Zusammenfassung der ordentlichen KSC-Mitgliederversammlung

Vereinsnews

Die dritte KSC-Mitgliederversammlung dieses Jahr fand aufgrund der Corona-Pandemie zum dritten Mal virtuell statt. Wir haben die vierstündige Veranstaltung zusammengefasst.

Pünktlich um 18 Uhr eröffnete KSC-Präsident Holger Siegmund-Schultze seine erste ordentliche Mitgliederversammlung als Veranstaltungsleiter. Mit ihm auf dem Podium in den Räumen von KSC-Partner BGV waren die beiden Vizepräsidenten Günter Pilarsky und Martin Müller, die beiden Geschäftsführer der GmbH & Co. KGaA Michael Becker und Oliver Kreuzer sowie die rechtlichen  Berater des Vereins.

667 KSC-Mitglieder fanden sich zum Start vor ihren digitalen Geräten ein und verfolgten die dritte virtuelle Versammlung in diesem Jahr im Livestream. Nach den üblichen Formalien blickte Holger Siegmund-Schultze auf aktuelle Situation des Gesamtvereins. Sowohl mit dem neuen Stadion als auch mit dem Standort in Innenstadtnähe als Alleinstellungsmerkmal könne sich der KSC sehr glücklich schätzen. Auch wenn die nächsten zwei Jahre nochmal eine enorme Herausforderung werden würden, sei der KSC aber bereits gut gewappnet und beispielsweise schon mit dem Standard der Provisorien auf dem richtigen Weg. Zum Rechtsstreit mit der Stadt Karlsruhe führte er aus, dass man immer im Sinne des KSC gekämpft habe, „in Zukunft aber nicht mehr in Gerichtssälen, sondern auf dem grünen Rasen gewinnen möchte“. Auch mit Lagardère/Sportfive wolle man eine außergerichtliche Lösung finden. Die KSC-Perspektive sei eine andere als die der Vermarktungsagentur, der Schaden sei nicht so wie die Zahlen, die durch die Medien gingen (siehe unten).

Lobende Worte fand der Präsident dann für den sportlichen Bereich, die Geschäftsführung, alle Mitarbeiter und Abteilungen des e.V.. Überall habe es trotz schwieriger Situation wie der drohenden Insolvenz Veränderungen hin zum Positiven gegeben. „Wir werden nicht lockerlassen, bis der KSC wieder so aufgestellt ist, dass er wieder wettbewerbsfähig ist“, so Siegmund-Schultze.

Lagardere / Sportfive
Im Anschluss führte KSC-Geschäftsführer Michael Becker nochmal den Prozess mit der Vermarktungsagentur Sportfive (ehemals Lagardère) aus. Wegen eines Vertrauensverlusts hatte der Karlsruher SC e.V. den bis 2027 angelegten Vertrag mit Sportfive gekündigt und am 01.04.2019 die Vermarktung wieder in Eigenregie übernommen. Nach Klage der Agentur erklärte das Oberlandesgericht die Kündigungen für unwirksam. Wie die Zusammenarbeit in Zukunft gestaltet werden soll, ließen die KSC-Verantwortlichen offen und verwiesen auf laufende Gespräche in den Gremien sowie mit Sportfive selbst. Wirtschaftlich, so führte Michael Becker aus, würde der Vertrag durch die Gerichtsentscheidung nach Rechtswirksamkeit nun rückwirkend zum 31.03.2019 wieder gültig. Durch die Eigenvermarktung und den Prozess entstanden zwar Aufwands- und Gerichtskosten für den KSC, diese stehen aber der ausgesetzten Provision gegenüber. Der wirtschaftliche Schaden für den KSC würde voraussichtlich rund 800.000 Euro betragen. Für die Zukunft wolle man eine für alle Seiten akzeptable Lösung finden.

Jahresabschluss Karlsruher SC e.V.
Daraufhin führte Becker den Jahresabschluss des KSC e.V. aus. Die größten Einnahmequellen des e.V. sind nach der vollzogenen Ausgliederung aktuell Zuschüsse und Spenden in Höhe von 751.000 Euro, während die Mitgliedsbeiträge 463.000 Euro ausmachen. Dem gegenüber stehen vor allem Verwaltungskosten sowie Personalkosten des Nachwuchsleistungszentrums. Als außerordentliche Aufwände fielen Kosten für die 125-Jahr-Feier und Beratungskosten für die Sanierung an. Außerdem zahlt der e.V. derzeit die Zinsen der KSC-Fananlage zurück. Insgesamt steht ein Verlust von rund 150.000 Euro zu Buche.

Berichte der Revisoren und des Verwaltungsrats
Revisor Lothar Meinzer berichtete über die Kassen- und Buchführung des e.V.. Alles sei ordnungsgemäß und es gebe keine Beanstandungen.

