren vielen Hügeln, Wäldern und der Küste steht sinnbildlich für „Hygge“, das dänische Lebensgefühl voller Gemütlichkeit, Behaglichkeit und Geborgenheit. In Morud, dem mit knapp 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern viertgrößten Ort der Kommune, erblickte Hans Christian im Jahre 2000 das Licht der Welt. Wenige Monate zuvor beendete Vater Robert seine Fußballkarriere, nachdem er unter anderem beim dänischen Erstligisten Vejle BK das Tor gehütet hatte. Die Annahme, dass Hansi die Torwarthandschuhe dadurch schon in die Wiege gelegt wurden, trifft allerdings nicht zu. „Am Anfang hat die Karriere meines Vaters für mich keine große Rolle gespielt, ich spielte zunächst sogar lieber als Feldspieler“, erklärt unser Neuzugang. In der Kinder- und Jugendzeit ging es dem jungen Hansi dabei ausschließlich um die Freude am Sport. „Ich wollte einfach mit meinen Freunden Fußball spielen, nur so aus Spaß“, blickt der Däne zurück. Als dieser Spaß zu Beginn der Teenager-Zeit weniger wurde, wollte er damals die Kickschuhe frühzeitig an den Nagel hängen. „Ich hatte keine Lust mehr auf Fußball und wollte stattdessen lieber mit meinen Freunden Zeit verbringen“, erzählt Hansi vom Beinahe-Aus. Bevor der junge Kicker dem Ballsport den Rücken kehrte, gab er der alten Position seines Vaters noch eine Chance. Diese Entscheidung sollte sich als eine der besten in seinem Leben herausstellen.
Zwischenhalt in England
Es war, als hätte das Rechteck mit den Aluminiumbalken und dem Netz nur auf ihn gewartet. „Mit 13 stand ich das erste Mal im Tor, ein Jahr später wurde ich in die Junioren-Nationalmannschaft eingeladen“, schildert Hansi seinen Positionswechsel. Der neue Keeper wechselte außerdem in die Nachwuchsabteilung von Odense BK, dem größten Club der Region. Der schier kometenhafte Aufstieg des Torwarttalents war damit aber noch nicht vorbei, denn nach einiger Zeit bei Odense und in den dänischen U-Teams wurden Scouts in England auf ihn aufmerksam. Mit 17 Jahren lud der Premier League-Club Brighton Hove Albion zum Probetraining ein. „Der Kontakt kam damals über den dänischen Torwarttrainer Casper Ankergren zu Stande, das Ganze war für mich eine große Erfahrung“, beschreibt Hansi die Trainingswoche an der englischen Südküste. Wenig später erhielt der Torhüter eine weitere Einladung, diesmal ging es zum 20-fachen englischen Meister Manchester United. „Um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung, wie ich dorthin kam. Die Chance bei United zu trainieren war phänomenal, das Gefühl beim Essen neben den vielen großen Stars zu sitzen unvergesslich“, schwelgt der Däne in Erinnerung. Zwar ergab sich aus den England-Trips kein langfristiges Engagement, dafür sammelte der Teenager Erfahrungen, die seine weitere Karriere prägten.
Im Profifußball angekommen: Kampf um die Nummer eins der Insel
Zurück in Odense arbeitete das Torwart-Juwel weiter an seinen Fähigkeiten. Im Alter von 19 Jahren verdiente er sich sein Profi-Debüt für Odense, mit 21 wurde Hansi zur Nummer eins. Der Keeper musste in dieser Zeit aber auch lernen, mit Rückschlägen umzugehen, denn nach dem dritten Spieltag der Saison 2022/23 und einer 1:5-Heimklatsche gegen den FC Midtylland rückte Hansi wieder ins zweite Glied. „Ich war ein junger Torhüter und habe ein paar Fehler gemacht“, resümiert er heute und fügt an: „Ich hatte das Potenzial, vielleicht war ich aber noch nicht zu 100 % bereit.“
Von der Degradierung ließ sich Hansi aber nicht entmutigen – ganz im Gegenteil! Im Training legte er nochmal eine Schippe drauf und auch mental machte er in dieser Phase große Schritte nach vorne. „Ich habe für mich festgestellt, dass es für mich der beste Weg als Torhüter ist, wenn ich in meinem Körper und Geist ruhig bin“, erklärt Hansi seinen Charakter. Seine Devise formuliert er daher wie folgt: „Ich bin niemand, der auf dem Platz viel schreit, das brauche weder ich noch meine Teamkollegen. Wenn meine Mitspieler zu mir schauen, sollen sie einen ruhigen, stressfreien Torhüter sehen.“ Dass es hier aber Ausnahmen gibt, dürfte jedem KSC-Fan spätestens seit dem Heimsieg gegen Nürnberg bekannt sein. „Wenn wir ein Tor schießen oder ich eine gute Parade mache, dann sprudeln die Emotionen natürlich aus mir heraus“, gesteht der Schlussmann mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Das harte Training zahlte sich für Hansi aus. Aufgrund einer Verletzung des Stammtorhüters bekam er erneut die Chance im Kasten von Odense BK und überzeugte die Verantwortlichen endgültig von seinem Können. Nach insgesamt 55 Pflichtspielen, 14 davon zu null, war für Hansi dann der Zeitpunkt für eine Veränderung gekommen. Nächster Halt: Plovdiv!
