"Der Erstliga-Aufstieg bleibt unser Ziel"

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Seit 2010 amtiert Ingo Wellenreuther als KSC-Präsident. Und in diesen vier Jahren ist es dem 54-Jährigen gelungen, den KSC, dessen Ruf mehr als ramponiert war, zusammen mit seinen Mitstreitern wieder zu einer anerkannten Adresse im deutschen Fußball zu machen. Sein erklärtes Ziel ist es, den KSC in den nächsten Jahren wieder in die erste Liga zu führen – und die Errichtung eines komplett neuen Wildparkstadions. Darüber spricht er im Interview mit ksc.de.

ksc.de:
Herr Wellenreuther, vor vier Jahren haben Sie die Präsidentschaft beim KSC übernommen. Damals waren es chaotische Zeiten beim Verein. Warum haben Sie es trotzdem gemacht?

Ingo Wellenreuther: 
Im Herbst des Jahres 2010 befand sich der KSC in einer bedrohlichen Situation. Nach Rücktritten im Präsidium war der Verein führungslos und formal handlungsunfähig. Die Verlustprognose für die damalige Saison lag bei knapp vier Millionen Euro und die Lizenz war in höchster Gefahr. Das Außenbild des KSC war miserabel und die Stimmung im Verein und bei den Mitarbeitern schlecht. Deshalb musste schnell gehandelt werden. Ich habe mich von Rolf Hauer in die Pflicht nehmen lassen und habe diese schwere Aufgabe als Notpräsident übernommen. Trotz des gut¬gemeinten Rates Vieler, mir nicht die Finger zu verbrennen, habe ich keine Minute gezögert. Es war für mich Ehre und Verpflichtung zugleich, in dieser Situation Verantwortung für unseren KSC zu übernehmen und zu helfen. Meine langjährige Gremienerfahrung und Kenntnisse über das Innenleben des Vereins kamen mir sicher zu Gute. Aus sechs Wochen Notpräsidentschaft sind inzwischen fast vier Jahre reguläre Präsidiumstätigkeit geworden. Zusammen mit meinen beiden Mitstreitern Günter Pilarsky und Georg Schattling als Vizepräsidenten sind wir ein gutes Team und ergänzen uns hervorragend.


ksc.de:
Wir sprechen von chaotischen Verhältnissen zum Zeitpunkt Ihrer ersten Wahl. Der KSC hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es ging rauf und runter, sportlich wie wirtschaftlich. Wie steht der Verein heute, im 120. Jahr seines Bestehens da?

Ingo Wellenreuther:
Nach dem bitteren Abstieg in die 3. Liga im Mai 2012, der eine Folge vieler Umstände und Fehler war, haben wir es Gott sei Dank mit vereinten Kräften geschafft, sofort wieder aufzusteigen und dann gleich ein überragendes Jahr in der 2. Bundesliga zu spielen. Aber nicht nur sportlich, sondern auch als Verein, haben wir uns in den letzten Jahren auch wieder einen Ruf erarbeitet, der in Karlsruhe,  aber auch darüber hinaus, sehr positiv ist. Dazu haben bei uns alle gemeinsam beigetragen: Alle  Mitarbeiter, die Mannschaft, das Trainer- und Funktionsteam, die treuen Fans und diejenigen, die in den Gremien Verantwortung tragen. Es ist schön, festzustellen, dass dem KSC bundesweit wieder Anerkennung, Respekt und Vertrauen entgegengebracht wird, sowohl beim Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball Liga als auch bei den Mitgliedern, den Fans, der Wirtschaft und der interessierten Öffentlichkeit. Dies konnte aber nur gelingen, weil es jetzt im Verein stimmt und in Ruhe und konzentriert gearbeitet werden kann. Ich habe von Anfang an betont, dass darin der Schlüssel zum Erfolg liegt.

ksc.de:
Was sind die Ziele, die Sie sich in den nächsten Jahren gesetzt haben?

Ingo Wellenreuther:
Was die sportliche Seite anbelangt, hoffe ich, dass sich die Mannschaft positiv weiterentwickelt. Wir können auf einem soliden Fundament aufbauen. Der Aufstieg in die 1. Bundesliga bleibt klar unser gemeinsam definiertes Ziel. Dazu gehört die Leistungsbereitschaft jedes Einzelnen genauso wie eine langfristige Zusammenarbeit mit der sportlichen Leitung und dem Trainerteam, die die  Hauptverantwortung  dafür tragen, dass die Mannschaft sich stetig verbessert. So soll es  weitergehen. Wirtschaftlich werden wir alles tun, um uns weiter zu konsolidieren. Bei den jetzigen Rahmenbedingungen kommt dies allerdings einer Quadratur des Kreises nahe.


ksc.de:
Sollte der KSC tatsächlich mal wieder den Sprung in die 1. Liga schaffen, kann sich der Verein mit den Möglichkeiten, die der KSC hat, dort überhaupt behaupten oder wird er immer Fahrstuhlmannschaft bleiben?

