Interview mit Michael Becker, Sprecher der Geschäftsführung des Karlsruher SC

Der Karlsruher SC setzt auf innovative Konzepte und wirtschaftliche Stabilität für eine nachhaltige Zukunft

Club

Im Interview spricht Michael Becker, Sprecher der Geschäftsführung, über die jüngsten Entwicklungen im BBBank Wildpark.

Michael Becker, beim KSC hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten einiges getan. Der KSC hat mit neuen und innovativen Konzepten und Ideen aufgewartet. Gerne möchten wir von Ihnen mehr darüber erfahren. Lassen Sie uns mit einer neuen Räumlichkeit im BBBank Wildpark beginnen: der PhönixBar. Was steckt hinter diesem Namen?

Michael Becker: Die PhönixBar ist in den letzten Monaten in der Ebene 4 der Westtribüne entstanden. Die Räumlichkeiten waren ursprünglich als Geschäftsstelle vorgesehen, sind aber im Zuge unseres großen Umsatzwachstums in den letzten Jahren mittlerweile zu klein, um alle Mitarbeitenden der Verwaltung unterzubringen. Zukünftig ermöglicht die PhönixBar unterschiedlichste Nutzungsmöglichkeiten am und außerhalb des Spieltages als Ergänzung zu den bestehenden Hospitality-Welten in den Ebenen 1 bis 3. 
 

Welche Nutzungen sind das aktuell und was ist geplant?

Michael Becker: Im Rahmen der laufenden Rückrunde ist es geplant, verschiedene Nutzungsmöglichkeiten an den Spieltagen zu testen und zur neuen Saison mit einem finalen Konzept an den Start zu gehen. Zu Beginn bei den Heimspielen gegen Hertha BSC und Düsseldorf wurde bzw. wird die PhönixBar als PublicPlus geöffnet. Außerhalb des Spieltages bietet die Räumlichkeit die Möglichkeit für diverse externe und interne Veranstaltungen, wie beispielsweise Firmenevents oder Geburtstagsfeiern. 
 

Neben der PhönixBar testet der KSC ein weiteres innovatives Projekt im BBBankWildpark. Viele kennen das Konzept bereits aus ihren Urlauben in den Niederlanden, dort sind Snack Automaten schon seit langem etabliert und sehr beliebt. Nun hat sich der KSC für eine Testphase im BBBank Wildpark entschieden. Was ist denn die Idee dahinter?

Michael Becker: Der Automat ist als Ergänzung zu unseren bestehenden Kiosk- und Catering-Strukturen gedacht. Ziel ist es, an stark frequentierten Stellen eine zusätzliche, schnelle Versorgungsmöglichkeit zu schaffen. Wir testen dieses Angebot über einen begrenzten Zeitraum unterhalb der Nordtribüne, um zu sehen, wie es von den Fans angenommen wird und ob es den Stadionbesuch tatsächlich komfortabler macht.
 

Das heißt, es ist zunächst ein Pilotprojekt? Wann ist es denn aus Ihrer Sicht erfolgreich? 

Michael Becker: Genau. Wir wollen Erfahrungen sammeln, das Nutzerverhalten auswerten und dann entscheiden, ob und in welcher Form wir das Konzept weiterentwickeln. In Deutschland sind wir meines Wissens die ersten, die so etwas in dieser Form anbieten. Wir sind gerne innovativ, aber wir wollen natürlich auch schauen, wie es angenommen wird.
 

Wenn es um neue Angebote im Stadion geht, fällt oft das Stichwort Kommerzialisierung. Wie nehmen Sie diese Diskussion wahr?

Michael Becker: Die Diskussion über Kommerzialisierung ist sehr wichtig, denn wir wollen unsere Identität und DNA als KSC immer wahren und schützen. Kontroverse Diskussionen mit allen Anspruchsgruppen auf Augenhöhe gehören zum modernen Profifußball dazu, und wir nehmen diese Stimmen immer ernst. Gleichzeitig müssen wir als Club wirtschaftlich stabil arbeiten und uns kontinuierlich weiterentwickeln, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.  
 

Wie gelingt dieser Spagat zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Tradition? 

Michael Becker: Unser Ansatz ist, neue Einnahmequellen zu erschließen, ohne die Identität des Vereins oder die Fankultur aus den Augen zu verlieren. Zudem haben wir auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die wir durch KSC TUT GUT. wahrnehmen. Wir sind eng verwurzelt in der Region, haben eine große Tradition, die wir pflegen und sind uns unserer Wurzeln stets bewusst. Mit unserem neuen Stadion konnten wir in vielen Bereichen in neue Dimensionen vordringen. Die Stehplätze, die Kurve, die Atmosphäre – das bleibt das Herzstück des Stadions. Gleichzeitig brauchen wir wirtschaftliche Stabilität, um sportlich konkurrenzfähig zu sein. Entscheidend ist, dass wir transparent kommunizieren und die Fans auf diesem Weg mitnehmen. 
 