Umweg über Bulgarien
Emil Peter Jørgensen – So lautet der Name des bis dato einzigen Dänen, der jemals in der ersten bulgarischen Liga spielte. „Er verließ das Land aber sehr schnell wieder, das Leben und die Kultur sind dort ziemlich anders“, erzählt Hansi vom kurzen Bulgarien-Abenteuer seines Landsmannes. Als der Keeper im Sommer 2024 vom Interesse des amtierenden Pokalsiegers Botev Plovdiv und der dortigen Chance erfuhr, war für ihn trotz dieses Hintergrundwissens aber relativ bald klar: „Sch***, ich will das machen!“
Angekommen in Plovdiv, der zweitgrößten Stadt des Landes, sah sich der Torwart schnell mit kulturellen Unterschieden konfrontiert. „Die kyrillischen Schriftzeichen konnte ich nicht lesen, die Sprache beherrschte ich auch nicht“, blickt Hansi auf seine ersten Tage in Bulgarien zurück. Diese Neuheiten in seinem Leben nahm der Blondschopf aber an und fand sich auch dank der Unterstützung seines neuen Clubs schnell zurecht. Sein Debüt gab Hansi direkt am zweiten Spieltag im Derby gegen Botevs Erzrivalen Lokomotive. Das Stadtderby gilt als eines der heißesten Duelle im Balkan und bestimmt die Vormachtstellung in Plovdiv. „Die Stimmung war unglaublich, das gesamte Stadion war extrem laut“, erinnert sich Hansi zurück. „Ich machte ein sehr gutes Spiel, wir führten bis kurz vor Schluss mit 2:1“, schildert der Torhüter das Geschehen. Aber dann geschah das, was man keinem Fußballer wünscht: „Mir unterlief ein schlimmer Fehler, der zum Ausgleich führte und wir haben das Derby dadurch nicht gewonnen“, erzählt Hansi mit ernster Miene: „Es war für mich der schlimmste Start, ich war wirklich traurig darüber.“ Doch auch diese Hürde meisterte das Torwarttalent: „Das Team, die Coaches und die Fans gaben mir Rückendeckung, das zahlte ich mit guten Leistungen zurück.“
Es folgten neun weiße Westen in den nächsten zwölf Spielen, wodurch sich der Däne als unangefochtene Nummer eins etablierte und zum Publikumsliebling avancierte. Seine offene Rechnung aus dem Hinspiel konnte Hansi im Dezember beim 1:0-Derbysieg gegen Lokomotive schließlich begleichen. „Es war ein großartiger Sieg und eine großartige Erinnerung. Ich hatte das Gefühl, dass ich nach dem unglücklichen Hinspiel jetzt für das Team und die Fans abliefern muss. Das ist mir zum Glück gelungen, auch wenn ich nach dem Spiel sehr viel Kleingeld einsammeln konnte, dass die Lokomotive-Fans auf mich geworfen haben“, blickt der Derbyheld zufrieden zurück.
Neue Fußball-Familie in blau-weiß
Nach einem Jahr in Bulgarien zog Hansi Bernat weiter, sein nächstes Ziel ist uns allen bestens bekannt. Wie es zum Wechsel in die Fächerstadt kam? „Max Weiß und ich haben denselben Berater, ich verfolge Max‘ Karriere daher schon seit einiger Zeit“, erklärt der 24-Jährige. Mit dem Transfer von Eigengewächs Max Weiß nach Burnley öffnete sich somit die Tür für Hansi. „Ich habe zuvor bereits viel Positives über den KSC gehört, die persönlichen Gespräche haben das alles weiter verstärkt – Ich wollte unbedingt nach Karlsruhe!“, schildert der Keeper seinen ersten Eindruck. Gesagt, getan! Hansi wechselte an den Adenauerring und wurde von seinem neuen Team freundlich empfangen. „Vom ersten Moment an spürte ich das Familiengefühl, speziell bei unserem Torwartteam“, so unsere neue Nummer eins, die weiter erklärt: „Robin Himmelmann ist sehr wichtig für mich, er unterstützt mich bei allem und ist wie eine helfende Hand. Aki Koch ist ein super Talent, das noch einiges lernen muss, aber schon jetzt ein klasse Keeper und superlustiger Typ ist. Und Killer – Er ist ein unglaublicher Trainer und ein wunderbarer Mensch! Ich fühle mich mega wohl und bin sehr glücklich, hier zu sein!“
Wir freuen uns auch, dass du da bist und sind gespannt, wo deine Reise beim KSC noch hingeht!