Ingo Wellenreuther:
Um auf Dauer erstklassig zu spielen, müssen auch unsere Rahmenbedingungen erstklassig werden. Da hinken wir mit unserem veralteten Stadion, den schlechten Park- und Anfahrtsmöglichkeiten und dem nicht ausreichenden Komfort für die Zuschauer noch meilenweit hinterher. Auf Dauer kann nur der Verein sich in der ersten Bundesliga behaupten, der entsprechende Einnahmemöglichkeiten hat, mit denen er in qualifiziertes Personal für Mannschaft und Trainerteam sowie in das Nachwuchsleistungszentrum zur Ausbildung junger Spieler investieren kann. Dies erfordert eine attraktive Begegnungsstätte für alle Zuschauer, aber auch für Menschen und Entscheidungsträger aus der heimischen Wirtschaft. Insoweit müssen wir erreichen, dass es in Karlsruhe und Umgebung zum guten Ton gehört, an Spieltagen zum KSC zu gehen und es muss sich der Eindruck durchsetzen, dass nur derjenige von Montag bis Freitag „Geschäft macht“, der am Wochenende im Stadion dabei ist. Wir wollen als KSC gerade auch eine Plattform für die Wirtschaft sein.


ksc.de:
Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass nach einer inzwischen fast zwanzigjährigen, oft leidigen Diskussion ein neues Stadion kommt?

Ingo Wellenreuther:
Groß! Wir sind wirklich sehr zuversichtlich, dass der Bau eines neuen Stadions als attraktive   Veranstaltungsstätte für Karlsruhe in diesem Herbst endlich beschlossen wird. In den gemeinsamen Gesprächen mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat der Stadt sehen wir uns auf einem guten Weg. Es darf allerdings kein fauler Kompromiss sein, der hinter dem zurückbleibt, was heutzutage in Deutschland und Europa Standard ist, sondern muss ein Projekt mit Hand und Fuß sein. Dies betrifft  die Notwendigkeit, den Zuschauern ein angenehmes und sicheres Stadionerlebnis zu ermöglichen. Dazu gehört ein großzügiges Stadionumfeld mit einem topmodernen Stadion, in dem Emotionen hautnah mitzuerleben sind, genauso wie eine gute Erreichbarkeit sowie ausreichend  Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Stadionnähe. Außerdem ist ein klimaneutrales Niedrig- Energiestadion unser Ziel. Im Zentrum der Überlegungen müssen die Bedürfnisse der Zuschauer stehen. Ein solches Projekt zu realisieren wäre ein Geschenk für die ganze Stadt und ein Aushängeschild für die ganze Region Karlsruhe.


ksc.de:
Für eine gute Entwicklung des KSC ist es aber auch nötig, dass der sportliche Bereich gut funktioniert. Welche Möglichkeiten hat da der KSC?

Ingo Wellenreuther: 
Wie ich schon sagte, hängt der sportliche Erfolg des KSC vor allem von der Qualität unserer Trainer und unseren Investitionen in die Jugendarbeit ab. Was unsere Trainer anbelangt, sind wir sehr gut aufgestellt. Sie sind es, die zusammen mit dem Sportdirektor die Spieler aussuchen und überzeugen, zum KSC zu kommen und diese anschließend noch besser machen sollen. In die Jugendarbeit müssen wir noch viel mehr investieren, als wir es derzeit im Vergleich zu früher zwar schon tun, aber noch mehr nötig ist. Dies muss in die Köpfe von allen, die dafür Verantwortung tragen. Wir brauchen ein Top-Ausbildungszentrum für die jungen Spieler. Dies muss unser Markenzeichen sein. Obwohl wir bereits jetzt mit 3 Sternen die höchste Bewertung haben, gibt es noch Luft nach oben, was die Erfordernisse einer ganzheitlichen Ausbildung der Kinder und Jugendlichen anbelangt. Auf dem Weg zur Ausbildung zum Profifußballer wollen wir auch unsere soziale Verantwortung wahrnehmen. Wir sind dankbar, wenn uns die Wirtschaft in diesem Bereich unterstützt und sich noch stärker als in der Vergangenheit engagiert.


ksc.de:
Wenn sich der Präsident im Jubiläumsjahr etwas wünschen dürfte, was wäre das?

Ingo Wellenreuther: 
Dass sich alle, die sich für den KSC engagieren – haupt- oder ehrenamtlich – das weiterhin mit Herzblut, vollem Einsatz und bei bester Gesundheit tun. Dass unsere Mannschaft ähnlich efolgreich spielt, wie letzte Saison und dass der Karlsruher Gemeinderat im Oktober „Grünes Licht“ gibt für einen Stadion-Neubau für Karlsruhe, auf den die Menschen in der Stadt, in unserer Technologieregion Karlsruhe und der KSC zu Recht stolz sein dürfen.


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