17.03.2016 - 18:05

Grifo: "Das Jahr beim KSC hat mir vieles ermöglicht"

Am kommenden Montag steigt das insgesamt 29. Baden-Derby zwischen dem KSC und dem SC Freiburg. SC-Coach Christian Streich wird dann wieder auf die Dienste von Vincenzo Grifo setzen. Der gebürtige Pforzheimer ist einer der Schlüsselspieler im Freiburger Team. Von 2011 bis 2012 spielte der Italiener in der U19 des KSC. Im Gespräch verrät der Mittelfeldspieler, warum er eine so starke Saison spielt, was seinen Trainer auszeichnet und wie er sein Jahr in Karlsruhe erlebt hat.

Vincenzo, du spielst für den SC Freiburg bislang eine famose Saison und sammelst fleißig Scorerpunkte (11 Tore, 8 Vorlagen). Woran liegt es, dass es auf Anhieb so gut für dich läuft im Breisgau?
Ich hatte mich bereits vor meinem Wechsel zum SC Freiburg beim FSV Frankfurt sehr fit gefühlt und konnte dort gute Leistungen zeigen. Den Schwung habe ich dann mit nach Freiburg genommen. Der Trainer spielt eine ganz große Rolle, weil er mir viel Vertrauen schenkt, sodass ich befreit aufspielen kann. Genauso spielen die Jungs um mich herum eine große Rolle. Wir haben einfach eine große Qualität im Spiel nach vorn und haben dieses Jahr schon einige Tore geschossen. Wir sind eine junge, hungrige Mannschaft, die viel individuelle Klasse besitzt, aber vor allem als Mannschaft gut arbeitet. Hinzu kommt, dass ich mich im Verein und in der Stadt sehr wohl fühle und wenn die äußeren Bedingungen passen, dann läuft es auch auf dem Platz.

Du sprichst davon, dass Christian Streich dir großes Vertrauen schenkt. Heißt das, du genießt unter ihm auch persönliche Freiheiten oder musst auch du dich in erster Linie dem taktischen Konzept der Mannschaft unterordnen?
Jeder Spieler muss sich in erster Linie der Mannschaft unterordnen. Wenn das nicht alle elf Spieler auf dem Platz machen, hat man heutzutage keine Chance, als Mannschaft zu bestehen. Natürlich hat man als Einzelner auch gewisse Freiheiten auf dem Platz, aber das gilt nicht nur für mich, sondern auch für viele andere bei uns im Team. Unser Trainer weiß ganz genau, in welchen Bereichen wir als einzelne Spieler unsere persönlichen Stärken haben und lässt uns dort dann auch unsere Freiheiten.

KSC-Coach Markus Kauczinski ist vom DFB zum Trainer des Jahres 2015 gekürt worden. Eine Auszeichnung, die zwei Jahre zuvor auch an Christian Streich ging. Euer Trainer gilt als ein besonderer Typ, der stets authentisch wirkt. Ist das ein Eindruck, den er in der täglichen Trainingsarbeit bestätigt?
Unser Trainer ist auf jeden Fall einer, der den Fußball lebt. Und zum Fußball gehören bekanntlich auch Emotionen, die unser Trainer bei der Arbeit auch zeigt. Er weiß, wie der Fußball funktioniert und wie er mit uns Spielern umzugehen hat. Wir schätzen ihn sehr als Coach, weil er uns jeden Tag weiterbringen will und nur mit einem solchen Trainer kann man sich als Spieler auch verbessern.

Vor den Landtagswahlen am vergangenen Sonntag hat er öffentlich an euch Spieler appelliert, zur Wahl zu gehen. Wie hast du diesen bemerkenswerten Appell aufgenommen?
Da ich persönlich nur einen italienischen und keinen deutschen Pass habe, konnte ich seiner Aufforderung nicht folgen. Aber wäre ich deutscher Staatsbürger, wäre ich auf jeden Fall wählen gegangen, denn ich finde, er hat Recht mit dem, was er gesagt hat.

