Nach dem Sieg über LR Ahlen: KSC schnuppert wieder Höhenluft
(eis) Anderthalb Stunden lang hatte Thomas Walter einen nassen, aber dafür recht geruhsamen Nachmittag verbracht. In der Schlussminute war der Keeper einmal gefordert, hellwach und sorgte dafür, dass alle drei Punkte im weiten Rund des Wildparks blieben: Nachdem der 36 Jährige einen brandgefährlichen Schuss von Stefan Fengler mit einer Glanztat über die Latte gelenkt hatte, setzte Schiedsrichter Holger Henschel zum Schlusspfiff an und der sechste Heimsieg in dieser Spielzeit war unter Dach und Fach. Fast ein Jahr lang musste Walter darauf warten, sich von den Fans nach dem Schlusspfiff feiern lassen zu können. Den anschließenden Jubel genoss er deshalb lange länger noch als Ivan Saenko, der den Erfolg mit seinem Tor des Tages in die Wege geleitet hatte.
Im vergangenen März, just vor dem Heimspiel gegen den LR Ahlen, hatte sich der Schlussmann im Mannschaftstraining einen Bänderriss zugezogen und war seither nicht wieder in Tritt gekommen. Zuletzt bereitete dem Schwaben die Operationsnarbe Schmerzen, die mehrfach Blutergüsse aufrieb. Wirklich bereit sah Cheftrainer Lorenz Günther Köstner seinen Schützling für ein Comeback deshalb nicht, ein Außenbandanriss von Martin Fischer und die Kniescheibenverletzung von Ersatzmann Markus Miller riefen Thomas Walter aber auf den Plan. "Während des Spiels ist der Adrenalinpegel ohnehin so hoch, dass man fast keine Schmerzen spürt", berichtete Köstner am Freitag fachkundig, um dem Mann zwischen den Pfosten Mut zuzusprechen. Kurz vor 15 Uhr streifte Thomas Walter also sein graues Torwarttrikot über und lief durch den Kabinengang auf den Wildparkrasen, wo 8.128 Zuschauer dem Schmuddelwetter trotzten.
Und er sollte der einzige auf dem Spielfeld bleiben, der an diesem Nachmittag Grau tragen durfte. Die mausgrauen Trikots der Ahlener passten nämlich Holger Henschel überhaupt nicht. In seinem fünften Einsatz in der zweiten Liga fürchtete der Unparteiische Verwechslungen zwischen dem fast völlig weißen KSC Dress und den hellen Ärmelstreifen auf den Ahlener Shirts. Das weiße Ausweichtrikot der Gäste konnte freilich keine Abhilfe schaffen, doch der Jurist Henschel blieb hart und ließ die Westfalen leuchtend grüne und wohlgemerkt ärmellose Trainingsleibchen überziehen.
Nach den ersten 45 Minuten stapfte Lorenz Günther Köstner gefasst in die Kabine, um sein Team auf Durchgang zwei vorzubereiten. Dabei hätte der Franke allen Grund gehabt, zornig zu sein. Ein ums andere Mal hatte sich die Ahlener Hintermannschaft in einer äußerst schwachen ersten Hälfte als heilloses Durcheinander präsentiert. Die Freiräume in Zählbares umzumünzen, hatte wiederum die Wildparkelf versäumt. "Es hat mich viel Kraft gekostet, der Mannschaft in der Kabine beizubringen, dass sie der taktischen Linie treu bleiben muss", gab der Fußballlehrer nachher zu. Gleich zwei Mal hatte er zusehen müssen, wie Angreifer Conor Casey zwingende Torgelegenheiten ungenutzt ließ. "Wir haben zu hektisch gespielt, uns völlig aus der Bahn werfen lassen", gestikulierte Köstner, "da war es für uns alle schwer, Ruhe zu bewahren."
Glücklicherweise fruchtete seine Pausenansprache schon wenige Sekunden nach Wiederanpfiff. Ein öffnender Pass von Routinier Bernhard Trares leitete den Siegtreffer ein, Thomas Kies legte auf Casey, der ließ für Saenko durch und der Russe brauchte nur noch einzuschieben. Deshalb gab es für das junge Team nach dem Spiel auch erstmal Streicheleinheiten vom Trainer: "Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment aussprechen, das Tor war eine mustergültige Kombination."
Sicherheit schien der Treffer der Mannschaft aber nicht zu verleihen, die KSC Abwehr um Mario Eggimann hatte in der Folgezeit alle Hände voll zu tun. "Natürlich hat Ahlen dann alles nach vorne geworfen, schließlich waren sie eigentlich zum Siegen verdammt", erklärte der Schweizer und erhielt Schützenhilfe von Thomas Walter: "Hätten wir aber den ein oder anderen Konter konzentrierter gesetzt, hätten wir den Sack schon früh zumachen können." Als der Schlussmann dann aber auch die letzte Schrecksekunde überstanden hatte, blieb nach seinem gelungenen Einstand nur ein Wehrmutstropfen: Während der zweiten Hälfte hatte Walters rechter Oberschenkel zu zwicken begonnen, was dem Keeper besonders bei Abschlägen zu schaffen machte. Doch der gebürtige Stuttgarter versicherte rasch: "Bis Freitag werden wir das in den Griff bekommen."
Dann nämlich muss der KSC erneut vor heimischem Publikum gegen Arminia Bielefeld ran. Nach dem Heimsieg kletterte die Wildparkelf auf Tabellenplatz sechs und bleibt, sofern Unterhaching im Montagsspiel gegen Bielefeld nicht leer ausgeht, bis zum direkten Vergleich vor den Arminen. Die Ahlener hingegen haben nach zuletzt leichtem Aufwind im Abstiegskampf an Boden verloren und rutschten auf den vorletzten Tabellenrang.









