Der treue Arbeiter des SVWW - auf und neben dem Platz
Alf Mintzel ist Fußballer. Alf Mintzel ist Vertriebsleiter. Alf Mintzel ist die größte Legende des SV Wehen Wiesbaden! Bei „Gegner im Detail“ blicken wir auf die besondere Laufbahn des ehemaligen Außenbahnspielers und heutigen Geschäftstellenmitarbeiters.

Profifußball auf dem zweiten Bildungsweg
Als Alf Mintzel im Dezember 1981 in Würzburg das Licht der Welt erblickte, spielte unser KSC unter Trainer Max Merkel in der Bundesliga und der SV Wehen noch lange keinen Profifußball, sondern 15 Kilometer vom heutigen Standort entfernt in der A-Klasse. Bis Mintzel mit 291 Einsätzen zum Rekordspieler des SVWW und zum Drittliga-Veteran mit insgesamt 325 Ligaspielen aufstieg, musste noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen.
Der Franke mit dem hellblonden Schopf war schon von klein auf mit dem Fußballfieber infiziert. Mintzel ließ sein Talent dabei schon früh aufblitzen, sodass der hiesige 1. FC Nürnberg bereits im Jugendalter die Fühler nach ihm ausstreckte. Die Mutter des Nachwuchskickers pochte jedoch darauf, dass ihr Junge erst die Schule ordentlich zu Ende bringt. Nach dem Abschluss folgte ein Abschluss zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Es dauerte nicht lange, bis auch im neuen Bildungsabschnitt ein Proficlub bei Alf Mintzel vorstellig wurde. Diesmal bekundete die SpVgg Greuther Fürth ihr Interesse, wurde allerdings genauso wie die Nürnberger Nachbarn auf den noch ausstehenden Abschluss verwiesen. Das Kleeblatt strich das drahtige Talent nach der Absage aber nicht vom Zettel, sondern klopfte nach dem Ende der Ausbildung nochmal an. Nun passten die Umstände endlich für alle Seiten und Mintzel wechselte von seinem Würzburger Heimatverein an den Fürther Ronhof. Über die Stationen Feucht, Offenbach und Sandhausen kam der Defensivmann zum SV Wehen Wiesbaden. Zu diesem Zeitpunkt lag der Umzug des Sportvereins vom kleinen Wehen in die hessische Landeshauptstadt gerade einmal drei Jahre zurück, wodurch man bei den Rot-Schwarzen noch nach einer Identifikationsfigur für Stadt und Fans suchte. In diese Rolle schlüpfte der sympathische Franke und begeisterte die Zuschauenden in der BRITA-Arena von Beginn an mit seinem leidenschaftlichen Einsatz. Ein Indiz für ein erfolgreiches Spiel von Alf Mintzel war zumeist, dass vom Rasen auf seiner linken Seite nach Ablauf der 90 Minuten nicht mehr viel zu sehen war.
Schuss ins Glück
Dass der klassische Arbeiter Mintzel in seinen fast 300 Einsätzen für den SVWW immerhin 17 Treffer erzielte, lässt sich vielleicht ganz gut mit dem Sprichwort „das Glück des Tüchtigen“ beschreiben. Das soll keinesfalls die Abschlussstärke der ehemaligen Nummer 23 diskreditieren, sondern viel mehr sein Gefühl für die entscheidenden Momente betonen. Ein solcher entscheidender Moment ereignete sich am letzten Spieltag der Drittliga-Saison 2015/16. Die Ausgangssituation gestaltete sich für Mintzels Team dabei äußerst ungünstig. Der SVWW stand vor dem Saisonfinale mit 40 Zählern auf dem vorletzten Tabellenplatz. Auf das rettende Ufer fehlte zwar nur ein Punkt, die Rot-Schwarzen hatten ihr Schicksal in den vorherigen Wochen aber schon aus der eigenen Hand gegeben. Die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf bestanden aus den Stuttgarters Kickers, Energie Cottbus und der Zweitvertretung von Werder Bremen.
