Alemannia Aachen zu Gast

von Jörg Bock

Immer vor den Heimspielen des KSC werden wir künftig auf www.ksc.de den Gegner und Gast im Wildpark vorstellen. Den Anfang macht die Alemannia aus Aachen, die morgen Abend Auftaktgegner des KSC ist.

Knapp drei Jahre ist es her, dass die Alemannen zum insgesamt vierten Mal in ihrer 109-jährigen Vereinsgeschichte in die erste Liga aufstiegen.

Zwar stieg der TSV postwendend wieder ab, doch reichten die 34 erkämpften Punkte dafür aus, um in der „Ewigen Tabelle“ der 1. Bundesliga Oberhausen, Dresden, Saarbrücken und Wattenscheid zu überflügeln und den 31. Platz einzunehmen, den er bis dato inne hat. Deutlich besser positioniert sind die Kicker aus der westlichsten Stadt Deutschlands in der gleichen Rangliste der 2. Liga. Dort liegen die Rheinländer mit 1359 Punkten lediglich 17 Zähler hinter Spitzenreiter Fortuna Köln, den die Alemannia in ihrer 26. Zweitligasaison höchstwahrscheinlich vom Platz an der Sonne verdrängen wird.

Orientiert man sich rein an den genannten Zahlen kommt man nicht umhin, den TSV als einen der Zweitligisten schlechthin zu bezeichnen. Keiner kennt sich mit den Gepflogenheiten im Fußball-Unterhaus besser aus als die Alemannen und ihre Anhänger. Dies ist nur ein Grund, warum die Mannschaft des KSC sich heute vorsehen muss, um gegen die Schwarz-Gelben nicht ein blaues Wunder zu erleben.

Ein weiterer Grund heißt Benjamin Auer. Der im südpfälzischen Landau geborene Stürmer, der in der Saison 1999/2000 auch schon für den KSC auf Torejagd ging, wechselte 2008 vom VfL Bochum nach Aachen und wurde mit 16 Treffern auf Anhieb Torschützenkönig der 2. Bundesliga. Entsprechend groß war die Besorgnis bei den Verantwortlichen des TSV, als der 28-Jährige in der Saisonvorbereitung plötzlich über Hüftschmerzen klagte. Eine Kernspintomografie ergab jedoch keinen nennenswerten Befund - und sorgte damit für kollektives Aufatmen in Reihen der Aachener.

Den zweiten Platz in der internen Torjägerliste der Alemannia belegte mit acht Treffern U19-Nationalspieler Lewis Holtby, der sich inzwischen dem FC Schalke 04 angeschlossen hat. Bei der Suche nach annähernd gleichwertigem Ersatz wurde Aachens Sportdirektor Andreas Bornemann erst Ende Juli in Frankreich fündig. Genauer gesagt beim Zweitligisten FC Metz. Von dort verpflichtete er den 23-jährigen senegalesischen Nationalstürmer Babacar M'baye Gueye, der in Aachen einen Vertrag bis 2013 unterzeichnet hat. Nicht nur aufgrund der Verpflichtung des technisch versierten, schnellen und torgefährlichen Afrikaners ist Euphorie rund um den neuen Tivoli riesig. Sowohl Fans, als auch die Mannschaft und deren häufig kritisierter Trainer Jürgen Seeberger können es kaum erwarten, bis die neue Saison angepfiffen wird.

Zusammen mit dem Schwung aus der Vorsaison, als sich Aachen Dank eines phantastischen Schlussspurts auf den vierten Tabellenplatz spielte, und den guten Ergebnissen in der Vorbereitung, könnte sich die Seeberger-Elf eigentlich den Aufstieg zum Ziel setzen. Bei den Anhängern der Alemannia stößt die eher zurückhaltende Transferpolitik in Verbindung mit der Aussage „oben mitspielen“ zu wollen, eher auf Unverständnis. Viele Fans können die durchaus vernünftige Argumentation Bornemanns, dass sich das neue Stadion erst mittelfristig sportlich auszahlt, auf kurze Frist aber eine finanzielle Belastung darstellt, offenbar nicht nachvollziehen. Man darf also gespannt sein, welcher Platz für den TSV nach dem 34. Spieltag zu Buche steht.

Große Bedeutung kommt hierbei dem Start zu, bei dem die Aachener am zweiten und dritten Spieltag mit dem FC St. Pauli und dem 1. FC Kaiserslautern doch zwei weitere ganz dicke Brocken vorgesetzt bekommen. Ein Vorteil ist sicherlich, dass Aachen mit einer eingespielten Mannschaft in die Saison starten kann, da mit Holtby und Matthias Lehmann nur zwei Stammkräfte dem Verein den Rücken gekehrt haben. Den Weggang von Lehmann kompensieren sollen Thorsten Burkhardt (Fürth) und der derzeit verletzte Aimen Demai (Kaiserslautern).

Noch bitter aufstoßen könnten dem TSV mit seinem relativ kleinen Kader die Verletzungen von Jérôme Polenz, Thomas Stehle, Reiner Plaßhenrich und Demai, die wohl noch einige Zeit zum Zuschauen gezwungen sind. Trotzdem müsste schon einiges mehr schief laufen, sollte Aachen in der Endabrechnung nicht im vorderen Tabellendrittel zu finden sein.

Zwei Spieler werden die heutige Partie besonders intensiv erleben, auch wenn sie wahrscheinlich nicht zum Einsatz kommen werden. Neben unserem Reservetorhüter Kristian Nicht ist das dessen Pendant auf Aachener Seite, Thomas Unger. Nicht streifte seine Torwarthandschuhe vor seinem „Norwegenausflug“ zu Viking Stavanger vier Spielzeiten für die Alemannia über. Unger, den wir heute herzlich Willkommen heißen, wechselte indes nach neun Jahren beim KSC vor dieser Saison an den Tivoli, wo er eine neue sportliche Herausforderung sucht.


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