"Das beste Feedback ist, wenn der Spieler wieder auf dem Platz steht"

aKAdemie von Brand

Unterscheiden sich Fußballer von anderen Patienten? Kommen auch Trainer auf die Untersuchungsbank? Und wie lebt es sich in der Rolle im Hintergrund? Markus Kerner, seit 2008 Physiotherapeut im Talentteam des KSC, gibt die Antworten.

Markus, was genau sind deine Aufgaben beim KSC und wie sieht ein normaler Tagesablauf für dich aus?
Grob gesagt, führe ich halbtags die kleineren Behandlungen im Nachwuchsleistungszentrum durch. Ausgiebige Untersuchungen finden für Spieler aus dem südbadischen Raum in meiner Praxis Physio Forum in Rastatt statt. In unserem achtköpfigen Team hat jeder Therapeut sein Fachgebiet, mein Schwerpunkt liegt in osteopathischen, orthopädischen, chirurgischen sowie sporttraumatologischen Erkrankungen. Dort behandle ich auch Nichtsportler, die mir natürlich genauso am Herzen liegen.

Was reizt dich an der Arbeit beim KSC?

Dadurch, dass ich selbst Fußball gespielt habe und auch früh den Sportphysiotherapeut gemacht habe, wollte ich schon früh diese Richtung einschlagen. Es macht einfach unheimlich viel Spaß, mit den Trainern und Betreuern zu arbeiten. Wir ergänzen uns richtig gut. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Andreas Emnet, der die Spieler aus dem Raum Karlsruhe behandelt, funktioniert überragend. Man kann sich austauschen und da jeder seine Philosophie und seine Ideen hat, lernt man nie aus.

Wie ist euer Verhältnis zu den Spielern?
Wir sind sehr nah an den Emotionen der Spieler und haben einfach einen sehr guten Draht zu ihnen. Das ist insofern wichtig, da die Jungs eine Person brauchen, mit der sie im Vertrauen über ihre Gedanken sprechen können. Beispielsweise wenn sie nicht verstehen, warum sie nicht spielen. Wir sind dann da, um die Spieler als Vertrauensperson zu beruhigen, sie aufzubauen und ihnen gute Tipps zu geben. Auch das gehört zu unserem Job.

Unterscheiden sich Fußballer aus deiner Sicht von anderen Patienten?
Definitiv. Die anderen Patienten wollen den Schmerz natürlich auch weghaben, aber die werden nicht täglich gefragt, wann sie wieder fit sind. Da haben Fußballer natürlich den größeren Druck und sind automatisch ungeduldiger.

Denkst du auch manchmal: nicht schon wieder der Spieler?
Wir Physios sind uns einig, dass sehr junge Spieler oft zu schnell und zu früh den Weg zu uns suchen. Das gehört im Nachwuchsbereich aber dazu. Dennoch nehmen Andreas und ich uns schon das Recht heraus zu sagen, dass man nicht täglich zu uns kommen muss. Wir können gut erkennen, wer wirklich Behandlung braucht und wer immer wieder kommt, um zu reden.

Kommen auch die Trainer zu euch in Behandlung?
Ja, das ist nicht unüblich und meistens auch ganz witzig.

Inwiefern?
Das liegt an der vorbildlichen Beweglichkeit (lacht).

Euer Job wird in der Öffentlichkeit oft nicht wirklich wahrgenommen oder gar gewürdigt. Wie gehst du damit um?
Ich persönlich habe damit kein Problem, weil ich gern im Hintergrund stehe. Die Bestätigung für unsere Arbeit bekommen wir von den Trainern und den Jungs, sobald ein Spieler nach einer Verletzung wieder auf dem Platz steht. Das ist für uns das beste Feedback.

Du unterrichtest auch Sportmedizin an der Fachschule für Physiotherapie in Langensteinbach. Wie kam es dazu?
Es ist üblich, dass wir uns in unserem Beruf weiterbilden müssen und wollen. Neben zahlreichen Fortbildungen habe ich eine fünfjährige Osteopathieausbildung gemacht. Durch die Fragen der Schüler, mit denen man im Unterricht konfrontiert wird, bleibt man automatisch immer up to date.

Was war dein bisher schönstes Erlebnis beim KSC?
Es gibt immer wieder besondere Momente. Ein Highlight war das Spiel der U17 im Wankendorf-Stadion, wo 1954 das Endspiel der Fußball-WM zwischen Deutschland und Ungarn stattgefunden hat. Die Gespräche, die durch gemeinsames Zusammensitzen entstehen, sind aber auch immer wieder schön.


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