Der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Michael Steidl, führte aus, dass ein sehr bewegtes und schwieriges Geschäftsjahr hinter dem Verein liege. Zudem dankte er allen an der Sanierung beteiligten Personen. Differenzen im Verwaltungsrat seien ausgeräumt, so Steidl.

KSC-Präsident Holger Siegmund-Schultze führte erstmals als Versammlungsleiter durch die MGV

Jahresbericht Karlsruher SC GmbH & Co. KGaA
Als Nächstes fasste KSC-Geschäftsführer Becker vor 886 virtuell anwesenden Mitgliedern den aktuellen Stand der Sanierung der KSC GmbH & Co. KGaA zusammen. Im ersten Schritt wurden Vergleiche mit Michael Kölmel und Günter Pilarsky getroffen und mit dem Eigenkapital des „Bündnis KSC“ in Höhe von 6 Millionen Euro eine Entschuldungswirkung von rund 20 Mio. Euro erzielt. Offen hinsichtlich des Vergleichs mit Günter Pilarsky war noch, wie die Besserungsscheine in Höhe von 7 Mio. Euro bewertet werden. Das entsprechende Gutachten der Wirtschaftsprüfer ergab einen Wert von 3,5 Mio. Euro. Vorbehaltlich der Sacheinlagenprüfung erhalten Michael Kölmel und Günter Pilarsky in den nächsten Wochen entsprechende Anteile an der KGaA.

In einem zweiten Schritt der Sanierung sollen nun die verbleibenden 12 Mio. Euro Schulden, welche weitestgehend langfristigen Laufzeiten haben, weiter minimiert werden. Dafür sollen Vergleiche, die Aktienverkäufe für institutionelle Anleger ab 100.000 Euro und außerordentliche Erträge, wie beispielsweise Transfererlöse, dienen. Weiterhin sollen Rücklagen gebildet und nachhaltige Investitionen getätigt werden. Im Rahmen eines weiteren Aktienverkaufs an einen regionalen Investor konnten die Verpflichtungen Anfang Juli nochmals um 0,5 Mio. Euro reduziert werden. Weiterhin soll der Veränderungsprozess des KSC dabei konsequent weitergeführt werden. Zum Stichtag am 01.07. stand der KSC in wirtschaftlicher Sicht so gut da wie schon lange nicht mehr, dennoch bringe die Corona-Krise natürlich neue Herausforderungen mit sich.

Michael Becker berichtete von der Genehmigung eines langfristigen KfW-Darlehens zur Überbrückung der Corona-Krise in Höhe von 3 Millionen Euro. Dieses Geld wird ausschließlich dafür genutzt, die durch Corona entstandenen Einnahmeausfälle zu kompensieren. In Summe hat der KSC inkl. des Darlehens derzeit nun 14,5 Mio. Euro Verpflichtungen in Form von Dauerschuldverhältnissen, privaten und geförderten Darlehen, Rückstellungen und Besserungsscheinen.

Der Jahresabschluss 2019/20 ist aufgrund der derzeitigen Sondereffekte besonders zu betrachten: Zwar weist die Bilanz einen Jahresfehlbetrag von 18,7 Mio. Euro aus, allerdings müssen hier Sondereffekte von 16,1 Mio. Euro durch Abschreibungen der Ausgliederung, die Vergleiche mit Michael Kölmel und Günter Pilarsky, Corona, Beratungskosten für die Sanierung, Kosten für den Stadionneubau sowie der Verlust des Vorjahrszeitraums 01.01.19 bis 30.06.19 herausgerechnet werden. So kommt man schlussendlich auf einen Verlust von ca. 2,6 Mio. Euro aus der operativen Tätigkeit. „Es gilt festzuhalten, dass wir auch in der abgelaufenen Saison wieder stark über unsere Verhältnisse gelebt haben. Fortlaufende Verluste aus dem operativen Geschäft sind für kein Unternehmen dauerhaft finanzierbar. Die finanzielle Strategie des KSC muss zukünftig anders aussehen“, betonte Becker.

Im Fünf-Jahres-Vergleich konnte der KSC vor allem seine Einnahmen in den Bereichen Merchandising, Werbung und Hospitality (Rekordergebnis von ca. 7 Mio. Euro) steigern und weist hier deutlich höhere Einnahmen auf als in der letzten Zweitligasaison 2016/17. Die Rückerstattungen aufgrund Corona für Eintrittskarten und VIP-Tickets betrugen in der letzten Saison rund 500.000 Euro.

Im Anschluss gab Michael Becker noch einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2020/21. Eine genaue wirtschaftliche Prognose sein aufgrund Corona und der damit zusammenhängenden dynamischen Lage nicht möglich. Nach derzeitigen Planungen stehen mindestens 5 Mio. Euro Einnahmeverluste bzw. Mehraufwendungen aufgrund Corona zu Buche. Diese sollen durch Einsparungen und geförderte Kredite gegenfinanziert werden. Für den Innenausbau des neuen Stadions muss der KSC in den nächsten Jahren rund 10 Mio. Euro beitragen. Im laufenden Geschäftsjahr sind Investitionen in Höhe von rund 2 Mio. Euro zu tätigen. Ein Teil dieser Kosten soll über den Aktienverkauf an Anleger bis 25.000 Euro gegenfinanziert werden sollen. „Weitere Verluste und Maßnahmen sind stark abgängig vom weiteren Verlauf der Pandemie“, so Becker.

