Gegner im Detail zu Eintracht Braunschweig:

Die Braunschweiger "Kurvenmutti"

Vorberichte

Im zweiten Heimspiel der Saison empfangen wir am Sonntag ab 13:30 Uhr Eintracht Braunschweig. Zur Einstimmung auf das Zweitliga-Duell blicken wir auf einen ganz besonderen Löwen-Fan und ihre Geschichte.

Christel Neumann ist einer der treusten Fans der Braunschweiger Eintracht. Die 78-Jährige unterstützt ihren Herzensclub bereits seit 1967, dem Braunschweiger Meisterjahr. So erfolgreich wie zu Beginn ihres Fandaseins waren die Braunschweiger Kicker in den Folgejahren jedoch nicht mehr. Neumanns Liebe zu den Löwen machte das aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil – die Fußballenthusiastin begleitete ihren Herzensclub ob nah, ob fern und machte sich so schon bald einen Namen in der Braunschweiger Fanszene.  

Mit Bauhelm für den BTSV 

In den ersten Jahrzehnten ihrer Fanlaufbahn stand Christel stets im Block und sorgte mit den anderen Fans zusammen für ein lautes Ambiente. Einige Zeit später verschlug es die Niedersächsin bei Heimspielen vor den Block auf die Tartanbahn des Eintracht-Stadions. Neumann engagierte sich nämlich für sozial benachteiligte Eintracht-Fans, Kinder in Armut und das örtliche Frauenhaus, indem sie im Stadion Getränke-Becher sammelte. In den allermeisten Stadien sind Becherwürfe alles andere als gerne gesehen, Christel freute sich hingegen über jedes fliegende Hartplastik-Gefäß. Aufgrund der Laufbahn bestand ein relativ großer Abstand zwischen Fanblock und Spielfeld, ähnlich wie in unserem altehrwürdigen Wildparkstadion, wodurch das Spielgeschehen durch die Becher nicht beeinträchtigt wurde. Damit die gesellschaftlich engagierte BTSV-Anhängerin bei dem Becherregen nicht getroffen wurde, trug Christel einen weißen Bauhelm – im Eintracht-Design versteht sich.  

Neumanns Aktionen beschränkten sich aber nicht nur auf die Heimspiele! Auf Auswärtsfahrten sorgte die liebevoll als „Kurvenmutti“ bezeichnete Dame regelmäßig für Wegzehrung in Form von geschmierten Broten und ähnlichen Köstlichkeiten. Dafür konnte es auch vorkommen, dass Christel bereits mitten in Nacht aufstand und ihre Hausmannskost für die lange Fan-Reise vorbereitete.  

Unterwegs im Eintracht-Mobil 

Christels Aufopferung für die Eintracht reichte noch über Sammel- und kulinarische Aktionen hinaus. In der Braunschweiger Fanszene war die „Kurvenmutti“ dafür bekannt, dass sie stets ein offenes Ohr für persönliche Anliegen hatte, die auch über die 90 Minuten Fußball auf dem Platz hinausgingen. Das Engagement der guten Seele des BTSV blieb über die Jahre von Seiten des Vereins und der Stadt nicht unbemerkt. So organisierte man dem treuen Fan ein neues Auto, nachdem das vorherige bei einem Verkehrsunfall zu Schaden kam. Damit auch jeder andere Verkehrsteilnehmer sofort weiß, wer sich in dem Mobil befindet, wurde es in den Farben blau und gelb sowie mit mehreren Eintracht-Logos gestaltet. 

Ein anderes Beispiel für die Wertschätzung ist die Feier zu Christels 70. Geburtstag. Bei einem Heimspiel sang das ganze Stadion für die „Kurvenmutti“ und bescherte ihr damit einen unvergesslichen Moment. Dies ist einer der Gründe, wieso Christels Enthusiasmus für die ehrenamtliche Arbeit über die Jahrzehnte nie abnahm. „Ich habe das alles immer gerne gemacht, denn die Fans sich auch stets für mich da!“, begründet Neumann ihre Leidenschaft.  

Die Stadt Braunschweig verlieh der ehemaligen Herbergsmutter unterdessen die Bürgermedaille, eine lokale Brauerei widmete ihr gar eine Bierdose mit ihrem Konterfei. 

Inzwischen ist die 78-Jährige aufgrund von Alterserscheinungen nicht mehr so aktiv wie noch vor einigen Jahren, ihre Liebe zum BTSV und den Fans ist aber nach wie vor ungebrochen.  

Wenn ihr mehr über die „Kurvenmutti“ erfahren wollt, empfehlen wir das Porträt der WDR-Fußballsendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“.


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