In der aktuellen Saison läuft es nicht nur für dich persönlich rund, der SC Freiburg spielt insgesamt eine sehr starke Runde und peilt den direkten Wiederaufstieg an. War der Sieg gegen RB Leipzig (2:1) am vorletzten Spieltag für euch ein Big Point auf dem Weg zurück in die Bundesliga?
Natürlich war es schön, gegen RB zu gewinnen, weil wir sie in der Tabelle nach wie vor verfolgen. Dennoch wissen wir, dass wir mit dem Sieg gegen RB noch gar nichts erreicht haben. Es nutzt uns am Ende nichts, eine gute Saison gespielt, aber unser Ziel nicht erreicht zu haben. Deswegen gehen wir jedes Spiel mit 100 Prozent an, denn wenn du auch nur ein Prozent weniger gibst, kann es in dieser starken 2. Liga komplett schiefgehen.

Aktuell trägst du das Trikot des SC Freiburg - du hast aber auch ein Jahr im Wildpark verbracht im Kader der U19. Wie hast du dein Jahr beim KSC in Erinnerung?
Ich bin ja gebürtiger Pforzheimer und da war es schon immer ein Kindheitstraum, mal für den KSC zu spielen, weil das stets der Club war, an dem man sich als Jugendspieler beim 1. CfR Pforzheim orientiert und mit dem man sich gern auf dem Platz gemessen hat. Das Jahr beim KSC hat mir auch vieles ermöglicht im Hinblick auf meine Karriere. Es hat mir dir Chance gegeben, in der A-Junioren Bundesliga unter Trainern wie Agi (Argirios Giannikis, Anm. d. Red.) und Marco Wildersinn zu spielen. Dabei durfte ich auch mit vielen talentierten Jungs wie Hakan Calhanoglu, Antonio Colak oder Maximilian Reule gemeinsam auf dem Platz stehen. Deshalb war es für mich ein schönes Jahr dort, an das ich gern zurückdenke.

Jetzt steht am kommenden Montag das 29. badische Derby an, wenn der KSC dann im Schwarzwald-Stadion zu Gast sein wird. Das Spiel ist immer auch ein bisschen das Duell Nord- gegen Südbaden. Du kennst jetzt beide Seiten. Stellst du Unterschiede fest, was die badische Mentalität betrifft?
Ich kann diesbezüglich nur sagen, dass beide Clubs jeweils tolle Fans haben, die ihre Mannschaft auch immer zahlreich unterstützen. Als Spieler des SC Freiburg kann ich natürlich in erster Linie nur von unseren Fans sprechen, die mir sehr sympathisch sind, weil sie uns immer unterstützen und nie negativ auffallen, indem sie randalieren oder dergleichen.

Im Derby trifft ein auswärtsstarker KSC, der in der Fremde schon fünf Mal gewonnen hat, auf die heimstärkste Mannschaft der Liga. Was für ein Spiel kann man daher erwarten?

Ein sehr intensives auf jeden Fall. Unsere Heimstärke und die Auswärtsstärke des KSC sagen ja eigentlich schon alles über die Begegnung aus. Ich glaube, dass es ein gutes und intensives Spiel wird und dass sich zwei taktisch gut eingestellte Mannschaften gegenüberstehen werden. Letzten Endes wird natürlich die Tagesform eine entscheidende Rolle spielen. 

Als abschließendes Topspiel des 27. Spieltags wird die Partie am Montagabend unter Flutlicht ausgetragen werden. Ist das für euch Spieler eine besonders motivierende Kulisse?
Es ist für uns Spieler schon etwas Besonderes, montags um 20:15 Uhr zu spielen anstatt sonntags um 13:30 Uhr. Auf ein Flutlicht-Spiel am Montagabend vor ausverkauftem Haus freut man sich tierisch, weil man das nicht oft in der Saison erlebt.

Worin liegen deiner Ansicht nach die Stärken beim KSC, auf die ihr als Mannschaft aufpassen müsst?
Der KSC zeichnet sich in meinen Augen dadurch aus, dass die Mannschaft in der Defensive stets sehr kompakt steht und so die Basis schafft für ein gefährliches Konterspiel mit ihren schnellen Spielern im Offensivbereich. Die Mannschaft hat in den letzten Spielen sehr wenige Tore kassiert, deshalb wird es für uns darauf ankommen, durch ihre Abwehrreihe durchzukommen.

Das Interview führte Amin Mir Falah

 

 

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