Wiedereinführungsprozess U23:

Interview mit Matthias Cuntz

aKAdemie

Mit Teil vier der Interviewreihe gelangen wir zu Matthias Cuntz. Er spielte selbst seit seinem neunten Lebensjahr für den KSC-Nachwuchs und startete seine Profikarriere mit dem Debüt 2010. Sein Weg damals: über die U23. Cuntz weiß also bestens, wie es sich anfühlt. Seit letztem Jahr ist er der sportliche Leiter der aKAdemie. Seit der neuen Rolle im Verein betreut er auch einige Aufgaben in der neuen U23. 

Wie würden Sie ihre Rolle im Projekt U23 beschreiben und was war die größte Herausforderung? 

„Der Startschuss fiel Mitte November. Wir waren gerade im Rahmen unserer Kooperation bei der Hertha zu Besuch, als der Anruf vom badischen Fußballverband kam. Damit war klar, dass wir die Mannschaft wieder ins Leben rufen dürfen. Natürlich hat man sich davor auch schon Gedanken gemacht, wie der Kader aussehen könnte und welche Struktur die Mannschaft bekommen soll. Die größte Herausforderung war dann die Zusammenstellung einer ganzen Mannschaft mit Zeitdruck. Auf die Leistung in den zurückliegenden Monaten sind wir daher auch stolz.“ 

Was waren die wesentlichen Punkte bei der Kaderzusammensetzung? 

„Uns war es wichtig, eine gute Mischung zu finden. Wir wollten viele Spieler zurückholen, die bei uns in der aKAdemie gespielt haben. Diese Spieler waren zuletzt bei Verbands- und Oberligisten der Region untergekommen, weil wir ihnen damals keine U23 bieten konnten. Wir wollten der Mannschaft aber auch Erfahrung verleihen und ein paar externe Spieler dazugewinnen. Dadurch hatten wir eine lange Spielerliste mit vielen interessanten Namen. Neben der fußballerischen Qualität haben wir auch sehr auf den Charakter geachtet. Ein weiteres Kriterium war die Entwicklungsfähigkeit. Wir trauen allen jungen Spielern zu, noch den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Da fühlen wir uns aktuell auch bestätigt, es sind aktuell auch vier Spieler im Trainingslager der Profis dabei. Die Plattform beziehungsweise die Möglichkeiten hierfür bieten wir, es liegt dann an den Spielern, diese zu nutzen. Es gibt genug Spieler, die den Sprung ins Profigeschäft nicht auf direktem Wege geschafft haben, wenn ich beispielweise an unseren letztjährigen Kapitän Jerôme Gondorf denke.  

Sie sprechen die erfahrenen Spieler an. Einer von ihnen ist Dominik Salz. Er ist mit 36 Jahren der älteste Spieler der Mannschaft. Was macht ihn so besonders? 

„Dominik Salz nimmt als Mittelstürmer im Konstrukt eine elementar wichtige Rolle ein. Zum einen ist er der erfolgreichste Oberliga Torjäger Baden-Württembergs und konnte Jahr für Jahr zweistellig treffen. Er hat jahrelang bewiesen, dass er weiß, wo das Tor steht. Trotz seinen 36 Jahren ist er körperlich topfit. Zum anderen übernimmt er viel Verantwortung und bringt seine Führungskompetenzen ein, die wir definitiv in der Kabine brauchen. Als wir uns das erste Mal mit „Domme“ getroffen hatten, war er direkt Feuer und Flamme für das ganze Projekt. Wir sind überzeugt davon, dass er seinen Teil dazu beiträgt, dass die Mannschaft die sportlichen Ziele erreichen wird.“  

Alle Mentoren sollen auf und neben dem Platz vorangehen. Die beiden weiteren Mentoren kennen sich hier beim KSC bestens aus. Wer sind sie und was ist die Aufgabe der beiden Rückkehrer? 