Bevor Wehen Wiesbaden auf die Schützenhilfe hoffen konnte, mussten zuerst die eigenen Hausaufgaben gegen die Amateure des VfB Stuttgart erledigt werden. In den Fernduellen ging Werder II bereits im ersten Durchgang mit zwei Toren in Führung und verabschiedete sich somit aus der Abstiegskonferenz. Bei allen anderen Partien blieb es hingegen bis zum Schluss eng. Sieben Minuten vor dem Ende der Saison begann dann der Wahnsinn! Wehen Wiesbaden ging gegen die Kickers mit 2:1 in Führung, verharrte aufgrund der weniger erzielten Tore aber weiterhin hinter Werder II auf einem Abstiegsplatz. In der 3. Liga ist jedoch nicht erst seit dem Saisonfinale der abgelaufenen Spielzeit bekannt, dass „das Spiel erst zu Ende ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift“.
Wir schreiben die 87. Spielminute: Tor in Stuttgart! Ein gewisser Toni Fink traf für den Chemnitzer FC und stoß die Kickers damit auf Platz 17. Bei selber Tordifferenz aber weniger geschossenen Toren verblieb der SVWW aber nach wie vor auf einem Abstiegsplatz.
89. Minute: Im Fernduell gingen die Amateure von Mainz 05 gegen Energie Cottbus mit einem Last Minute-Doppelschlag in Front, wodurch Wehen Wiesbaden auf den ersten Abstiegsplatz auf Rang 18 rutschte. Zum Klassenverbleib fehlte nun lediglich ein Treffer, der die Rot-Schwarzen an der Werder Bremen-Reserve und den Stuttgarter Kickers vorbei schieben würde. Ein Wunder musste her!
94. Minute: Die Partie auf der Stuttgarter Waldau war bereits abgepfiffen, als der Wehen Wiesbadener Kevin Pezzoni eine langen Verzweiflungsschlag per Kopf in den gegnerischen Strafraum verlängerte. Die Kugel landete genau vor dem aufgerückten Linksverteidiger mit der Nummer 23, Alf Mintzel. Annahme mit links, Durchatmen, Abschluss mit rechts. Der Ball zappelte im Tornetz und das Stadion explodierte. Mintzel, der es in diesem Moment wohl selbst noch nicht so ganz fassen konnte, rannte wild im Kreis und riss sich sein Trikot vom Leib. Sekunden danach – Schluss, Aus, Ende, Klassenerhalt! Das Wunder von Wiesbaden war geschafft! Alf Mintzel, der ohnehin auf dem besten Weg zur SVWW-Legende war, machte sich mit diesem wichtigen Treffer bei den Rot-Schwarzen für alle Zeiten unsterblich.
Die Karriere nach der Karriere
Nachdem in der Saison 2018/19 Mintzel & Co. der zweite Zweitliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte gelang, entschied sich der damals 37-Jährige gemäß dem Motto „Aufhören, wenn es am schönsten ist“ dazu, seine Profi-Karriere zu beenden. Da der Fußball einen aber doch nie so ganz loslässt, kickt Mintzel auch heute noch im Amateurfußball und holt sich so den perfekten Ausgleich zu seinem Arbeitsalltag. Denn dieser spielt sich für den Ex-Profi nach wie vor bei dem Club ab, der ihn als Legende verehrt. Für die Karriere nach der Karriere zahlt es sich für Mintzel nämlich aus, dass er seinem Weg stets treu blieb und mit seiner abgeschlossenen Berufsausbildung nahtlos in einen Job im Marketing & Vertrieb beim SV Wehen Wiesbaden übergehen konnte. Inzwischen fungiert der Rekordspieler als Vertriebsleiter und tritt in mehreren SVWW-Werbekampagnen als Gesicht des Vereins auf.
Laut einiger alter Interview-Aussagen war Mintzel kein Muster-Profi, dennoch ließ er stets sein Herz auf dem Platz und warf sich in jede Aktion mit 100 % Siegeswille. Sein ehemaliger Mitspieler Markus Kolke sagte einst über ihn „Alf raucht wie ein Schlot, trinkt Weizen en masse, aber was er im Spiel abspult, ist der pure Wahnsinn!“ Mintzel ist eben da, wenn es drauf ankommt.












