Eichner: „Haben am Sonntag die Chance, unseren Fans etwas zurückzugeben“
Den letzten Sieg der Blau-Weißen im Derby gegen den VfB Stuttgart vor rund zehn Jahren hat Christian Eichner auf dem Platz miterlebt. Nun wird er am Sonntag erstmals als Co-Trainer der ersten Mannschaft auf der Bank Platz nehmen. Wir haben mit unserem einstigen Linksverteidiger über seine neue Aufgabe, die Mission Klassenerhalt und die Vorfreude aufs Derby gesprochen.

Christian, wie hat das Team die Entlassung von Mirko Slomka in den vergangenen Tagen verarbeitet?
Es war schon eine deutliche Betroffenheit zu spüren bei den Jungs. Das hat sich vor allem bei der Verabschiedung von Mirko gezeigt, als die Mannschaft ihm abschließend applaudiert hat. Nach den ersten ein, zwei Tagen ist die Betroffenheit dann aber auch schnell wieder der Konzentration auf das Derby am Sonntag gewichen, dem nun unsere ganze Aufmerksamkeit und Energie gilt.
An welchen Stellen wollt ihr als Trainerteam nun die Hebel ansetzen?
Bedingt dadurch, dass Marc die Spieler bereits bestens kennt, ist es für uns und die Mannschaft kein völliger Neustart. Marc hat es bei seiner Antritts-Pressekonferenz bereits erwähnt: Wir wollen die Tage nutzen, um in alle erdenklichen Richtungen zu überlegen. Für uns geht es jetzt darum, einen Plan zu entwickeln, wie wir das Derby angehen wollen und darüber zu grübeln, welche Spieler diesen Plan am besten umsetzen könnten.
Der Abstand zum Relegationsplatz ist mittlerweile auf fünf Punkte angewachsen. Wie groß ist der Glaube, bis zum 34. Spieltag doch noch das rettende Ufer zu erreichen?
Der ist groß und das muss er auch sein. Das klingt zwar oft wie eine hohle Phrase, aber den Glauben darf man nie verlieren – schon gar nicht als Verantwortlicher. Im Fußball sind in den letzten Jahrzehnten so viele unvorstellbare Dinge geschehen. Wir dürfen und werden nicht aufstecken.
Der neue Chefoach Marc-Patrick Meister hat dich als Assistent mit ins Boot geholt. Wie hat man sich deine Rolle und die Aufgabenverteilung im Trainerteam vorzustellen?
Marc und ich haben uns im Trainerteam der U17 auf Anhieb schätzen gelernt. Es ist eine fantastische Zusammenarbeit, weil wir uns einander ergänzen. Er bringt sehr viel Erfahrung aus dem Trainerbereich mit und ich kann meine Erfahrungen als ehemaliger Profi mit einfließen lassen und darüber hinaus auch mal kritisches Feedback geben. Mit einem Assistenten, der alles einfach nur abnickt, ist sicherlich keinem Cheftrainer geholfen. Dass wir als Trainerteam funktionieren, hat sich letztlich auch in den Ergebnissen der U17 gezeigt.
Apropos U17: Die betreust du derzeit ja nach wie vor – parallel zu den Profis. Wie bewältigst du diese Doppelbelastung?
Ursprünglich war vorgesehen, dass ich die Leitung der U17 bis Saisonende übernehme, was ich auch gerne gemacht hätte. Das Problem ist nur, dass ich im Juni mein Staatsexamen im Fach Mathematik abzulegen habe. Dafür muss ich regelmäßig in die Bücher schauen und mir Zeit zum Lernen verschaffen. Deshalb werden sich in den nächsten Wochen die Mitarbeiter unseres Nachwuchsleistungszentrums, zu denen auch U19-Trainer Lukas Kwasniok gehört, gemeinsam um die Betreuung der U17 kümmern, sodass ich mich dann parallel zum Studium komplett der ersten Mannschaft widmen kann.
Am Sonntag steht das große Derby an. Du hast den letzten Derby-Sieg der Blau-Weißen im Herbst 2007 auf dem Platz miterlebt. Mit welchen Erinnerungen blickst du auf dieses Spiel zurück?
Das war Gänsehaut pur und die mit Abstand schönste Zeit in meinem Fußballer-Leben. Für genau solche Spiele willst du Profi werden. Es war nach zig Jahren das erste Derby und dieses dann auf Anhieb zu gewinnen, hat auch den Fans und Zuschauern Glücksgefühle beschert. Um die Bedeutung dieses Spiels zu verstehen, muss man es selbst erlebt haben. Wir haben am Sonntag die Chance, unseren Fans etwas zurückzugeben und diese Chance wollen wir mit aller Macht ergreifen.
Inwiefern dämpft die sportlich brenzlige Situation die Vorfreude auf das Derby als solches?
Es ist unsere Aufgabe als Trainerteam, genau dem entgegenzusteuern. Wir müssen es schaffen, uns ein Stück weit von der aktuellen sportlichen Situation zu befreien und die Vorfreude auf das Spiel bewahren. Ein ausverkauftes Stadion mit hitziger Stimmung auf den Rängen und harten Zweikämpfen auf dem Rasen – das alles wollen wir mitnehmen und in positive Energie ummünzen.
Wie wollt ihr es schaffen, den Spielern Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben?
Jetzt geht es darum, die Truppe auf das vorzubereiten, was am Sonntag auf sie zukommt und allen Spielern klare, konkrete Aufgaben an die Hand zu geben, sodass sich jeder Einzelne seiner Rolle bewusst wird. Gleichzeitig wollen wir auch eine Portion Lockerheit in den letzten Trainingseinheiten bewahren, damit die Jungs nicht völlig verkrampfen.
Mit welcher taktikischen Grundausrichtung wollt ihr die Mannschaft am Sonntag aufs Feld schicken?
In erster Linie müssen wir das Spiel mit der richtigen mentalen Einstellung angehen, das heißt mit Freude, Mut und Zuversicht. Sich jetzt wie das Kaninchen vor der Schlange getreu dem Motto „Vorne hilft uns der liebe Gott“ hinten reinzustellen, würde im Widerspruch dazu stehen. Um mich den Worten von Marc anzuschließen: Wir sind dazu angehalten, am Sonntag etwas zu klauen. Dafür muss man aktiv sein und sich auf dem Platz zeigen. Der VfB steht im Hinblick auf Sonntag ebenfalls, wenn auch auf andere Art und Weise, unter Druck. Genau darin liegt unsere Chance. Wir wollen engagiert auftreten und dafür sorgen, dass die Stuttgarter Fans auf den Rängen dann auch schnell ihren Unmut äußern.
Das Gespräch führte Amin Mir Falah











