Engelhardts Sonntagsschuss reicht nur zum Punktgewinn

(eis) Es war ganz wie im vergangenen September. Nach dem Schlusspfiff der Partie gegen Mainz 05 trotteten die Spieler des KSC wortlos und mit hängenden Köpfen durch den Kabinengang. Was die Mainzer auf der Gegenseite feierten, war aber nicht etwa ein Auswärtssieg des Aufstiegsaspiranten. Wie im Hinspiel konnten die Mainzer kurz vor dem Abpfiff einen Rückstand ausgleichen und sich über einen Punktgewinn freuen. "Irgendwas in mir schreit ‚Sieg!’ das war ein brutal wichtiges Ding heute, ich bin richtig zufrieden", feierte FSV Trainer Jürgen Klopp sein viertes Remis in Folge und den verpassten Anschluss an die Aufstiegsränge fast schon frenetisch.

"Wir brauchen überhaupt nicht traurig zu sein, wir haben uns gegen Bielefeld und Mainz zu Hause zwei Punkte hart erarbeitet", wollte auch Klopps Gegenüber nicht über das Ergebnis hadern. Kurz nach dem Schlusspfiff stieß Lorenz Günther Köstner mit seiner Aufmunterung aber weitgehend auf taube Ohren. Zu enttäuscht waren Spieler und Fans über den Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit, nachdem Marco Engelhardt erst in der 88. Spielminute zur glücklichen Führung eingehämmert hatte.

Im Südwest Derby ging es für beide Teams um die Standortbestimmung. Der KSC wäre mit einem Sieg der 40 Punkte Schwelle und dem frühen Klassenerhalt nahe gewesen, die zuletzt schwächelnden Mainzer wollte sich dem Spitzentrio der Liga an die Fersen heften. Logisch, dass sich im Vorfeld beide Seiten anstachelten. "Gegen seinen Lieblingsverein ist man ja immer besonders motiviert, also kann er zeigen, was in ihm steckt", nahm Lorenz Günther Köstner am Freitag seinen Angreifer Ivan Saenko in die Pflicht. Der Russe unterzeichnete bereits vor der Saison bei den Mainzern einen Vertrag zur übernächsten Spielzeit. FSV Manager Christian Heidel konterte in der "Mainzer Allgemeinen": "Ivan Saenko kommt nur an den Bruchweg, wenn wir aufsteigen", teilte Heidel der Zeitung mit. In der zweiten Liga passe Saenko schlicht nicht ins Gehaltsgefüge und die Rheinhessen würden den einseitigen Kontrakt nicht gegenzeichnen. Der Stürmer selbst mühte sich besonders in der zweiten Halbzeit redlich und hätte nach einem Heber aus fast 30 Metern beinahe mit einem Torerfolg auf den Trubel um seine Person geantwortet.

Für den Jubel im Lager der Wildparkelf sorgte stattdessen Marco Engelhardt, der den Ball zwei Minuten vor Spielende vor 13.200 Zuschauern per Drop Kick in den Winkel von 05 Schlussmann Dimo Wache wuchtete. Die Freude war jedoch von kurzer Dauer, in der Nachspielzeit unterlief Martin Fischer einen Freistoß von Christoph Teinert und avancierte zur tragischen Figur des Spiels. Fischer, der kurzfristig für den verletzten Thomas Walter eingesprungen war, musste mit ansehen, wie sich der völlig harmlose Freistoß in die Maschen senkte. Lorenz Günther Köstner wollte den Gegentreffer aber nicht alleine dem Routinier zwischen den Pfosten ankreiden: "Wenn zwei Abwehrspieler mitgelaufen wären, wäre er nicht aus seinem Tor gekommen. Aber meine Mannschaft hat sich eine halbe Minuten feiern lassen und dann die Defensivarbeit vergessen."

Bei aller Zufriedenheit über das nackte Ergebnis, an Kritik an der Leistung seiner Elf sparte Köstner nicht. "Ouakili, Männer und Engelhardt haben in der ersten Halbzeit Angsthasenfußball gespielt", maulte der Franke. Mainz sei so erst ins Spiel gekommen und habe im ersten Durchgang dominieren können. "Wir haben einen saustarken Gegner sehr gut bearbeitet, hatten aber leider keine zwingenden Torchancen", pflichtete ihm Jürgen Klopp bei. Besonders seinen Kapitän Engelhardt nahm Köstner nach dessen Treffer besonders in die Pflicht: "So viel Mut wie bei diesem Schuss erwarte ich einfach öfters von ihm!"

Der gescholtene und doch gelobte Mannschaftskapitän war auch einer der wenigen, die sich nach dem Spiel stellten. "Die Art und Weise ist sehr enttäuschend, aber das Unentschieden geht dem Spielverlauf nach in Ordnung", gab sich der um die Lorbeeren gebrachte Torschütze gefasst. Der frühzeitige Klassenerhalt habe für die Mannschaft absolute Priorität, wiederholte Engelhardt aus Ausführungen seines Trainers fast gebetsmühlenartig. Doch so ganz konnte er seine Enttäuschung doch nicht verbergen: "Man sieht, wie es in der Tabelle enger wird und die ganzen Unentschieden bringen uns da nicht weiter. Deshalb ist das umso bitterer!"


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