Fußballstadt Karlsruhe

Warum?

  • Der KSC ist eines der Gründungsmitglieder der Bundesliga im Jahr 1963
  • Eines der ersten sogenannten Ur-Länderspiele auf deutschem Boden wurde in Karlsruhe ausgetragen – im Jahr 1899
  • Der Engländerplatz in Karlsruhe gilt als einer der ältesten Fußballplätze Deutschlands
  • 1909 wurde der FC Phönix als Vorgängerverein des heutigen KSC Deutscher Meister
  • Walther Bensemann – einer der deutschen Fußballpioniere – brachte den Fußball von Karlsruhe aus in die Republik
  • Teilnahme (und Siege) mehrerer Karlsruher Mannschaften bei den ersten Deutschen Meisterschaftsendspielen ab dem Jahr 1902 bis 1914

     

Zur neuen Fanartikel-Kollektion!


Mehr zur Fußballstadt Karlsruhe gibt's in unseren Texten zu erfahren – hier findet ihr den ersten von sechs:

Fenster, Fans und Fußlümmelei –
Wo alles seinen Anfang nahm

#FußballstadtKA #Engländerplatz

Fangen wir einfach mal an: bei F wie Fächerstadt. F wie Fußballstadt. F wie Fusion. Am 16. Oktober 2022 ist es genau 70 Jahre her, dass sich der Karlsruher FC Phönix und der VfB Mühlburg zusammengetan haben – unter dem Namen Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix e. V., kurz: KSC.

Dieser runden 70 wollen wir, passend zum 70. Thronjubiläum der Queen, die Krone aufsetzen: mit jeder Menge Aktionen und Angeboten, mit Dingen, die wir noch nicht verraten und solchen, die mit F wie Funktionsstoff und Fankollektion zu tun haben. Und mit einer Serie aus sechs Texten, die in die Geschichtsbücher gucken; nicht nur die des KSC, sondern der ganzen Fächerstadt und der fußballbegeisterten Region. Denn das ist sie, seit Anbeginn der Zeit des runden Leders in Deutschland: fußballbegeistert. Karlsruhe lebt, atmet, feiert Fußball, seit 1889. Seit einer zerbrochenen Fensterscheibe.

Der Schuss, die Scheibe
Walther Bensemann, über den wir in unserer Serie noch mehr erfahren werden, brachte den allerersten Fußball nach Karlsruhe. Im wahrsten Sinn des Wortes. Als Schüler des damals Großherzoglichen Gymnasiums, seit 1938 und bis heute: Bismarck-Gymnasium, konnte er nicht ohne dieses neuartige englische Spiel, das er in der Schweiz kennengelernt hatte. Und so traf eines Tages im September 1889 ein Paket für den Pennäler ein; drin: ein Ball. Flugs aufgeblasen, noch morgens vor Schulbeginn, dann in der 10-Uhr-Pause der Schuss, die Scheibe, oh weh … Schon hatte ein Fenster dran glauben müssen. Treffer, versenkt. Statt die Übeltäter jedoch zu bestrafen, tat Direktor Wendt, was er wohl damals für nicht sonderlich bemerkenswert oder geschichtsträchtig erachtete – er schickte die Schüler auf den Kleinen Exerzierplatz nebenan. Und machte die Gelegenheitskicker zu echten Fans der damals noch abwertend als „Fußlümmelei“ bezeichneten jungen Sportart. Vor allem die Turner fürchteten um ihren Ruf und ihre edle Bewegung, sprachen vom Fußball als „englischer Krankheit“. Dem begegneten die Karlsruhe Kicker mit einer gesunden Portion Ignoranz – und spielten weiter, auf ihrem geliebten Bolzplatz.