Kommen wir zum Thema Lizenzierung. Diese ist für die kommende Saison gerade in vollem Gange. Wie ist der KSC hier aktuell aufgestellt? Der KSC hat es geschafft die Lizenz in den letzten Jahren ohne Auflagen zu erhalten. Das ist auch mit Ihr Verdienst, denn in den Jahren zuvor hatte der KSC oft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. 

Michael Becker: Wir sind mittlerweile sehr solide aufgestellt. Wir haben die Lizenz für die laufende Saison bereits zum vierten Mal in Folge ohne finanzielle Bedingungen oder Auflagen erhalten. Auch für die kommende Saison sieht es gut aus, dass wir dies erneut schaffen können. Das ist ein wichtiges Signal und bestätigt den Weg, den wir in den vergangenen Jahren eingeschlagen haben.
 

Welche Bedeutung hat das für den Verein? Und was war aus Ihrer Sicht wichtig für diese Entwicklung? 

Michael Becker: Es schafft Planungssicherheit auf allen Ebenen. Wir können sportliche Entscheidungen, Kaderplanung und Investitionen in Infrastruktur oder Nachwuchs auf einer stabilen Grundlage treffen. Gleichzeitig ist es ein klares Signal an unsere Partner, Sponsoren und Fans, dass der KSC wirtschaftlich verlässlich aufgestellt ist. 
 

Wie würden Sie die wirtschaftliche Entwicklung des KSC insgesamt beschreiben? 

Michael Becker: Wir haben in den vergangenen Jahren nach einer Fast-Insolvenz und der Corona-Pandemie eine sehr stabile Entwicklung genommen. Damals standen wir auch aufgrund unserer Altlasten am Abgrund. Der neue BBBank Wildpark spielt dabei eine zentrale Rolle. Er eröffnet uns zusätzliche Möglichkeiten im Ticketing, in der Hospitality, in der Werbung und im Event-Bereich. Das wirkt sich positiv auf unsere Erlösstruktur aus. Wir wollen hier gemeinsam den nächsten Schritt gehen und dazu ist eine stabile wirtschaftliche Basis die elementare Voraussetzung.  
 

Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre gemeinsam mit dem KSC? 

Michael Becker: Unser Anspruch ist eine nachhaltige Entwicklung. Wir wollen weiter wachsen, aber immer mit Augenmaß. Das bedeutet: solide Finanzplanung, gezielte Investitionen in die sportliche Qualität, in unsere Infrastruktur und vor allem in die Nachwuchsarbeit.  
 

Schauen wir zum Schluss noch einmal auf wichtige Themen, die den gesamten deutschen Fußball betreffen. Auf Ligaebene stehen aktuell wichtige Entscheidungen an, wie die neuen Finanzregeln. Sie sind als Vertreter des KSC bei der DFL mit allen 36 Bundesligaclubs am 3. März vor Ort. Wie ist das aus Sicht des KSC zu bewerten? 

Michael Becker: Die geplanten Finanzregeln zielen darauf ab, die wirtschaftliche Stabilität der Vereine zu stärken und ein gesundes Wettbewerbsumfeld zu sichern. In erster Linie geht es da um ein Kaderkosten-Limit von maximal 70 Prozent für den Lizenzkader. Wenn Ausgaben und Einnahmen in einem klaren Verhältnis stehen, profitieren davon langfristig alle Clubs – gerade auch Vereine unserer Größenordnung. Insgesamt sind wir für die geplanten Finanzregeln. Diese orientieren sich in den Grundzügen an den Finanznachhaltigkeitsregeln der UEFA.  
 

Wie ist da die Position des KSC und was bedeutet das konkret für den KSC? 

Michael Becker: Wir sehen die Richtung grundsätzlich positiv. Die geplante Kaderkostenregel ist ein sinnvoller Schritt, weil sie den Fokus noch stärker auf wirtschaftliche Vernunft und Nachhaltigkeit legt. Vereine sollten nur das ausgeben, was sie auch erwirtschaften – das ist für uns beim KSC kein neues Prinzip, sondern seit Jahren Teil unserer Strategie. Wichtig ist, dass die Regeln für alle Clubs gleichermaßen gelten und konsequent umgesetzt werden. Nur dann können sie zu mehr Fairness im Wettbewerb und zu einer stabileren wirtschaftlichen Basis im deutschen Profifußball beitragen. Gerade für Vereine wie den KSC, die auf nachhaltiges Wachstum, solide Finanzen und die Entwicklung eigener Talente setzen, sind solche Ansätze ein wichtiges Signal. Insgesamt sehen wir die Reform als ersten Schritt, den Profifußball wirtschaftlich robuster und sportlich ausgeglichener aufzustellen und das ist im Interesse aller Clubs und ihrer Fans. 


Match
Center