Köstner verlängert nach verpatztem Rückrundenstart

(eis) Der letzte Zuschauer hatte das Nürnberger Frankenstadion längst verlassen, als die Verantwortlichen des KSC in ihre Autos einstiegen. Erst über eine Stunde nach dem Spielende stand für die große Delegation um Präsident Hubert Raase, seine beiden Stellvertreter Michael Steidl und Rainer Schütterle, sowie Sportmanager Rolf Dohmen fest, dass sie sich zumindest nicht ganz mit leeren Händen auf die Heimreise machen müssen. Am Nachmittag sah die Vereinsführung zusammen mit rund 900 mitgereisten Karlsruher Fans unter insgesamt 12.457 Zuschauern eine harmlose Rückrundenpremiere ihrer Elf beim 1. FC Nürnberg, die mit einer 0:2 (0:2) Niederlage in die Hose ging. Nach dem Spiel gab es dennoch zumindest verhaltenen Grund zur Freude: Cheftrainer Lorenz Günther Köstner verlängerte seinen Vertrag bei den Badenern um zwei Jahre.

Eigentlich wollte der Vorstands Tross die Unterschrift Köstners bereits vor der Partie im Fränkischen bekannt geben und machte sich deshalb auch schon am frühen Morgen auf den Weg zum Valznerweiher. Doch vor der Partie wollte sich der Übungsleiter ganz auf die sportlichen Belange konzentrieren, unmittelbar danach zunächst seinen Frust über den verpatzten Start in die Rückrunde auf der Pressekonferenz herauslassen.

Zig Mal habe er seine Mannschaft darauf hingewiesen, dass sie gegen solch einen starken Gegner nachsetzen und grobe Abwehrschnitzer vermeiden muss, grantelte der 52 Jährige. Dabei scheute er auch nicht davor zurück, die Schuldigen beim Namen zu nennen: "Und prompt hat Mario Eggimann den Gegner mit seinem unnötigen Dribbling schon früh auf die Siegerstraße gebracht." Der Schweizer hatte nach noch nicht einmal zehn gespielten Minuten den Ball an Robert Vittek verloren, der den völlig freistehenden Marek Mintal bediente und schon feierte der Doppeltorschütze seinen ersten Streich. Treffer Nummer zwei folgte kurz darauf, als sich Mintal nach einer schönen Flanke von Lars Müller in die Höhe schraubte und zielgenau einköpfte (25.). "Da konnten sich Christian Hassa und Thomas Kies nicht entscheiden, wer Müller jetzt am Flanken hindern soll wundern brauchen wir uns dann nicht", fand Köstner auch hier deutliche Worte.

Was den Fußballlehrer in heimischen Gefilden aber eigentlich in Rage brachte, war die lahmende Offensivabteilung seiner im Vergleich zum Hertha Freundschaftsspiel unveränderten Anfangsformation. Sorgenkind Ivan Saenko bescheinigte er eine "unterirdische" Leistung, im Mittelfeld vermisste er bei Abderrahim Ouakili und Christian Hassa die Durchschlagskraft. Auch Routinier Bernhard Trares reihte sich in die mäßige Leistung seiner Nebenmänner ein für ihn, gab Köstner aber ohne zögern zu, sei der Einsatz aber möglicherweise etwas zu früh gekommen. Einzig Conor Casey mühte sich im Angriff unermüdlich: "Aber was soll er da schon ausrichten, wenn er keine Unterstützung bekommt?", zuckte Lorenz Günther Köstner mit den Schultern.

Zur zweiten Halbzeit versuchte das Trainergespann Köstner und Becker das Angriffsspiel mit der Einwechslung von Jan Männer und Aydin Cetin für Trares und Saenko zu beleben, was anfangs auch zu funktionieren schien. Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff tankte sich Casey frei durch, scheiterte aber an FCN Schlussmann Rafael Schäfer. "Besonders Jan Männer war ein belebendes Element auf der rechten Außenbahn", verteilte Köstner auch Streicheleinheiten. "Insgesamt haben wir im zweiten Durchgang mehr ins Spiel investiert, allerdings konnten sich die Nürnberger nun aufs Kontern verlegen." Der eingewechselte Cetin hatte in den Augen des Chefcoachs allerdings keinen großen Anteil an der Leistungssteigerung in Halbzeit zwei: "Die Auswechslung von Ivan hätte ich mir schenken können, Aydin hat das nicht besser gemacht."

Kurz darauf hatte sich Lorenz Günther Köstner aber wieder beruhigt und blickte trotz der Enttäuschung gegen den Aufstiegsaspiranten optimistisch in die nahe Zukunft: "Wir haben in der Winterpause hart gearbeitet, die Mannschaft ist körperlich sehr gut dabei. Das hat man heute gesehen, deshalb müssen wir jetzt in die Hände spucken und weiterarbeiten. Die Arbeit mit der Mannschaft macht mir auch nach solch einer Niederlage großen Spaß."

Die Freude an der Arbeit mit seinem jungen Team war es wohl auch, die Köstner dazu bewegten, seinen Kontrakt im Wildpark um zwei Jahre zu verlängern. Unverhehlt machte der Fußballtrainer in den vergangenen Wochen klar, dass er für die Rückrunde personell gerne noch nachlegen würde. "Ich bin guter Dinge, allerdings sind wir zusammen mit Bielefeld das einzige Team, das in der Winterpause nicht nachgerüstet hat das kann gefährlich werden", wiederholte der Franke auch gestern seinen Wunsch nach einem weiteren Spieler gebetsmühlenartig.

Die Möglichkeiten für eine Spielerverpflichtung muss die Vereinsführung rasch ausloten: Bereits um Mitternacht schließt die Transferliste der DFL. Die Hoffnungen, Charles Haffner bei einem anderen Verein unterzubringen, was zu finanziellen Freiräumen geführt hätte, mussten die Verantwortlichen dabei schon einmal begraben: Der Franzose spielte in den letzten Tagen beim 1. FC Saarbrücken vor, wo man aber kein Interesse an einer Verpflichtung zeigt. Auf die Frage, ob sich mit den eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten des angeschlagenen badischen Zweitligisten denn überhaupt eine echte Verstärkung verpflichten ließe, entlockt Köstner das nächste Achselzucken: "Das ist zumindest fraglich. Doch wenn jemand sehr gut zu einem Verein passt, kann er ihn verstärken, ohne gleichzeitig viel Geld zu kosten."

Der gescholtene Abwehrrecke Mario Eggimann gab sich schon kurz nach dem Spiel wieder selbstbewusst. Es sei unstrittig, dass die gesamte Mannschaft für die nächsten Wochen weiter zulegen muss, resümierte der Schweizer die 0:2 Klatsche. "Aber wir sind eine starke Truppe mit vielen guten Spielern." In der Zweitligatabelle rangieren die Blauweißen nunmehr auf Platz neun, nach unten will sich Eggimann aber erst gar nicht orientieren: "Sollte noch ein Spieler verpflichtet werden, würden wir uns sehr freuen. Aber wenn wir einen Zahn zulegen, werden wir uns auch so in der oberen Tabellenregion festsetzen."


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