Ab 1860 Feuerwehr-Übungsplatz mit Schlauchturm, gelegen zwischen heutiger Moltkestraße und Knielinger Allee, diente besagter Exerzierplatz bereits Mitte der 1880er Jahre einigen Gymnasiasten (darunter auch Prinz Max von Baden) und ein paar Engländern einstweilen als Rugby-Platz, was aber schnell wieder im Sande verlief. Ob schon jene oder erst Bensemann und Kollegen 1889 den Spitznamen „Engländerplatz“ etablierten? Nicht überliefert. Aber geblieben ist er, der Name, zunächst im Volksmund, 1913 dann auch offiziell.

Offiziell wurde 1894 noch etwas anderes. Im Gründungsjahr des KSC überließ Großherzog Friedrich I. den Engländerplatz „der gesammten studierenden Jugend Karlsruhes als Spielplatz“. Das blieb lange so, auch noch, als die meisten Vereine Anfang des 20. Jahrhunderts eigene Spielfelder oder gar Stadien bauten.

Von 1933 bis 1946 wurde der einstige Exerzier- und Engländerplatz zum „Skagerrakplatz“ und diente als Aufmarschplatz. Fußball rückte in den Hintergrund und in weite Ferne, und auch nach Kriegsende wurde er nicht wieder von einem Fußballverein für den regulären Betrieb genutzt. 1945 bis 1950 diente er gar der Trümmerbeseitigung des Zweiten Weltkriegs, als Schuttabladestelle. 1946 bekam er zumindest seinen alten Namen wieder.

(Fast) noch mehr Ruhm und Ehre
In den Fokus rückte der älteste Fußballplatz Süddeutschlands erst wieder 2007, als er nach Umbau zur Heimat der Mensa Moltke der Hochschule Karlsruhe wurde, immer noch mit Spielfeld (um 90 Grad gedreht), später außerdem mit Gedenkstein des Badischen Fußballverbands und Sandsteinstele der Stadt. Diese erinnert – initiiert und finanziert vom Fanprojekt im Stadtjugendausschuss und von den Supporters Karlsruhe 1986 e. V., offiziell anerkannter Dachverband der KSC-Fans – an Fußballpionier Walther Bensemann und die besondere Rolle des Engländerplatzes. 

Aber vor dem Ende dieser ersten Geschichte noch einmal zurück zu den Engländern. Nur wenige Jahre nach Karlsruhes allererstem Kick sollte dem Engländerplatz im November 1899 besondere Ehre zuteil werden, als Austragungsstätte eines internationalen Vergleichs. Gegen wen? Na klar: England. Wie passend! Und wie schade, dass es dann doch nicht geklappt hat. Wie, was, warum? Mehr dazu in der nächsten Story unserer Reihe zur Fußballstadt Karlsruhe. Da geht’s ums U, wie Ur-Länderspiele, unter anderem.

Text: Sandra Walzer

Ursprünge, Ufer und Unbekanntes – Wie Karlsruhe international kickte

#FußballstadtKA #UrLänderspiel

Nach F folgt U. Nicht im Alphabet, aber in unserer sechsteiligen Serie mit dem Blick auf einst. Auf das, was 1889 in Karlsruhe seinen Anfang nahm, 1952 zusammenfand und 2022 so lebendig ist wie eh und je: der Fußball in Karlsruhe. Und das auch in ganz frühen Jahren schon über die Bundesgrenzen hinweg.

In Teil „F“, dem ersten Teil unserer Textreihe, haben wir über den Engländerplatz geschrieben und davon erzählt, wie der Kleine Exerzierplatz neben Walther Bensemanns Schule zum ersten Fußballplatz Süddeutschlands wurde. Die Begeisterung schlug schnell hohe Wellen, damals, Ende des 19. Jahrhunderts. So hoch, dass direkt eine Serie internationaler Vergleiche geplant wurde. Auf zu neuen Ufern!

Unbenannte Spiele, unbekannte Gründe

Sieben dieser „Wettspiele“ gab’s vor dem ersten offiziellen Länderspiel 1908: zwei gegen Pariser Teams, fünf gegen England (eins gegen eine österreichisch-böhmische Auswahl, „Deutsch-Österreicher“ genannt). Wer als Planer und Organisator hinter denen auf deutschem Boden steckte? Na klar, Walther Bensemann, wer auch sonst, zusammen mit dem Deutschen Zentralkomitee für internationale Fußballwettspiele, Ivo Schricker und Bensemanns Tante. Letztere lieh Bensemann 2.000 Goldmark, damit der Neffe die Aufwandsentschädigung berappen und damit die aus Profis und Amateuren zusammengestellte englische Auswahl von Insel aufs Festland locken konnte.

