"Die interessanteste Mannschaft des Kontinents!"
Das Saarland hat eine lange und nicht ganz einfach nachzuvollziehende Zugehörigkeitsgeschichte. Mal lag die Region auf deutschem, mal auf französischem Gebiet. Hin und wieder war das Saarland auch unabhängig von beiden Ländern. Auf letztere Phase und deren Auswirkungen auf den Fußball blicken wir in der neusten Ausgabe von „Gegner im Detail“.

Nach dem 2. Weltkrieg fiel das Saarland 1945 als wichtige Wirtschaftsregion unter die Kontrolle einer französischen Militärregierung. Zwei Jahre später endete die Fremdregentschaft und das Saarland erhielt eine Teilautonomie. Für den regionalen Fußball wurde eine eigene Liga gegründet, das Niveau war allerdings zu niedrig für die renommierten Kicker aus Saarbrücken. Die Blau-Schwarzen durften aufgrund ihrer französischen Aufsicht allerdings in keinem anderen Ligensystem teilnehmen, sondern lediglich Testspiele gegen französische Zweitligisten bestreiten. Die Ausflüge ins westliche Nachbarland waren aber nur von kurzer Dauer, denn auch dort durften die Saarbrücker trotz starker Leistungen nicht langfristig mitmischen. Da der FCS aber trotzdem sein Können beweisen wollte, entschied man sich im Saarland für einen außergewöhnlichen Weg. Im Rahmen des „Internationalen Saarlandpokals“ begaben sich die Kicker auf Reisen in die Fußballstätten der Welt und bestritten zahlreiche Testspiele.
Aus dem Saarland in die weite Welt
Ab Sommer 1949 spielte der 1. FC Saarbrücken gegen europäische und südamerikanische Clubs um die blumentopfförmige Trophäe sowie eine zwei Millionen Saar-Franken hohe Siegprämie. Zunächst war das Saarbrücker Stadion am Kieselhumes Austragungsort aller Spiele, im darauffolgenden Jahr wurden Hin- und Rückspiele eingeführt. Diese führten den FCS aus dem kleinen Saarland in große Fußballtempel auf der ganzen Welt. Reisen nach Rio de Janeiro, São Paulo oder Liverpool sind nur ein kleiner Auszug aus den internationalen Spielen. Der Höhepunkt der globalen Partien war dabei ein Gastspiel bei Real Madrid. Die Königlichen waren zu diesem Zeitpunkt seit zwölf Jahren zuhause ungeschlagen. Zur Veranschaulichung, wie lange dieser Zeitraum ist: Vor zwölf Jahren stand Luis Robles im KSC-Tor, Marco Engelhardt zog die Fäden im Mittelfeld und im Sturm sollte Niklas Tarvajäri für Tore sorgen.
Trotz der überzeugenden internationalen Auftritte des FCS schien das Duell mit den Madrilenen im Vorhinein eine Nummer zu groß. Zur Überraschung der gesamten Fußballwelt hatten die Saarländer aber absolut kein Interesse an einer Underdog-Spielweise und dominierten die Partie nach Belieben. Die Teilzeitfußballer aus der damals 900.0000 Menschen zählenden Region spielten die schneeweißen Ballkünstler der Weltmetropole an die Wand. Das Spiel endete nach einseitigen 90 Minuten mit 4:0. In der Geschichte des Estadio Santiago Bernabeu erhoben sich die Heimfans nur wenige Male für das gegnerische Team – die Meisterleistung des FCS war einer dieser Anlässe.
Nach dem historischen Triumph der Saarbrücker traf der damalige FIFA-Präsident die Aussage „Die interessanteste Mannschaft des Kontinents kommt aus Saarbrücken“.
Die FCS-Legende aus der Oststadt
Einer der Dreh- und Angelpunkte des blau-schwarzen Spiels war Herbert Binkert. Der Außenstürmer erblickte 1924 in der Karlsruher Oststadt das Licht der Welt und schnürte von klein auf seine Fußballschuhe beim KSC-Vorgängerverein Phönix Karlsruhe. Binkert durchlief alle Jugendmannschaften des Clubs. Kurz vor seinem 17. Geburtstag absolvierte der Edeltechniker sein Debüt für die Herrenmannschaft, weitere Einsätze folgten. Doch auch in der Lebensgeschichte von Herbert Binkert spielten die Auswirkungen des 2. Weltkrieges eine prägende Rolle. Der gebürtige Karlsruher wurde ins Militär eingezogen und nach Saarbrücken versetzt. Wie es das Schicksal so wollte, lag seine dortige Basis nur wenige Hundertmeter vom Stadion am Kieselhumes entfernt. Daher kickte Binkert ab 1942 in Saarbrücken gegen den Ball.
Nach Kriegsende kehrte der Fußballer in die Fächerstadt und zu seinem Heimatclub zurück, hatte sein Herz aber an eine Saarbrückerin verloren. 1948 folgte Binkert dem Ruf der Liebe und trug fortan wieder das blau-schwarze Trikot. Der Karlsruher entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem der elementaren Bestandteile der legendären Reisemannschaft.
Zur Saison 1951/52 wurde der 1. FC Saarbrücken in das deutsche Ligensystem eingegliedert, sechs Jahre später dann auch in die Bundesrepublik Deutschland. Herbert Binkert spielte noch bis 1960 für den FCS. Im Anschluss an seine aktive Karriere blieb der Badener dem Saarland treu, indem er verschiedene Trainerjobs bei regionalen Clubs übernahm. Am 4. Januar 2020 verstarb Herbert Binkert im Alter von 96 Jahren. Die Saarbrücken-Legende wurde mit der Ehrenmitgliedschaft des Clubs und dem saarländischen Verdienstorden ausgezeichnet. Zudem fungierte Binkert als Namensgeber einer Saarbrücker Gemeinschaftsschule.