Veränderungsprozess
Zudem gab der KSC-Geschäftsführer dann Einblicke in den seit 2018 laufenden Veränderungsprozess. Im Finanzbereich soll nachhaltig gewirtschaftet werden und eine Verknüpfung aller Einnahmefelder einen Mehrwert für die Zukunft ermöglichen. Im Sport soll eine durchgängige Strategie für Profis und aKAdemie geschaffen werden, um so eine Grundlage für dauerhaften sportlichen Erfolg zu ebnen. Hierzu gab auch Geschäftsführer Sport seinen Jahresbericht ab, in dem er die vergangene Spielzeit Revue passieren ließ.

Im Bereich der Organisation werde mit einer modernen Führungskultur und durch Transparenz die Bereitschaft zum Mitmachen gefördert und das Personal weiterentwickelt, so Becker. Nach der Einführung der Markenidentität „KSC – Meine Heimat“ will der KSC die emotionale Bindung unabhängig vom sportlichen Erfolg erhöhen und dadurch die Einnahmen steigern. Mit einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie sollen Geschäftsprozesse optimiert und neue Monetarisierungsmodelle entwickelt werden. So entsteht in dieser Saison beispielweise ein eigenes KSC-Bezahlsystem („KSC-Pay“) oder ein Zusatzangebot für Informationen unter dem Namen „KSC-Plus“. Auch infrastrukturell tut sich im Wildpark einiges, so dass die Voraussetzungen für ein erfolgreiche Zukunft geschaffen werden. Aktuell wurde die provisorische Geschäftsstelle fertiggestellt, die erstmals seit langer Zeit wieder alle KSC-Mitarbeiter in einem Gebäude vereint. Weiterhin wurde im Rahmen der Vision Wildpark der neue Kunstrasenplatz vor kurzem in Betrieb genommen und in der kommenden Woche beginnt der Bau des nächsten und bisher größten Bauabschnitts. Ende des Jahres kann zudem die Osttribüne fertiggestellt werden, die Stadionfertigstellung ist für 2022 geplant. Hierzu berichtete Fabian Herrmann, Geschäftsführer der Stadionbetriebs Gesellschaft mbH, der sich dabei auch bei der Stadt Karlsruhe, dem städtische Eigenbetrieb "Fußballstadion im Wildpark" sowie der KASIG für die gute Zusammenarbeit bedankte.

Aktienverkauf
Zum Schluss des Vortrags verkündete Michael Becker noch, dass es ab sofort möglich für alle Fans, Mitglieder und Interessenten sei, sich ihren Teil KSC in Form von Aktien zu sichern. Schon für 24 Euro kann jeder Mitinhaber der KSC GmbH & Co. KGaA werden, was ein elementarer Bestandteil der Ausgliederung war. Weitere Informationen finden sich hier.

Aussprache, Vereinsrat und Anträge
Im Anschluss folgte die Aussprache der Mitglieder. Via Chat konnten alle Teilnehmer Fragen einreichen, die von Holger Siegmund-Schultze vorgelesen und dann an den entsprechenden Verantwortlichen weitergereicht wurden. So ging es dabei nochmals um den Prozess mit Lagardère, die sportliche Situation sowie Bilanzzahlen im Detail.

Nachdem KSC-Präsidium und Verwaltungsrat von der MGV entlastet wurden, berichtete der Vorsitzende des Vereinsrats, Dieter Gläser, aus den Abteilungen. Die Berichte der einzelnen Abteilungen finden sich hier im Jahresinfoheft.

Anschließend folgten die Anträge. Unter anderem schlug das Präsidium Hybrid-Veranstaltung (vor Ort und Online) für die Zukunft – auch ohne Corona – vor. Dafür wurde auch geklärt, dass eine Einladung zur Versammlung via E-Mail, sofern vorhanden, in Zukunft ausreichend ist. Zudem wurden Ersatzmitglieder für die vom Karlsruher SC e.V. zu entsendenden Mitglieder in den Aufsichtsrat der KGaA gewählt: Carsten Klocke und Dr. Ulrich Metz.

Nach der letzten Fragerunde verkündete Michael Becker, dass der KSC bereits seit Verkaufsstart auf 150 Aktionäre zählen könne, und so in 60 Minuten schon 55.000 Euro eingenommen werden konnten. Nachdem dann alle Themen bearbeitet waren, beendete Holger Siegmund-Schultze dann nach vier Stunden die ordentliche KSC-Mitgliederversammlung.


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