„In der Zentrale haben wir mit Sebastian Weizel einen klassischen Sechser zurückgeholt. Er hat schon von 2014 – 2017 die Kickschuhe für die Profireserve geschnürt. Weizel kommt aus der Regionalliga und bringt sehr viel Erfahrung mit. Er war einer der ersten Spieler, mit dem wir uns noch vor Weihnachten unterhalten haben. Von Weizel erwarten wir, dass er als Mittelfeldstratege vorangeht und unserem Spiel Struktur verleiht. Als erfahrenen Spieler für die Abwehr wollten wir unbedingt Marlon Dinger. Auch ihn kennen wir aus der Vergangenheit. Marlon hat nach seiner KSC-Jugendzeit auch bei den Profis trainiert und kam dort zu seinem Profidebüt. Er ist mit 23 im Vergleich zu den anderen noch sehr jung, hat aber unser volles Vertrauen und wird der Abwehr die nötige Stabilität und Ordnung verleihen. Marlon wird als Anker ein Teil der Achse. Diese drei erfahrenen Spieler geben der Mannschaft die nötige Sicherheut und Struktur, die im Laufe der Saison benötigt wird.” 

Als Torwarttrainer und Ersatztorwart haben wir mit Mathias Moritz noch jede Menge Erfahrung und KSC-DNA an Bord geholt. Pascal Huber hat uns bereits verraten, dass regeltechnisch maximal drei Spieler älter als 23 auf dem Platz sein dürfen. Warum haben wir den Kader in der Breite nicht noch erweitert, beispielweise durch weitere erfahrene Spieler? 

Wir haben uns bewusst für einen nicht allzu großen Kader entschieden, dies hat zum einen budgetäre Gründe, zum anderen wollten wir bewusst Plätze frei lassen für junge Spieler aus dem Profikader, als auch U19 Spieler, die im Herrenbereich erste Spielerfahrungen sammeln können. Die Mannschaft wurde nun wieder als Übergangsteam installiert. Hier wollen wir unseren jungen Spielern die Möglichkeit geben, Wettkampfpraxis auf gutem Herrenniveau zu sammeln. Durch viele gute Leistungen in der U23 sollen sich die Spieler für Profimannschaft empfehlen. 

Die Mannschaft soll den Übergangsbereich stärken und nicht separat angesiedelt sein. Was bedeutet die Kommunikation zwischen U19, U23 und Profis und ist die beim KSC durch das familiäre Umfeld einfacher als anderswo? 

„Definitiv. Unser Cheftrainer Christian Eichner hat selbst in einer U23 sehr viele Spiele gemacht, bevor er den Sprung zu den Profis geschafft hat. Er weiß am besten, wie es sich anfühlt, über die U23 in die Profimannschaft zu kommen. Zwischen aKAdemie und Profi-Trainerteam herrscht ständiger Austausch, auch vergangene Saison waren viele Spieler immer wieder oben mit dabei im Training und bei den Spielen, das verläuft alles reibungslos. Ali-Eren Ersungur und Louey Ben Farhat hatten schon jeweils ihr Debüt, auch Mateo Kritzer war bereits im Kader und ist im Training dabei.“ 

Kommen wir abschließend noch zu Ihrer Geschichte: Sie haben selbst vor knapp 15 Jahren den Sprung zu den Profis geschafft. Worauf kommt es für junge Spieler an und was hat sich seit ihrer Zeit verändert? 

„Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Der Fußball hat sich verändert und weiterentwickelt im Vergleich zu der Zeit, als ich herauskam. Das sieht man allein schon daran, wo wir hier sitzen: Alles wird moderner und größer, das Stadiongelände, die Trainingsplätze, die Trainerstäbe - wir haben hier tolle Möglichkeiten im Wildpark. Jeder einzelne Bereich entwickelt sich zum Positiven. Damals hatten wir im Jugendbereich nicht die besten Bedingungen, was uns aber auch nie groß interessiert hat. Wir waren eine tolle Gruppe, hatten Spaß am Spiel, waren demütig und dankbar auf dem Platz stehen zu dürfen. Diese beiden Werte wollen wir auch weiterhin bei uns großschreiben. Dadurch, dass das Spiel immer athletischer und schneller wird, müssen die Jungs zusätzlich zu ihrer fußballerischen Ausbildung im Bereich der Athletik sehr gut ausgebildet werden und bereit sein hart zu arbeiten. Grundsätzlich kann man meiner Meinung nach sagen: Um oben anzukommen, müssen die Jungs Widerstände überwinden können, dazu teamfähig, geduldig und leistungsbereit sein. Und das Wichtigste zum Schluss: Sie sollten nie vergessen, warum sie angefangen haben, Fußball zu spielen - aus Spaß und Freude am Spiel!"


Match
Center