Union Berlin zu Gast

von David Ruf

Wir schreiben den 9. Mai dieses Jahres: Der 1. FC Union Berlin schlägt drei Spieltage vor dem Ende der Saison Jahn Regensburg durch Tore von Macchambes Younga-Mouhani und Karim Benyamina mit 2:0 und kehrt nach fünf Jahren in die 2. Bundesliga zurück.

Von Andreas Kleber
Dass dieser Erfolg ausgerechnet im ungeliebten Jahn-Sportpark, der Heimspielstätte des ehemaligen Stasi-Clubs BFC Dynamo Berlin erreicht wurde, trübte die Freude der knapp 9.500 Union-Anhänger nicht im Geringsten. Grund für das damalige Ausweichmanöver waren Renovierungsarbeiten im heimischen Stadion „Alte Försterei“.

Nach dem souveränen Durchmarsch von der Regionalliga in die 3. Liga nannte Union-Coach Uwe Neuhaus vor dieser Saison einzig und allein den Klassenerhalt als Ziel. Realisieren sollte das die Aufstiegsformation, die lediglich durch Björn Brunnemann, Bernd Rauw, Dominic Peitz, John Jairo Mosquera und Christoph Haker verstärkt wurde. Auf teure Neuzugänge verzichteten die Verantwortlichen der „Eisernen“ aus dem Berliner Stadtteil Köpenick gänzlich. Wie bereits in den beiden vergangenen Spielzeiten setzt Neuhaus auf eine geschlossene und eingespielte Mannschaft.

Und das bisherige Abschneiden gibt dem 49-Jährigen Recht. Nach einem fulminanten Saisonstart mit sieben Spielen ohne Niederlage stand Union mit 17 Punkten auf Platz zwei der Tabelle und die Fans der Berliner träumten bereits von einem erneuten Aufstieg. Die Berliner Boulevardpresse sprang auf diesen Zug auf und rief das „Projekt Durchmarsch“ aus. Für echte Union-Fans gäbe es natürlich nichts Schöneres, als mit Hertha BSC die Liga zu tauschen und zum Fußballclub Nummer eins in der Bundeshauptstadt aufzusteigen. Einen Dämpfer erhielten die Hoffnungen des Unioner Anhangs am achten Spieltag, als man ausgerechnet beim schwächelnden MSV Duisburg mit 1:3 die erste Saisonniederlage einstecken musste. Nach der darauf folgenden 1:2-Heimpleite schien der Aufstieg für viele Fans und auch Neuhaus in weite Ferne gerückt: „Wir sind jetzt in der 2. Liga angekommen und haben erkannt, dass es in dieser Klasse keine Mannschaft gibt, die mal eben mit 80 Prozent Leistung aus dem Stadion gefegt werden kann. Ich habe immer davor gewarnt, dass es auch Niederlagen geben wird.“

Neue Hoffnung erhielt das „Projekt Durchmarsch“ durch den 4:1-Erfolg bei Alemannia Aachen. Anstatt in Träumereien zu schwelgen wären die Berliner aus der Ferne betrachtet gut beraten, Bodenhaftung zu bewahren und sich auf das eigentliche Saisonziel zu konzentrieren. Wie schnell es nämlich wieder bergab gehen kann, zeigt ein Blick auf die jüngste Historie des Vereins: Im Jahr 2001 stiegen die Berliner unter Trainer Georgi Wassilew in die 2. Liga auf und erreichten parallel dazu das DFB-Pokalfinale, welches man gegen den FC Schalke 04 mit 0:2 verlor. Aufgrund dessen, dass Schalke als deutscher Vizemeister den Einzug in die Champions League geschafft hatte, qualifizierte sich Union Berlin als bislang einziger deutscher Drittligist für den UEFA-Pokal, wo man in der zweiten Runde am bulgarischen Vertreter Litex Lowetsch scheiterte. Auf die erfolgreichste Epoche der Vereinsgeschichte folgte 2004 der freie Fall von der 2. Liga in die Oberliga.

Für Schlagzeilen sorgte der Club in der laufenden Saison nicht nur aufgrund seiner sportlichen Erfolge, sondern auch wegen seiner Partnerschaft mit dem ehemaligen Hauptsponsor International Sport Promotion (ISP). Diese sollte den Berlinern bis 2014 jährlich rund zwei Millionen Euro in die nicht eben prall gefüllte Vereinskasse spülen. Am 24. August trennten sich die Unioner von der ISP, da diese beim Zustandekommen des Vertrags falsche Angaben gemacht haben soll.

Die finanziellen Sorgen sowie das sportliche Auf und Ab haben Fans und Verein in den vergangenen Jahren eine besondere Beziehung entwickeln lassen. Als nach jahrelangen Verhandlungen 2008 endlich die Sanierungsarbeiten an der „Alten Försterei“ beginnen konnten, waren es die Fans, die ihren Club tatkräftig unterstützten. Und nach rund dreizehnmonatiger Bauzeit hatten zirka 2.000 stolze Helfer in etwa 140.000 unbezahlten Arbeitsstunden für Union gehämmert, geschaufelt, geschraubt und geschleppt, wodurch der Verein schätzungsweise zwei Millionen Euro gespart hat. Zum Dank ließen die Verantwortlichen von Union vor dem Stadion ein Denkmal für die treuen Fans errichten, auf dem der Name eines jeden Helfers eingraviert ist.


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