Weil alles noch eher in Kinder- denn in Fußballschuhen steckte, werden diese sieben Spiele mal mehr, mal weniger, mal gar nicht in den Statistiken berücksichtigt. Und auch der Titel „Länderspiele“ wird ihnen nicht zuerkannt, obwohl diese Partien dennoch deren Ursprung waren. Ursprung, Länderspiele … Ur-Länderspiele! So werden sie bis heute genannt, weil eben noch vor der Gründung eines offiziellen bzw. allgemein anerkannten nationalen Verbands. Eins jener Ur-Länderspiele wurde dann auch standesgemäß in der Fächerstadt ausgetragen, am 28. November 1899; das letzte Match der Engländer in Deutschland.

Überhaupt mischte die Fußballstadt Karlsruhe rege mit, stellte bereits 1898 in Paris Rudolf Wetzler (eigentlich KFV, zum Zeitpunkt des Spiels Akademischer SC 1893 Berlin), am 23. und 24. November 1899 Langer und Link und am 28.11. schließlich sogar sieben Karlsruher Spieler (vom KFV und von Phönix Karlsruhe). Diesen heimischen Auftritt in der Fächerstadt sahen 5.000 Zuschauende, und das beinahe an der historischsten aller Stätten – das Spiel sollte eigentlich auf dem Engländerplatz stattfinden. Kurzerhand wurde das Match gegen die Engländer jedoch verlegt, auf einen anderen Exerzierplatz. Unerhört! Aber immerhin in Karlsruhe. Weshalb der kleine Bolzplatz so knapp am ganz großen Auftritt vorbeischlitterte? Unbekannt. Das 0:7 jedenfalls wurde nicht etwa als große Katastrophe bejammert, sondern gefeiert – nur 0:7! Gegen die Engländer! Die hatten ja doch einiges an Vorsprung in Sachen Fußball. Zum Beispiel mit einem bis dato in Deutschland eher unbekannten System mit drei Innenstürmern, und schon damals kaum noch mit der Fußspitze, sondern immer mehr mit Innen- und Außenseite, mit Kurzpass, Dribbling, Kopfballspiel, und mit viel Tempo. So wurden die Ur-Länderspiele im November 1899 zum Ur-Lehrstück für Aktive und Passive gleichermaßen.

Apropos November. Der ist für die Fußballstadt Karlsruhe sei jeher ein bedeutender Monat, auch in internationaler Hinsicht. Wer zum Beispiel bei sieben Toren (siehe oben, gegen England) an ein gewisses 7:0 an einem gewissen Novemberabend gegen einen gewissen spanischen Club denkt: Wir nicken. Und denken mit. Außerdem erinnern wir uns an ein Länderspiel der Frauen gegen Japan (2006), das Länderspiel der Herren gegen Norwegen im November 1955, und an einen zwar innerdeutschen, aber sehr fränkischen Ausraster von Lothar Matthäus beim Heimspiel des KSC gegen den FC Bayern München 1994 („Des is Arbeid, wo man leisded!“).

So also wurde der Fußball in Karlsruhe international – und das auch in Sachen Verein. Ebenfalls 1889 nämlich gründete Walther Bensemann den International Football Club Karlsruhe, aber das ist eine weitere Geschichte. Und wie gelangte Karlsruhe national an die Spitze? Dazu mehr in der nächsten Story, mit S wie Spannung, Spiel und … nein, nicht Schokolade, aber mindestens genauso nach unserem Geschmack.

Text: Sandra Walzer

Der Fußball war in Karlsruhe schon immer da – und irgendwie immer präsent.


Match
Center
1:3