Die Affen und die Oma
Neue Saison, neue Gegner! Zum Auftakt in die Spielzeit 23/24 führt uns der Zweitligaspielplan zum Aufsteiger VfL Osnabrück. Das Duell mit den Niedersachsen findet in der traditionsreichen lila-weißen Heimat an der Bremer Brücke statt. Bei Gegner im Detail nehmen wir das Stadion unter die Lupe und untersuchen, was den VfL-Mythos ausmacht.

Bremer Brücke – Wo das Herz schlägt. Mit diesem Slogan wirbt der VfL für einen Stadionbesuch in ihrem Stadion. Aber inwiefern ist das Fußballerlebnis in Osnabrück anders als bei großen Clubs wie Dortmund, Schalke oder dem FC Bayern? Eine der Besonderheiten liegt daran, dass der VfL bereits seit 1938 an demselben Ort spielt. Das Stadion an der Bremer Brücke wurde zwar bereits einige Jahre früher, nämlich 1933 eröffnet, wurde aber erst nach der Fusion zweier Vorgängervereine zur Heimstätte des heutigen VfL. Über die Jahre waren einige Umbaumaßnahmen vonnöten, um die DFL-Regularien zu erfüllen, die das Bild der Fußballstätte in manchen Teilen zu einem Mix aus Altbau und Moderne prägten. So sind die Tribünen im derzeitigen Zustand verschieden hoch und erinnern ein wenig an die wilden architektonischen Tage unseres altehrwürdigen Wildparkstadions. Im Gegensatz zu unserer sagenumwobenen Heimstätte ist die „Brücke“ aber seit jeher ein reines Fußballstadion, wodurch sich die Zuschauenden ohne Laufbahneinschränkung extrem nah am Spielgeschehen befinden. Diese Nähe zum Rasen ist einer der Gründe, wieso die Fußballstätte bei Heimspielen des VfL regelmäßig zu einem wahren Hexenkessel mutiert. Ein Block, der dabei einen zentralen Anteil hat, ist der sogenannte Affenfelsen.
Der Affenfelsen
Im Nordosten der Bremer Brücke befindet sich ein Stehplatzblock, der zu einem der exklusivsten Orte im Fußball gehört. Die Kurve fasst gerade einmal 800 Zuschauende, wovon fast alle an Dauerkarteninhaber*innen vergeben sind. Der Affenfelsen ist die Verbindung zwischen der großen Stehplatztribüne im Norden und den Sitzplätzen im Osten. Dementsprechend bildet sich der Block auch aus einem Mix zwischen frenetisch singenden Fans und gespannten, aber eher ruhigeren Zuschauenden. Der kuriose Name des Affenfelsens kommt von der felsenartigen Anmut, die mit etwas Fantasie eher an Gibraltar als Niedersachsen erinnert. Die Bezeichnung des Stehblocks im Nordosten hat sich über die Zeit so sehr etabliert, dass dieser inzwischen unter dem Beinamen im Stadion ausgeschildert ist.
Omas Ecke
Während der Affenfelsen den Raum zwischen Nord- und Osttribüne schließt, klafft im nordwestlichen Bereich des Stadions eine Lücke. Dieser unbesetzte Teil des Stadions wird im Osnabrücker Volksmund liebevoll als „Omas Ecke“ bezeichnet. Die Oma, beziehungsweise ihr Ehegatte verspürten allerdings nicht sonderlich viel Zuneigung für den VfL und seine Bremer Brücke. Das im Osnabrücker Arbeiterstadtteil Schinkel gelegene Stadion wurde inmitten eines Wohngebietes erbaut und grenzte direkt an den Garten eines blumenanpflanzenden Ehepaares. Aufgrund von Plänen des Stadionausbaus bemühten sich die Fußballfreunde Osnabrücks darum, den Garten zu erwerben, und die Blumenbeete durch Zuschauerplätze zu ersetzen. Da hatte der VfL aber die Rechnung ohne die gärtnernden Eheleute gemacht! Es entbrannte ein über Jahrzehnte andauernder Streit über die angrenzende Grünfläche. 2010 konnte der Garten-Disput nach fast 80 Jahren beigelegt werden, indem man sich mit den Nachfahren des Ehepaares auf einen Kauf einigte. Seitdem gab es verschiedene Pläne, die Lücke zu füllen. Bis zum heutigen Tage wurden diese allerdings nicht in die Tat umgesetzt, weshalb „Omas Ecke“ nach wie vor den Nordwesten der Bremer Brücke markiert.













