Enttäuschende Niederlage beendet "Mini Serie"
(eis) Ein früher Führungstreffer war es, den Lorenz Günther Köstner am Sonntag in Aue gerne gesehen hätte. "Gegen solch einen kompakten Gegner muss man früh zuschlagen, dann machen sie hinten auf", gab der KSC Trainer im Vorfeld als erfolgversprechende Marschroute aus. Doch im Sächsischen angekommen, waren die Gedankenspiele des Franken schon kurz nach dem Anpfiff Makulatur. Kvicha Shubitidze und Matthias Heidrich nutzten vor 8.500 Zuschauern im Erzgebirgsstadion Unachtsamkeiten der Karlsruher Hintermannschaft aus und setzten dem Zwischenhoch der Gäste ein vorübergehendes Ende.
Wegen des Länderspiels musste die Wildparkelf am vergangenen Wochenende nach den überzeugenden Auftritten gegen die Liga Primi Mainz und Cottbus pausieren, die Auszeit schien Köstners Mannschaft einen Knick versetzt zu haben. "Den Aufschwung hätten wir trotz der Pause mitnehmen müssen", ärgerte sich nach dem Spiel ein enttäuschter Martin Stoll. In der Tabelle muss sich der KSC vorerst von einem einstelligen Platz verabschieden und rangiert nach dem Spieltag punktgleich mit Aue auf Position 13.
Um wie gewünscht ein frühes Tor zu erzielen, gab Köstner seinen Schützlingen vor dem Spiel mit auf den Weg, sich keinesfalls zu verstecken. Alleine die Aufstellung ließ geballte Offensivkraft erwarten: Mit Ivan Saenko, Conor Casey und Jan Männer bot der Fußballlehrer drei nominelle Spitzen auf, Abderrahim Ouakili und Marco Engelhardt sollten aus dem Mittelfeld nach vorne stoßen. Mannschaftskapitän Engelhardt war nach seinem Muskelfaserriss wider Erwarten rechtzeitig fit geworden und konnte von Beginn an auflaufen. Sehr zur Freude seines Trainers, doch das sollte sich später ändern. "Maßlos enttäuscht bin ich vor allem vom Mittelfeld, die Jungs haben sich völlig den Schneid abkaufen lassen", wetterte Lorenz Günther Köstner nach der "Klatsche". "Gerade Marco Engelhardt hat heute eines seiner schwächsten Spiele absolviert." Doch neben Engelhardt, der in den vorangegangenen 90 Minuten mehr mit Ballverlusten, denn gewohnter Durchschlagskraft auffiel, bekamen auch andere ihr Fett weg. So verpasste Köstner auch den Routiniers Trares und Ouakili auf der anschließenden Pressekonferenz öffentlich einen Rüffel: "Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie wussten, was hier auf sie zukommt."
Eine weitere Ursache für den Unmut des Trainers stellte die Chancenauswertung seiner Elf dar. Tormöglichkeiten vergab die KSC Offensive in der ersten Halbzeit nämlich reihenweise, freuen durfte sich stattdessen der Gegner. Nach elf gespielten Minuten staubte Kvicha Shubitidze nach einem Pfostenschuss durch Skedilaid Curri ab und erzielte die Führung für den FC Erzgebirge Aue. "Umrahmt" wurde der Treffer durch zwei hochkarätige Einschussmöglichkeiten auf Seiten der Gäste. Nur zwei Minuten vor dem Rückstand schlenzte Ivan Saenko nach schöner Vorarbeit von "Abdul" Ouakili nur ans Lattenkreuz; noch während das Auer Publikum im Torjubel schwelgte, konnte FCE Schlussmann Russi Petkov einen Freistoß Marco Engelhardts nur mit Mühe entschärfen (12.). Zuvor war Petkov bei einem Karlsruher Gegenzug aus seinem Tor gestürmt und hatte Engelhardt außerhalb des Strafraums zu Fall gebracht. Schiedsrichter Wolfgang stark ließ die rote Karte aber noch in der Tasche stecken. In der Folgezeit zielten Trares und Ouakili aus der Distanz zu ungenau (17. und 26.), Conory Casey verfehlte das Aue Tor aus spitzem Winkel nur um Zentimeter (31.).
Wenige Minuten nach Wiederanpfiff stellte Köstner im Angriff um, Amateur Ralf Schmitt kam für Conor Casey. Doch nur 15 Minuten nach dem Seitenwechsel besiegelte Matthias Heidrich die Karlsruher Auswärtsniederlage, als sein Schuss vom Innenpfosten über die Linie rollte. Ivan Saenko hatte während des Auer Gegenzugs ein Foulspiel an Martin Stoll gesehen und beschwerte sich darüber nach dem Treffer bei Schiedsrichter Stark in barschem Ton. Dieser bedachte ihn folgerichtig mit der roten Karte und schickte ihn vorzeitig unter die Dusche. Auf Verständnis Seitens des Trainers braucht der junge Russe wegen seines Ausrasters nicht zu hoffen: "Wir haben uns selbst unnötig dezimiert und mit zehn Mann läuft es sich einem 0:2 Rückstand natürlich deutlich schwerer hinterher", erklärte Köstner. Saenko, der am Freitag bei den Badenern einen Profi Vertrag unterschrieb und sich über eine Gehaltsaufbesserung freuen durfte, wird für seine Unbeherrschtheit wohl mit einer saftigen Geldstrafe rechnen müssen.
Für die Niederlage mochte der Coach jedoch keinesfalls alleine Saenko verantwortlich machen. Vielmehr habe man im zweiten Durchgang jegliche Durchschlagskraft vermissen lassen, wodurch die Hoffnung auf eine Aufholjagd schon früh in weite Ferne gerückt war, konstatierte Köstner. Zeitgleich versuchte Abderrahim Ouakili im Kabinengang die Diskrepanz zwischen den hart umkämpften Punktgewinnen gegen Aufstiegsaspiranten und dem enttäuschenden Auftritt beim Aufsteiger in Worte zu fassen: "Gegen Mainz und Cottbus waren wir von der ersten Sekunde an hellwach, wollten um jeden Preis ein Gegentor verhindern." Aue hingegen habe mit der ersten Chance das Tor gemacht, umging der Spielmacher die Feststellung, dass man den Gegner vielleicht schlicht unterschätzt hatte.
Bis zum kommenden Sonntag haben die Blauweißen nun Zeit, um sich auf ein hartes Pensum einzustellen dann gastiert der Tabellensiebte aus Fürth im Wildpark. Und bevor für den KSC dann das nächste Ligaauswärtsspiel in Duisburg auf dem Programm steht, folgt am 29. Oktober das Pokalspiel bei der TSG Hoffenheim. Ein Einzug ins Achtelfinale würde der klammen KSC Kasse 220.000 Euro zuführen ein auf dem Weg zur Erfüllung der DFL Auflagen bis zum Jahresende heiß ersehnter Geldregen.









