Danyal Zor im Interview

"Ich habe einen Moment gebraucht, um das alles zu realisieren"

Vorberichte von Jan Hoffmann

Er verbindet Kreativität und Kampfgeist: Unser Eigengewächs Danyal Zor. ksc.de hat mit dem Senkrechtstarter im KSC-Mittelfeld über das Aufwachsen in einer Fußballerfamilie, seine Entwicklung, das Debüt in der U20-Nationalmannschaft und vieles mehr gesprochen. Viel Spaß beim Lesen!

Zor im Dribbling
Die tiefe Sechs ist Danyals Zuhause.

ksc.de: Danyal, im Mai hast du noch mit der U23 in der Oberliga Baden-Württemberg gespielt. Fünf Monate später stehen ein Startelfeinsatz gegen Inter, 450 Zweitligaminuten und drei U20-Nationalspiele in der Vita. Wie hast du die zurückliegenden Monate erlebt? 

Danyal Zor: Wenn ich das alles so höre, dann ist das schon absolut verrückt. Ich bin aber immer mit dem Glauben an mich selbst an die Sache herangegangen. Im Training und in den Testspielen habe ich gemerkt, dass ich gut drauf bin und habe das Vertrauen des Trainers gespürt. Dadurch bekam ich immer mehr Selbstbewusstsein, habe mir auf dem Feld mehr zugetraut und machte so weitere Schritte nach vorne.  

ksc.de: Im Spielsystem unseres Cheftrainer Max Senft hast du deine feste Rolle im defensiven Mittelfeld. Was gefällt dir an der Art und Weise, Fußball zu spielen? 

Danyal: Das aggressive Pressing spielt mir gut in die Karten. Ich laufe viel und habe gerne den Ball am Fuß. Sei es, dass ich mir die Kugel bei den Verteidigern abhole oder versuche, den Ball vom Gegner zu erobern. Diese Kombination passt ganz gut zur Spielidee. Ich bin ein vielseitiger Fußballer, sozusagen ein tiefer Spielmacher.   

ksc.de: Mit gerade einmal neun Jahren bist du zum KSC gekommen und hast fortan alle Jugendmannschaften durchlaufen. Wie blickst du auf deine Zeit in unserer grenke aKAdemie zurück? 

Danyal: Das war ein unglaublich toller Abschnitt in meinem Leben! Zum Glück hatte ich kaum Verletzungen. Von den verschiedenen Trainern und Mitspielern durfte ich sehr viel lernen, dafür bin ich enorm dankbar. Aus kleinen Rückschlägen, wie in der U19-Saison 2024/25, als ich bei einigen Spielen nicht im Kader stand, kam ich stärker zurück und habe mit dem Pokalfinale in Potsdam ein echtes Highlight erlebt.  

ksc.de: Die Fußballleidenschaft und das Talent liegen in der Familie. Dein zwei Jahre älterer Bruder Yasin spielt derzeit bei der zweiten Mannschaft von Hoffenheim in der 3. Liga. Wie ist das unter Profifußballerbrüdern: Pusht ihr euch gegenseitig? 

Danyal: Auf jeden Fall! Wir möchten uns ja stets verbessern, dabei gönnen wir uns gegenseitig aber alles und freuen uns füreinander! Mein Bruder schaut alle meine Spiele, andersherum ist es genauso. Wir leben zusammen und haben ein super Verhältnis. Von klein auf waren Yasin und ich gemeinsam mit unserem Vater auf dem Fußballplatz, haben von- und miteinander gelernt. Dass wir nun beide im Profifußball angekommen sind, macht uns und die gesamte Familie natürlich sehr stolz und vor allem sehr dankbar. 

ksc.de: Stichwort Familie – Nicht nur dein Bruder lebt für den Fußball, auch dein Vater ist ein oft und gern gesehener Gast bei den Trainings und Spielen auf dem Wildparkgelände. Was bedeutet dir der familiäre Rückhalt? 

