KSC erreicht mit viel Zittern zweite Pokalrunde

(eis) Dafür, dass der Pokal seine eigenen Gesetze schreibt und vermeintlich lösbare Aufgaben schnell zur "harten Nuss" werden, gibt es im deutschen Profifußball zahlreiche Beispiele. In der zurückliegenden Saison bescherte diese Fußballweisheit dem KSC das Ausscheiden beim Regionalligisten Offenbach bereits in Runde eins. Am gestrigen Samstag mühte sich die Elf von Lorenz Günther Köstner gegen die Amateure des FSV Mainz 05 bis ins Elfmeterschießen, zog aber nach rund zweieinhalb Stunden und einer eher durchwachsenen Leistung dennoch in Runde zwei des DFB Pokals ein.

Das verhaltene Auftreten der Mannschaft war nach dem Elfmeterkrimi, der dem 1:1 nach 120 Minuten folgte, in den Reihen der Badener schnell vergessen: "Im Pokal zählt nur das Weiterkommen, alles andere interessiert nicht", kommentierte Sportmanager Rolf Dohmen den 5:4 Erfolg der Karlsruher im Elfmerschießen. Das sah der gestern glücklose Abderrahim Ouakili ganz genauso. "Ich denke, dass wir ein recht ordentliches Spiel gemacht haben und wichtig ist nur, dass wir die zweite Runde erreicht haben", erklärte der Marokkaner am Spielfeldrand. Als Profimannschaft habe man gegen ein Amateurteam stets unterschwellig die Angst unterzugehen, gab der Mittelfeldregisseur offen zu.

Die Gefahr eines Debakels bestand für den KSC bei den Rheinhessen allerdings zu keiner Zeit, dennoch wirkte die Heimelf im ersten Durchgang frischer und agiler, als ihr Gegenüber. Die Karlsruher begannen mit derselben Elf, die vergangene Woche beim LR Ahlen überzeugte. Ralf Becker und Milorad Popovic nahmen auf der Bank Platz, Aydin Cetin blieb wegen Formschwäche gleich in Karlsruhe. Den Kader komplettierte der Franzose Charles Haffner, der aber auch in Mainz nicht zu seinem ersten Einsatz in der laufenden Spielzeit kam.
Die Hausherren begannen besser, nach 17 gespielten Minuten nutzte jedoch Marco Engelhardt einen Fangfehler von FSV Keeper Christian Wetklo aus und staubte zum 1:0 für die Gäste ab. "Wenn man so ein Geschenk bekommt, muss man es annehmen", zeigte sich Trainer Köstner mit der bisherigen Chancenauswertung seines Teams zufrieden. "Nach der Führung hätten wir erst Recht aufdrehen müssen, stattdessen haben wir die Mainzer ins Spiel gebracht und die uns dann vor große Probleme gestellt", schränkte der Fußballlehrer ein. Sieben Minuten nach der Führung verfehlte der Mainzer Claudius Weber das Tor aus spitzem Winkel noch klapp, in der Folge machte es sein Kollege Stephan Maas aber besser: Nach einem Eckstoß landete der Ball vor den Füßen des 21 Jährigen, der freie Schussbahn hatte und zum Ausgleich für den Regionalligaaufsteiger einnetzte (36.).

"Nach 45 Minuten hatte ich nicht den Eindruck, dass meine Mannschaft weiß, worum es geht", sah sich Lorenz Günther Köstner erneut zu einer lautstarken Pausenpredigt gezwungen. Zum Wiederanpfiff kam beim KSC Florian Dick für Carsten Rothenbach ins Spiel, der eine Platzwunde über dem Auge erlitt und getackert werden musste. Köstners Ansprache schien aber zunächst nicht zu fruchten, im weiteren Spielgeschehen sorgten erneut die Rheinhessen mit einem Pfostenschuss für viel Angstschweiß im Karlsruher Lager. So langsam nahmen die Blauweißen das Spielgeschehen in die Hand, blieben im Angriff aber glücklos. In der Schlussphase köpfte Conor Casey ans Außennetz (88.), Wetklo konnte in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit einen Freistoß von Ivan Saenko entschärfen. Mit der zweiten Hälfte war dann auch Trainer Köstner weitestgehend zufrieden: "Ab da hatten wir das Spiel im Griff und haben auch in der Verlängerung sehr offensiv gespielt, die vorzeitige Entscheidung ist uns allerdings nicht gelungen."

Für Hektik sorgte in der Verlängerung Schiedsrichter Marc Seemann, der einen Zweikampf des eingewechselten Jan Männer mit Marco Walker als Tätlichkeit interpretierte und den Karlsruher Neuzugang des Feldes verwies. Ob Jan Männer dafür auch in den kommenden Ligaspielen zum zuschauen muss, entscheidet das DFB Sportgericht in der kommenden Woche. Die Schlussminuten der Verlängerung mussten die ohnehin dezimierten Karlsruher dann zu neunt überstehen, da Mario Eggimann mit einer Platzwunde und Gehirnerschütterung ausschied. Da die ansonsten ereignisarmen 30 Minuten ohne ein weiteres Tor zu Ende gingen, musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen.

