Gegner im Detail zu #KSCH96:

Eine außergewöhnliche Profikarriere endet mit einer außergewöhnlichen Entscheidung.

Vorberichte

Hannover 96 hat seit der Vereinsgründung 1896 zahlreiche sportliche Geschichten zu erzählen. Zwei Deutsche Meisterschaften, der DFB-Pokal Sieg 1992 als Zweitligist oder spannende Europa League-Nächte gegen europäische Schwergewichte wie den FC Sevilla und Atlético Madrid. Bei „Gegner im Detail“ blicken wir heute aber auf die außergewöhnliche Geschichte eines Spielers, der den Traum eines jeden Amateurfußballers leben darf und diesen dennoch vorzeitig beendet.

Den Traum eines Tages Fußball-Profi zu werden, haben Millionen Kinder auf der ganzen Welt. Nur ein Bruchteil dieser Kinder haben den Wunsch als Steuerberater das tägliche Brot zu verdienen. Hannovers Mittelstürmer Hendrik Weydandt ist einer der wenigen Menschen, die auf beiden Karrierewegen Fuß fassen.  

Märchenhafter Aufstieg 

Die Verbundenheit zu Hannover 96 ergibt sich bei Hendrik Weydandt, der von seinen Kollegen „Henne“ genannt wird, schon automatisch mit Hinblick auf seinen Geburtsort: Gehrden liegt nur knappe 14 Kilometer von der Heinz von Heiden-Arena entfernt. Trotz früher fußballerischer Begeisterung war an eine Profikarriere kaum zu denken. Weydandt war nie in einem Nachwuchsleistungszentrum, er wurde nicht professionell ausgebildet. Er selbst erzählt von spürbaren Kontrasten im Vergleich zu Spielern, die eine Ausbildung in einem NLZ genossen haben. Er habe „die Ballan- und Mitnahme in der Jugend nicht 10.000-mal trainiert, sondern vielleicht 500 Mal. Das ist schon ein Unterschied.“, berichtet der 1,95 Meter große Stürmer. Nichtsdestotrotz schaffte er vor fünf Jahren überraschend den Aufstieg zum Profi bei Hannover 96. Mit 19 Jahren spielte Hendrik Weydandt noch in der Kreisliga Hannover-Land für den TSV Groß Munzel. Innerhalb der nächsten zwei Jahre folgte mit den 1. FC Germania Egestorf/Langreder der Aufstieg aus der Oberliga Niedersachsen in die Regionalliga Nord. Wiederum zwei Jahre, 59 Einsätze und 28 Tore später nahm Hannover 96 den Angreifer 2018 unter Vertrag. Dort war er allerdings nicht für das Bundesliga-Team, sondern für die Zweitvertretung in der Regionalliga eingeplant. Doch wie es der Zufall manchmal will, gingen der Bundesliga-Mannschaft in der Vorbereitung verletzungsbedingt die Stürmer aus. Der damalige Trainer André Breitenreiter schenkte Weydandt das Vertrauen und der zahlte dieses in Form von Toren zurück. In der ersten Pokalrunde gegen unseren KSC wurde Weydandt eingewechselt und erzielte innerhalb von fünf Minuten einen Doppelpack. Bei seinem Bundesliga-Debüt traf der Torjäger direkt mit seinem ersten Ballkontakt gegen Werder Bremen. Das brachte ihm den Spitznamen „Märchen-Stürmer“ ein. Es war in der Tat ein Märchen. Eines, das sich jeder Fußballer wünscht, wenn er am Wochenende zum Kreisliga-Spiel fährt. Der erste Profi-Vertrag folgte postwendend. Für die Zweite von 96 bestritt Weydandt nur drei Partien. 

Überraschender Abschied aus dem Profi-Geschäft 

Hendrik Weydandt legte eine ungewöhnliche Karriere hin. Am Mittwoch verkündete der Mittelstürmer völlig überraschend seinen Abschied aus dem Profifußball. In seinen fünf Profisaisons machte Weydandt 144 Spiele und 27 Tore für die Roten. Grund für das frühzeitige Karriereende ist nicht sein Alter: Er ist erst 27 Jahre jung. Auch verletzt ist Weydandt nicht.  

Hannovers Neuner hat eine beachtliche Entscheidung für sich getroffen. Eine Entscheidung gegen die glanzvolle Welt im Profi-Fußball, Bewunderung der Fans und ein üppiges Salär. Ab Sommer steigt Weydandt in die Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-Agentur seines Vaters ein. Weydandt selbst sagt zu seinem plötzlichen Karriereende: „Ich habe jetzt die Chance, das eine sauber zu beenden und das andere sauber anzufangen. Man könnte sagen, ich bin auf eine besondere Weise in den Profi-Fußball gekommen. Da passt es ganz gut, dass es jetzt auch unkonventionell endet“. Gemäß dem 96-Motto „Niemals allein!“ erhält der 27-jährige Zuspruch von allen Seiten des Vereins Zuspruch für seinen Entschluss. Somit wird zukünftig der Schreibtisch sein neues Spielfeld. 


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