Danyal: Das stimmt, dass mein Vater sehr nah dabei ist. Seine Unterstützung im Bereich Fußball ist sehr wichtig für mich und meine Brüder. Meine Mutter und mein Vater waren und sind immer für uns da. Beide haben mich als Kind wunderbar unterstützt. Ich wurde zu jedem Training und jedem Spiel gefahren. Egal wann und wo es war. Diese Anstrengungen, die damit einhergingen, waren mir damals noch gar nicht so bewusst. Dafür bin ich heute umso dankbarer, was sie mir alles ermöglicht haben. Ohne diesen Support würde ich jetzt nicht hier stehen. 

ksc.de: Neben der Familie Zor hast du auch beim KSC eine Familie. Dazu gehört sicherlich auch Rafael Pinto Pedrosa, mit dem du schon seit vielen Jahren zusammenspielst. Wie ist euer Verhältnis?  

Danyal: Wenn ich mich recht erinnere, spielen wir seit der U11 zusammen. In dieser Zeit haben wir sehr viel erlebt, sowohl beim KSC als auch außerhalb. Da kam es öfters mal vor, dass er bei mir oder ich bei ihm übernachtet habe. Wir sind wirklich gute Freunde, auch unsere Familien. Es freut mich enorm zu sehen, was für einen Weg er genommen hat. Dass wir es nicht nur aus dem NLZ zu den Profis, sondern auch gemeinsam zur deutschen U20-Nationalmannschaft geschafft haben, ist einfach Wahnsinn. 

ksc.de: Nachdem du zuvor schon bei der U19 auf Abruf dabei warst, hast du in den vergangenen Wochen deine ersten Länderspiele absolviert. Wie hast du von der Nominierung erfahren? 

Danyal: Das war nach dem Nürnberg-Spiel. Der U20-Trainer Hannes Wolf hat mich darüber informiert, dass sie mich auf dem Schirm haben und ich weiter Gas geben soll. Am nächsten Morgen habe ich eine Sprachnachricht erhalten, in der mir der Trainer gesagt hat, dass ich bei den anstehenden Spielen dabei bin. Das zu hören, war ein unglaubliches Gefühl. Auf Abruf nominiert zu sein war natürlich immer eine Ehre, aber eigentlich wollte ich lieber spielen, klar. Dass es endlich geklappt hat, ist einfach überragend. Die Reaktion meiner Familie auf die Nominierung war auch richtig schön. 

ksc.de: Und dann stehst du da auf dem Rasen mit dem Adler auf der Brust neben deinem Kindheitsfreund Rafa. 

Danyal: Einfach wow! Als die Hymne lief, habe ich einen Moment gebraucht, um zu realisieren, wo ich hier gerade bin (strahlt). Alle Spiele und das gesamte Drumherum waren eine ganz besondere Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Darauf darf ich mich jetzt aber nicht ausruhen, sondern will mich weiter verbessern und gute Leistungen zeigen. 

ksc.de: Gibt es Erkenntnisse, die du aus der Zeit mit der Nationalmannschaft zum KSC mitnimmst? 

Danyal: Beim KSC spiele ich auf der Sechs, beim DFB hingegen etwas offensiver. So konnte ich mich auf hohem Niveau in eine andere Rolle einfinden, das ist sehr hilfreich für mein Spiel. Zudem ist es wichtig, auf Spielzeit zu kommen. Ich kam in allen drei Partien zum Einsatz, zweimal davon in der Startelf. England, Frankreich und Italien sind absolute Topmannschaften, gegen die es großen Spaß macht zu spielen. Jetzt komme ich mit viel Selbstvertrauen zum KSC zurück. Außerdem freue ich mich, wieder vor vielen Fans zu spielen. 

ksc.de: Mit dem Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli wartet eine Mannschaft auf uns, die punktetechnisch auch noch etwas hinter den eigenen Erwartungen steht. Was für ein Spiel kommt da auf uns zu? 

Danyal: Wenn wir alles reinhauen, dann können wir jeden Gegner schlagen. Dafür steht die 2. Bundesliga. Für uns Spieler gilt es, die Rollen auszufüllen, die der Coach von uns erwartet. Wir wollen mutig spielen, im Gegenpressing da sein und zeigen, wer wir sind. Wir haben unseren Weg, den wollen wir gemeinsam als Team weitergehen. 


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