"Das haben wir trainiert nicht, weil ich wollte, dass es soweit kommt, sondern weil es dazugehört", machte Köstner unmissverständlich klar, was er von den Psycho Tricks mancher Kollegen hält, die Elfmeter im Vorfeld einer Partie gegen Amateure gar nicht erst üben lassen. Vorbereitet war aber auch sein Gegenüber Colin Bell: "Natürlich haben wir das auch einstudiert, deshalb war ich eigentlich guter Dinge." Nun versagten dem Regionalligisten aber offensichtlich die Nerven, Daniel Baude scheiterte an Martin Fischer, Nana Bediako am Pfosten. Für den KSC vergab lediglich Conor Casey, Saenko, Becker, Trares und schließlich Kapitän Engelhardt verwandelten aber souverän und konnten sich nun über den Einzug in die zweite Runde freuen. Einen wirklichen Klassenunterschied zwischen beiden Teams vermochte Coach Köstner in der zusammenfassenden Betrachtung der Partie nicht zu erkennen. "Das ist aber klar, auch ein Regionalligist trainiert und ist hochmotiviert, wenn es gegen eine Profimannschaft geht", erklärte Routinier Bernhard Trares. "Abdul" Ouakili ging gar einen Schritt weiter und sprach ein Thema an, dass von Fußballtrainern gerne umgangen wird: "Solch einen Gegner unterschätzt man auch leicht; die Kleinen sind motiviert, die großen nicht so, wie es eigentlich sein müsste und dann trifft man sich irgendwo in der Mitte."

Auf einen Wunschgegner für die kommende Runde mochte sich Lorenz Günther Köstner nicht festlegen die Entscheidung fiele dem Trainer bei freier Auswahl auch alles andere als leicht: Auf der einen Seite stehen die Heimspieleinnahmen für die klamme KSC Kasse, auf der anderen die Auswärtsstärke der Mannschaft. Wohl aus diesem Grund begnügt sich der Franke mit einem lapidaren: "Ich kann es ohnehin nicht beeinflussen." Auch Rolf Dohmen will einfach warten, was das Losglück den Karlsruhern beschert. "Ein Heimspiel wäre mir schon am liebsten", ließ sich der Sportmanager aber doch entlocken. "Gegen Bayern München, Stuttgart oder Kaiserslautern wäre das Stadion natürlich ausverkauft. Auf der anderen Seite hätten wir gegen einen attraktiven Zweitligisten auch die Chance weiterzukommen." Abderrahim Ouakili hingegen muss nicht lange überlegen: "Borussia Dortmund im Wildpark, das ist mein Wunschlos." Die Auslosung zur zweiten Runde findet am kommenden Samstag im Vorfeld des WM Qualifikationsspiels zwischen Deutschland und Island statt. Für den KSC bedeutet der Einzug in die zweite Runde in jedem Falle Mehreinnahmen, für weitere Aktivitäten auf dem bis morgen geöffneten Transfermarkt macht Dohmen jedoch keine großen Hoffnungen: "Ich werde nochmals mit dem Trainer sprechen, allerdings haben wir eigentlich nicht die Mittel, um einen weiteren Spieler verpflichten zu können."

Für einen Eklat sorgte auf der anschließenden Pressekonferenz Lorenz Günther Köstner, der sich über die Unterbringung seiner Mannschaft mokierte. Da die Mainzer Profis noch am Vormittag die Mannschaftskabine belegt hatte und die Mainzer Vereinsführung diese nicht mehr aufräumen lassen wollte, wurde die Wildparkelf kurzerhand in die den provisorischen Jugendcontainer "verfrachtet". "Meine Spieler mussten sich sogar ihr Toilettenpapier selbst holen, weil nicht einmal das vorhanden war mit Bayern München hätte man das sicher nicht gemacht", hätte sich Köstner etwas mehr Respekt von den Gastgebern gewünscht. FSV Präsident Harald Strutz verwies auf Bauarbeiten, wollte sich ansonsten nicht weiter dazu äußern und versuchte sich lieber im direkten Gegenzug: "Sie können ja mal nach draußen gehen und die Eindrücke mitnehmen, die Ihre Fans auf der Tribüne hinterlassen haben." Nach Abzug der rund 1.000 mitgereisten Karlsruher Schlachtenbummler waren auf der Sitzplatztribüne auf die mussten auch die Karlsruher Zuschauer mit Stehplatzkarte rund 30 Sitzschalen aus der Verankerung gerissen. Für Strutz ein willkommener Grund zur Returkutsche auf Köstners Kritik. "Ich denke nicht, dass die Umkleidekabinen heute das größte Problem des KSC sind", drohte der Mainzer Präsident mit einem Nachspiel.


Mainz 05 (Amat.):
Wetklo Muftawu (120. Tsakas), Schneider, Walker, Baude Maas (88. Sözen), Ziegner, Probst, Kegel (76. Idrissi) Weber, Bediako

Karlsruher SC:
Fischer Kies, Eggimann, Stoll, Rothenbach (46. Dick) Trares Hassa (85. Männer), Ouakili (118. Becker), Engelhardt Casey, Saenko

Tore:
0:1 Engelhardt (17.)
1:1 Maas (36.)

Elfmeterschießen:

1:2 Weber
2:2 Saenko
2:3 Becker
3:3 Tsakas
3:4 Trares
4:4 Ziegner
4:5 Engelhardt


Gelbe Karten: Weber (46.), Walker (60.), Kegel (66.) Ouakili (16.), Dick (105.)
Rote Karte: Jan Männer (104, Tätlichkeit)

Zuschauer: 3.000

Schiedsrichter: Marc Seemann (Essen)
Assistenten: Gudio Winkmann, Marc Borsch


Match
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